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Sendener Ornithologe untersucht Vogelbestand im Moor und im Bürgerpark

Jagd mit Fernrohr und Gehör

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Dr. Andreas Leistikow kann das Zwitschern im Walde unterscheiden. Der Ornithologe bewegt sich viel in der Natur – und bringt diese auf Exkursionen auch näher.

Christian Besse

Dr. Andreas Leistikow am südlichen Eingang zum Venner Moor. Der Ornithologe kennt den Wald wie seine Westentasche. Foto: Christian Besse

„Für mich ist das eine Möglichkeit, mich in einer sehr dynamischen Welt wieder zu erden und unsere Luxusprobleme einmal zu vergessen. In der Natur kann man noch erleben, dass wir ein Teil von ihr sind.“

Dr. Andreas Leistikow bewegt sich oft und gern unter freiem Himmel, vor allem im Wald. Der Sendener ist kein Förster, Jäger oder Landwirt, er macht als Marketingleiter eines Verkehrsbetriebes vielmehr das, was man einen klassischen Bürojob nennen könnte.

Doch ein typischer Spaziergänger, der sich in der Natur für eine oder mehrere Stunden die Beine vertritt, ist der 52-Jährige auch nicht. Alles andere als das. Leistikow ist Vogelexperte, kann das Zwitschern im Wald mühelos der entsprechenden Art zuordnen.

Gute Ohren und Fachwissen

Sein Fachwissen hat er schon dem Naturschutzzentrum des Kreises Coesfeld bei der Erfassung der Vogelarten im Venner Moor zur Verfügung gestellt. Für den Dachverband deutscher Avifaunisten (DDA) ist der Sendener auch mehrfach durch das Venner Moor oder den Sendener Bürgerpark gezogen, bewaffnet mit Fernrohr, detaillierter Landkarte, Klemmbrett und wasserfestem Stift. Die ermittelten Vogelbestände sind dann zusammen mit vielen tausend ehrenamtlich erhobenen Daten in den deutschen Brutvogelatlas eingeflossen.

Das Fernrohr hilft dabei, fundamental sind aber „einigermaßen gute Ohren“ (Leistikow) und vor allem Fachwissen. „Ich bin durch meinen Vater recht naturverbunden aufgewachsen“, sagt der Sendener. „Mit elf Jahren habe ich an meiner ersten Vogelexkursion teilgenommen. Damals hat man noch von Schallplatten gelernt, die verschiedenen Stimmen zu unterscheiden und Bücher gewälzt. Heute nutzt man das Internet und entsprechende Apps.“

Stabiler Vogelbestand im Venner Moor

Eine App, die Vogelstimmen wiedergeben kann, nutzt auch Leistikow, wenn er den Vogelbestand kontrolliert und kartiert. Aber nur dann. Denn ansonsten ist es verboten, in der Natur Apps zu benutzen, die Vogelstimmen erklingen lassen – zum Schutz der Tiere.

Eine Ausnahme macht der Sendener bei einem Gang mit dem Journalisten durch das Venner Moor. „Das war eine Sumpfmeise“, sagt er nach einem Zwitschern irgendwo aus dem Gehölz. Zückt sein Handy und „antwortet“ mit dem Zwitschern einer Sumpfmeise. Und steckt sein Handy wieder ein. „Mehr als einmal kann ich das nicht machen. Sonst denkt der Vogel, ein Konkurrent wolle ihm sein Revier streitig machen. Damit könnte ich ihn vertreiben.“

Und wie ist es nun mit dem Vogelbestand im Venner Moor bestellt? „Er ist relativ stabil“, antwortet der Fachmann. „Die Turteltaube ist seltener geworden. Das ist aber deutschlandweit so und liegt vor allem daran, dass viele Vögel bei ihrer Rückkehr aus dem Süden von Jägern abgeschossen werden, wenn sie südeuropäische Länder überfliegen.“

Faszination des Hobbys

Im Ort Senden habe es dagegen Zuwachs gegeben, der manchen Zweibeinen gar nicht willkommen sei – Kanadagänse. „Sie lassen sich in Böschungen und Teichen nieder, um dort zu brüten“, sagt Leistikow über die „Neubürger im Bürgerpark“.

Wer in die Arbeit eines Ornithologen einmal „hineinschnuppern“ und die Faszination dieses Hobbys erfahren möchte, hat in den kommenden Monaten zwei Mal dazu Gelegenheit. Am 22. April (Donnerstag) unternimmt Andreas Leistikow von 18 bis 20 Uhr eine Vogelstimmenexkursion durch das Venner Moor, am 13. Juni (Sonntag) von 20 bis 22 Uhr durch den Sendener Bürgerpark.

Veranstalter sind die Gemeinde Senden sowie das Biologische Zentrum. Über dessen Internetseite www.biologisches-zentrum.de sind auch schon Anmeldungen möglich.

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