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Kunst- und Kulturbranche weiterhin in der Corona-Warteschleife

Hilfen erreichen nicht jeden

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Auf die Situation von Dozenten der Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKis) in der Corona-Pandemie machen Kursleiterinnen und die KuKiS-Vorsitzende Iris Weintz aufmerksam. Digitale Formate könnten das gemeinsame Malen oder andere künstlerische Aktivitäten nicht ersetzen.

Von Kristina Hinz

„Der Kursbetrieb findet nicht statt. Wir mussten uns an die Corona-Auflagen halten. Von daher war es leider so, dass wir erstmal vergangenes Jahr im Frühjahr komplett schließen mussten. Dann konnten wir wieder unter Auflagen aufmachen“, erzählte Iris Weintz, erste Vorsitzende der Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS). Drei Dozenten konnten zum Sommer hin ihre Kurse fortführen – mit nicht mehr als zehn Teilnehmern. Tische wurden in Abständen zueinander gerückt, Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. „Es war ja auch ein wunderschönes Frühjahr und Frühsommer, von daher wurde ordentlich gelüftet“, informierte sie. Dann kam der weitere Lockdown. Seitdem können die Mal-, Skulptur-, Tanz- oder Theaterkurse nicht stattfinden. „Als Verein ist das keine schöne Situation mit über 400 Mitgliedern, die natürlich recht enttäuscht sind, mit den Hufen scharren, dass sie wieder was machen können“, sagte die Vorsitzende.

Finanziell sei der Verein in der Corona-Situation gut abgesichert. Es sind zwölf bis 13 Dozenten, die ihre Kurse jedoch nicht mehr geben können. „Die hat es hart getroffen“, nahm Weintz Bezug zur aktuellen Situation hauptberuflicher Künstler. Digitale Formate sind bei den Seminaren eine schwierig umzusetzende Alternative. Die Betreuung erfolgt individuell. „Ein Bildhauer kann nur schwer zehn Teilnehmer gleichzeitig digital betreuen“, erklärte Weintz. Das Material, wie man damit umgeht und mit welchem Werkzeug bedarf eines ausführlichen Erklärens – im Austausch miteinander.

Viele menschliche Beziehungen entstanden

„Das Malen steht im Vordergrund, da sind aber so viele menschliche Beziehungen entstanden. Die Gruppen sind so fest zusammengewachsen. Das ist traurig, dass wir uns nicht sehen“, sagte Anne Peltzer. Seit 30 Jahren unterrichtet sie Aquarellmalerei. „Ich habe tatsächlich sogar Kurse, in denen die Teilnehmer wirklich schon 30 Jahren dabei sind“, erzählte sie.

Corona bedeute eine stille Zeit. Zum einen habe sie Zeit, eigene Projekten zu entwickeln. Aktuell arbeitet sie an einer Skulptur. Doch: „Mein Hauptbetätigungsfeld sind die Seminare, nicht nur bei der KuKiS, sondern auch bei der VHS Lüdinghausen“, veranschaulichte sie ihre berufliche Situation. Staatliche Hilfen erhielt sie keine.

„Als ich mich gemeldet habe, schon beim ersten Mal, hieß es, die Töpfe sind erschöpft. Dann wurde nochmal nachgelegt“, erklärte sie. Beim weiteren Antragsgesuch erhielt die Künstlerin die Info, dass dieses Mal diejenigen, die bei der ersten Förderung nicht berücksichtigt worden sind und den Antrag bereits gestellt hatten, an der Reihe wären. „Das war total unglücklich.“ Peltzer ist Grafikdesignerin, sodass sie Grafikaufträge erhielt und sie ist verheiratet, sodass ein regelmäßiges monatliches Einkommen besteht. Das ist nicht die Regel.

Kursleiterin auf Hartz IV

„Ich bin jetzt auf Hartz IV“, sagte die Künstlerin Lucyna Baron, die sonst ebenfalls Kurse bei der KuKiS gibt. „Früher habe ich auch Ausstellungen gemacht, die sind alle dicht. Ich bin alleinerziehende Mutter. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, erklärte sie. Die staatliche Hilfe betrug 2000 Euro. „Hätte ich nach zwei Monaten kein Hartz IV beantragt, hätte ich kein Geld zum Leben gehabt.“

In den Kursen sei es möglich gewesen, einen Abstand von bis zu vier Metern unter den Teilnehmern umzusetzen. „Ich konnte die Masken- und Hygienemaßnahmen einhalten“, veranschaulichte sie das Arbeiten unter Corona-Bestimmungen – bis zur nächsten Lockdown-Situation, die für die Kunst- und Kultur-Branche weiterhin präsent ist. Was derzeit passiere, sei ein Arbeitsverbot. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar. In Büros sitzen Leute enger zusammen“, zeigte sie einen Vergleich auf. Baron legte nahe: „Malen ist wie Nahrung für die Seele. Da entsteht ein großes Loch, das durch die Unsicherheit, die außen herrscht, nicht gestillt werden kann.“