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Ute Hamelmann ist Spezialistin für „neues Arbeiten“

„Im Stehen denkt es sich besser“

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Mehr Freude am Job, besseres Teamwork im Betrieb und eine Digitalisierung, die dem Menschen dient. Das sind Ziele des „neuen Arbeitens“. Die Sendenerin Ute Hamelmann ist Spezialistin auf diesem Gebiet und hat soeben ein Buch veröffentlicht.

Angela Weiper

Ute Hamelmann (l.) beschäftigt sich mit neuen Formen des Arbeitens. Foto: privat

Was wäre das schön: Einen Job ohne viele Routinen und einen Chef, der nicht immer nur sagt, was gerade nicht läuft. Stattdessen wechselnde Aufgaben, selbstorganisierte Arbeit in kleinen Teams, Treffen, bei denen die Fortschritte besprochen und die Ergebnisse prägnant präsentiert werden. Dazu flache Hierarchien und lockerer Umgangston auf Augenhöhe. Und wenn’s beim Denken hilft: Ruhig mal die Füße auf den Tisch legen. Gibt‘s nicht? „Doch“, sagt Ute Hamelmann, „neue Formen des Arbeitens wie die agile Arbeit sind keine Utopie mehr.“

Die 45-jährige Sendenerin beschäftigt sich beruflich schon länger mit dem Thema „New Work“. Seit Anfang der 2000er Jahre ist sie bei Westlotto in Münster und wurde dort 2017 Innovationsmanagerin. Seither ist agiles Arbeiten ihr tägliches Brot. Dabei treibt sie vor allem eine Frage an: Wie kann die Digitalisierung uns als Menschen dienen und nicht ausbeuten? „Agiles Arbeiten ist eine Form der Zusammenarbeit, bei der der Teamgedanke im Vordergrund steht und bei der Beweglichkeit im Denken und Handeln wichtig ist“, erklärt die studierte Historikerin.

Soeben ist ihr erstes Buch erschienen, das sie zusammen mit der Berliner Schauspielerin Martina Hesse geschrieben hat. „Unsere Zeit ist jetzt!“ heißt es und richtet sich an Frauen, denen die Autorinnen locker und fundiert neue Wege aufzeigen, wie „frau“ heute anders leben und arbeiten kann. Viele Frauen, so Hamelmann, handeln in ihrem Alltag schon sehr agil: Zum Beispiel bei der Kindererziehung. „Sie ist schon sehr nah dran an den agilen Führungskonzepten, die auf Coaching, Vertrauen und Potenzialentfaltung zielen“, zieht Ute Hamelmann Parallelen.

„Durch das agile Arbeiten identifizieren sich die Mitarbeitenden mit ihrer Firma, und die wird dadurch gerade für junge Menschen attraktiv“, weiß die Sendenerin, die agiles Arbeiten zunächst in einer Art Pilotprojekt erfolgreich bei ihrem Arbeitgeber eingeführt hat. „Das war gerade am Anfang nicht ganz so einfach, weil agiles Arbeiten transparent macht, womit sich das Team gerade beschäftigt. Und auch regelmäßige Feedbacks sind erst mal gewöhnungsbedürftig.“

Hamelmann und ihre Kolleginnen und Kollegen nutzen ein weiteres Instrument des agilen Arbeitens: das Stand Up. Das sogenannte Daily ist dabei ein tägliches Treffen, das im Stehen stattfindet. Innerhalb von 15 Minuten werden die Pläne für den Tag besprochen und die Aufgaben in den Teams verteilt. „Im Stehen denkt es sich besser und schneller“, so die „New Work“-Fachfrau. Agiles Arbeiten sei neben körperlicher Beweglichkeit auch die Beweglichkeit, „seinen Standpunkt mal aufgeben zu können“.

Über allem aber steht eine gute Kommunikation – sie ist das Schmiermittel des agilen Arbeitens: „Ein großes Ego oder Abteilungsinteressen gehen gar nicht“, macht Ute Hamelmann deutlich, wie wichtig der offene Austausch ist. Und das am besten von Angesicht zu Angesicht. „Wir brauchen als Menschen das Körperliche unseres Gegenübers im Gespräch“, sagt Hamelmann, „ohne Mimik und ohne Gestik funktioniert das nicht richtig.“ Das könne auch das ausgefeilteste Video-Meeting nicht ersetzen. „Ich sehe das besonders beim Distanzlernen“, sagt die Mutter zweier Söhne. „Das ist einfach kein Ersatz.“ Bildung sei im Grunde etwas sehr Körperliches, so Hamelmann, die sich in ihrem Buch auch diesem Phänomen widmet.

Wahrscheinlich wird ihr digitale Kommunikation wegen der Corona-Pandemie noch etwas länger erhalten bleiben. „Das ist sehr schade“, meint die Innovations-Managerin, die nichts lieber möchte, als mit ihren Kolleginnen und Kollegen wieder persönlich und kreativ interagieren zu können: „Es geht nichts über ein echtes Gespräch!“

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