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„Aktion Hoffnungsschimmer“ setzt Projekte fort

Hilfe schwieriger – und wichtiger

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Die humanitäre Lage wird immer schwieriger, die Hürde, um überhaupt vor Ort helfen zu können, immer höher. Dennoch setzt der „Aktion Hoffnungsschimmer“ seine Projekte in Nordsyrien und im irakischen Shingalgebiet fort. Das betont Dr. Jochen Reidegeld, Schirmherr des gemeinnützigen Vereins, der ein weiteres Mal die Krisenregion besucht hatte.

Jochen Reidegeld verschaffte sich auf seiner Reise auch einen Eindruck von Waisenhäusern und Kitas, die mit Unterstützung von Aktion Hoffnungsschimmer errichtet wurden. Foto: Reidegeld

Zerstörte Häuser, zerstörte Kirchen, zerstörte Körper – die Folgen von Terror und Krieg sind unübersehbar. Was fürs Auge weniger sichtbar ist, erfordert aber besonders viel Hinwendung, Einsatz und Energie: die Schäden an Seelen, die Risse durch Familien, die Lücken, die sich in ihren Reihen durch die vielen Opfer ergeben haben. Und die Aussichten, die den Menschen schon viel Kraft abverlangen, damit Pessimismus und Resignation nicht die Oberhand gewinnen. Die Hilfsprojekte, die die „Aktion Hoffnungsschimmer“ im Nordirak und im Norden Syriens stemmt, setzen den Hebel deshalb auf mehreren Ebenen an: von medizinischer Akuthilfe über Bildung und Aussöhnung bis zum ökologischen Einsatz für nachhaltige Lebensbedingungen an einem unwirtlichen Ort.

Mit jedem Vorhaben verbunden ist eine Geste, ein sichtbares Zeichen. Es lautet: „Wir stehen weiter an eurer Seite.“ Ein Anspruch, der angesichts von massiven Luftangriffen und einer aktuell drohenden Bodenoffensive in der Region schwierig wird, wie der Verein betont.

Diese Botschaft ist Dr. Jochen Reidegeld, Initiator und Schirmherr der gemeinnützigen Hilfsorganisation, ein zentrales Anliegen. In der Region herrsche ein „riesiges Ausmaß an Verzweiflung“, lautet seine Einschätzung, die er durch seine jüngste Reise und permanente Kontakte in das Gebiet gewonnen hat. „Eine menschengemachte Katastrophe folgte auf die nächste“, fasst der Geistliche, der nach seiner Tätigkeit als Pfarrer nun ein Forschungsprojekt für das Bistum aufgreift, die letzte Dekade zusammen. Sie reichte vom Bürgerkrieg über den Einmarsch des IS und anhaltende militärische Konflikte bis zu Corona, das dort auf deutlich geschwächte Opfer traf.

Jochen Reidegeld, Initiator und Schirmherr von "Aktion Hoffnungsschimmer", war auf seiner jüngsten Reise drei Wochen lang in Nordsyrien und im Norden des Irak unterwegs. Foto: Reidegeld
Dr. Jochen Reidegeld

„Deshalb ist es so wichtig, dass humanitäre Hilfe weiter präsent bleibt.“ Die gerade intensivierten Militärschläge und die Tatsache, dass Syrien seit vielen Jahren keinen Frieden findet, hätten dazu geführt, dass sich viele internationale Hilfsorganisationen zurückziehen. Ebenso wie sich die mediale Aufmerksamkeit verlagert habe. Die „Aktion Hoffnungsschimmer“ hingegen harrt aus und wirkt dabei mit, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben oder dorthin zurückkehren können.

Reise trotz riskanter Sicherheitslage

Die Hürden, helfen zu können, liegen aber hoch. Das hat Reidegeld bereits bei der Anreise gemerkt. Geflogen über Bagdad nach Erbil, stellte der Weg im Auto bis Shingal das größte Risiko dar. „Die Sicherheitslage ist extrem fragil“, resümiert der 53-Jährige, der mit dem Mediziner Dr. Michael Wilk drei Wochen lang in der Region unterwegs war.

Ein Wechselbad der Gefühle: „Ermutigende Bilder“ nehmen die Besucher in einem Waisenhaus und in Kindertagesstätten mit, die mit Mitteln von „Aktion Hoffnungsschimmer“ - teils in Kooperation mit dem Warendorfer Verein „Kleiner Prinz“ – errichtet wurden. Betreuung ist ein Schlüssel zu beruflicher Qualifikation vor allem der Mütter. Doch ihren Nachwuchs haben einige von ihnen nicht mehr in die Einrichtung gebracht, nachdem ein benachbartes ezidisches Kulturzentrum angegriffen worden ist, nennt Reidegeld ein Beispiel, wie sich die aktuellen Militäroperationen auf die Hilfe zur Selbsthilfe auswirken, die der Sendener Verein leistet. Ein Krankenhaus im Shingal-Gebiet ist ebenfalls aus der Luft bombardiert worden. In der Absicht, den Wiederaufbau und das Sesshaftwerden in der Region zu verhindern, die 2014 von IS-Schergen überfallen wurde.

Schulen und Krankenstationen hat „Hoffnungsschimmer“ auch in Nordsyrien finanziell und mit medizinischen Präparaten unterstützt – selbst Basis-Medikamente, die für Behandlungen erforderlich sind, lassen sich derzeit nicht beschaffen. Weshalb die Hilfe von außen mehr denn je nötig ist, so Orhan Atalan, Vorstandsmitglied von „Aktion Hoffnungsschimmer“. Etwa 2,5 bis drei Millionen Menschen, unterschiedliche Ethnien, Religionen und Konfessionen, leben nach Angaben des Vereins in Nordsyrien.

Jüngster Prothesen-Patient erst drei Jahre alt

Daran, dass der IS sein Terrorregime dort nicht festigen konnte, haben kurdische Kämpferinnen und Kämpfer erheblichen Anteil. Doch inzwischen, so die Einschätzung, sei der Korridor entlang der türkisch-syrischen Grenze Zielscheibe von Erdogans Hegemonialstreben.

Die Folgen zeichneten sich schon bei der Reise von Reidegeld ab. Sinnbildlich stand dafür eine Prothesenwerkstatt, die Opfer der Angriffe versorgt. Obschon das „Ersatzteillager“ gut gefüllt erschien, warten noch 5000 Patienten auf eine Behandlung. Der jüngste von ihnen ist gerade drei Jahre alt, berichtet Reidegeld.

Auf seiner Reise durch Nordsyrien und Nordirak besuchte Jochen Reidegeld eine Prothesenwerkstatt. 5000 Patienten warten noch auf eine Behandlung, der jüngste von ihnen ist drei Jahre alt. Foto: Reidegeld

Was ihn beeindruckt, ist, dass obschon die Wunden von Mord, Verschleppung und Versklavung noch klaffen, gleichwohl an der friedlichen Koexistenz in der Region gearbeitet werde. Ein Haus der Aussöhnung bildete auch eine Station der Reise – nicht weit entfernt gelegen von einer IS-Hinrichtungsstätte und Massengräbern.

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