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Vor 30 Jahre fiel Karneval schon einmal aus

Jallermann schaut traurig drein

Ottmarsbocholt

Corona macht den Ottmarsbocholter Jecken einen Strich durch die Rechnung. Auch der große Umzug, der für Sonntag (7. Februar) vorgesehen war, muss ausfallen. Dieses Schicksal ereilte die Karnevalisten schon einmal vor genau 30 Jahren.

Sigmar Syffus

Coronabedingt steht der Jallermann nicht nur im wahrsten, sondern auch im übertragenen Sinne im Regen. Foto: Siegmar Syffus

Betrrübt sind die Jecken, denn Karneval in „Otti“ ist seit August schon abgesagt. Ein Tränchen dürften sich viele allerdings verkneifen, wenn „Väterchen Frost“ am Sonntag (7. Februar) mit Eis und Schnee das Zepter schwingt. Doch nicht zum ersten Mal muss der große Umzug ausfallen. Auch vor genau 30 Jahren wurden Frohsinn und Heiterkeit überschattet.

Am 11.11.1990 stellte sich mit Manfred I. (Becker) und Funkenmariechen Claudia I. (Löchter) das neue Prinzenpaar der Karnevalsecke Heide vor. Die Vorbereitungen für die Prinzenproklamation und den Umzug waren so gut wie abgeschlossen. Doch dann trat im Januar 1991 eine von den USA angeführte Koalition in den Golfkrieg ein, sodass die Kampfhandlungen eskalierten. Dem bundesweiten Trend folgend beschlossen der Vorstand der Junggesellen und Vertreter der Karnevalsecken, auf einer gemeinsamen Sitzung, die noch ausstehenden Veranstaltungen der Session anzusagen, ist in der Festschrift „200 Jahre Junggesellenverein Ottmarsbocholt“ nachzulesen. Nur die Ottmarsbocholter Karnevalszeitung (OKZ) erschien, ebenso wie es auch in diesem Jahr – Corona zum Trotz – der Fall ist. Als erstes Prinzenpaar hielten Manfred I. und Claudia I. das Narrenzepter somit für zwei Jahre in der Hand. 1992 wurde das Versäumte nachgeholt: „Das letzte Jahr ist schon vergessen – wir feiern heute wie besessen“. Und am 15. Februar 1992 führte der neue Conférencier Heinz Weppelmann in der Halle Vollmer durch die Prinzenproklamation.

Damit den Jecken 2021 der Verzicht auf „Otti-Botti-Karneval“ nicht ganz so schwer fällt, hat Gerd („Bello“) Beisenkötter folgendes närrisches Gedicht verfasst:

Jallermanns Jammer

Gruß vom Jallermann, jetzt wär das Karnevalswochenende dran.

Doch wegen dem Corona-Graus

steh ich vor Beisenkötters Haus,

festgewachsen, eingesunken,

nichts gegessen, nichts getrunken,

die Quetschkommode eingerostet,

keiner da, der mir zuprostet.

Auch das kleine Jallermenchen

vergießt heimlich ein paar Tränchen,

will nicht lachen, tanzen, springen,

keine Karnevalslieder singen.

Denn kein Basteln gibt‘s und Wagenbauen

kein Nähen und Rosenbinden durch die Frauen,

keine Pripro, keine Eckenfeste,

keine Orden für die bunte Weste

kein Eiersammeln, auch Umzug nicht

und die Kneipen alle dicht.

Ach wie ist das Herz uns schwer

denn Karneval fehlt wirklich sehr.

Doch ein Trost bleibt, oh wie nett,

es gibt doch die OKZ.

Mit AHA verteilt von Tür zu Tür

ohne Schnaps und ohne Bier

Spenden nimmt man gern entgegen,

denn Karneval wird weiterleben.

Dieses Jahr noch im Lockdown

– nächstes Jahr schön wie ein Traum.

Es brechen wieder bessere Zeiten an. . .

Otti-Botti Helau und Gruß vom Jallermann.

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