„Judenbuche“ als Kurzfilm

Heimatfilm der heilen Welt entreißen

Senden

Keine Chance für verklärende Heimatfilm-Idylle. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mit Droste im Glashaus“ entstand ein künstlerischer Kurzfilm zur Novelle „Die Judenbuche“.

Marcel Wyrobek

Der auf Schloss Senden entstandene Kurzfilm interpretiert die „Judenbuche“, den Klassiker von Annette-von-Droste-Hülshoff, neu. Foto: Alice Bleistein & Natalie Hansen

Schloss Senden ist Filmkulisse für „Die Judenbuche“: Schloss Senden wird zur Kulisse einer filmischen Adaption von Annette von Droste-Hülshoffs Novelle „Die Judenbuche“. Im Zuge der zweiwöchigen Dreharbeiten entstand mit großzügiger Unterstützung des Schloss Senden e.V. ein Kurzfilm, der das bekannte Werk der großen Dichterin neu interpretiert.

Die Dreharbeiten fanden im Rahmen der vom Schlossverein organisierten, in der Region erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Mit Droste im Glashaus“ statt.

Weniger als Kriminalgeschichte und Milieustudie denn als abgründiger Familienroman – eine kritische Perspektive inklusive – soll „Die Judenbuche“ durch den Kurzfilm unter der Regie von Alice Bleistein und Natalie Hansen inszeniert werden. So wie die derzeitigen Bauarbeiten am Schloss Senden das grundlegende Gemäuer freilegen, soll der heilen Welt des Heimatfilms der Putz entrissen werden. Dabei scheuen die Jungregisseurinnen nicht das Experiment mit den Grenzen von Text und Ausdruck, um so neue Blicke auf den alten Stoff zu werfen.

Aufbruch und Biedermeier, Sehnsucht und Heimat. Das sind Spannungsfelder, in denen sich die Menschen des 19. Jahrhunderts bewegten. So auch Annette von Droste-Hülshoff. Auf ihr Leben und Werk werfen 21 Künstlerinnen und Künstler für die vom Schloss Senden e.V. organisierte intermediale Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe „Mit Droste im Glashaus“ neue Blicke. Das autobiographische Element in Droste-Hülshoffs Werk und seine Ambivalenz von Konservatismus und Modernität bleiben auch in der filmischen Adaption der „Judenbuche“ nicht unberücksichtigt. Zwischen Apathie und Manie werden Geschlechtlichkeit, Gesellschaft und tradierte Wertvorstellungen kritisch verhandelt. Der Kurzfilm soll verstören, neugierig machen und zu einer (erneuten) Lektüre des Originals bewegen.

Die Regisseurinnen Alice Bleistein und Natalie Hansen werden vor und hinter der Kamera von Lea Pioch und Marcel Wyrobek (Universität Paderborn) sowie von Max Rohland (Westfalenkammer/Theater Paderborn) unterstützt. Erstmalig zu sehen ist der Kurzfilm vom 23. August bis zum 22. September 2019 in der Ausstellung Mit Droste im Glashaus III am Hawerkamp 31 in Münster. Danach wird es auf Schloss Senden eine Sondervorstellung mit Einführung in das Thema durch die Projektbeteiligten geben.

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