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Im Clinch mit der Deutschen Glasfaser

Kein Anschluss – aber Ärger

Senden

Ausgerechnet Michael Kiesling, IT-Unternehmer und einer der größten Promoter des Glasfaser-Ausbaus in Senden, liegt im Clinch mit dem Provider. Rechtsabteilung und Anwältin sind mit dem „Fall“ befasst.

Dietrich Harhues

Kein Zugang zum Datenhighway: Das my CMD-Team (v.l.) Raphael Hinz, Michael Kiesling, Anna Unger und Stefan Schneider hadert am Firmensitz mit geringem Tempo beim Down- und Upload. Foto: di

Auf dem „Sieger-Foto“ lächeln alle noch um die Wette: „Der Glasfaser-Ausbau kommt“ lautete am 6. Mai 2015 die dazugehörige Schlagzeile in den WN. Mit dreiwöchiger Verlängerung endete damals der Wettlauf um Verträge mit einem Finish, wie es sich Investor, Provider und Gemeindespitze wünschten: Die 40-Prozent-Quote (von rund 5000 Haushalten) sei „tatsächlich geknackt“ worden, wurde beim Pressetermin kundgetan. Sicher ein Meilenstein in der Entwicklung der Gemeinde. Dennoch: Die Freude darüber ist bei einigen längst verflogen. Einer von ihnen ist Michael Kiesling, Chef des IT-Unternehmens „my CMD“, der in einem ernsten Zwist mit der Deutschen Glasfaser steckt.

Gemeinde und Multiplikatoren helfen beim Vertrieb

Damit leistet sich das Unternehmen, das von vielfacher „Vertriebshilfe“ in Senden profitiert hat, Zoff mit einem der Hauptförderer des Vorhabens, Senden ans Glasfasernetz zu bringen. „Ohne uns wäre das ganze Projekt wohl kaum zustande gekommen“, fasst Kiesling selbst den Einsatz von sich und seinem Team zusammen. Übrigens habe das Thema Glasfaser viel Auslastung und Arbeit, aber wenig Ertrag gebracht, beteuert der Unternehmer. Denn Kunden, die einen Vertrag geschlossen hatten, sahen die Dienste von Kiesling und Co. dabei als „inklusiv“ an. „Wir haben unendlich viel Arbeit investiert und denen den Weg geebnet“, resümiert der Sendener resigniert.

Beim Siegerfoto lächeln noch alle: Am 5. Mai 2015 wird der Glasfaser-Ausbau verkündet. Foto: di

Viel Einsatz und wenig Umsatz für die Glasfaser

Quasi als „Dank“ für unzählige Gespräche als Multiplikator und Kulanzdienstleistungen sieht sich der selbstständige IT-Fachmann mit erheblichen finanziellen Forderungen der Deutschen Glasfaser (DG) konfrontiert – und steht selbst ohne einen Anschluss an den Datenhighway da.

Genug von Glasfaser: Welche Optionen gibt es

Die zweijährigen Verträge mit Deutscher Glasfaser und Helinet laufen allmählich aus. Für viele Kunden ist es damit an der Zeit zu prüfen, ob es Alternativen gibt. Die klare Antwort: Wenn es sowohl um hohes Tempo beim Download von Inhalten und beim Upload von eigenen Daten geht, bleibt Glasfaser wohl die erste Wahl. Auf diesem Segment tummeln sich in Senden aber nur Helinet (Marktführer bei den Verträgen in Senden) und Deutsche Glasfaser als Provider. Das Bild ist aber buntscheckig. Die Frage, welche Optionen bei Internet und Telefonieren besteht, hängt in erster Linie vom Standort innerhalb Sendens ab. Wer wieder zu DSL oder VDSL zurückkehren möchte, kann die Verfügbarkeit für seine Adresse mit einem Klick auf der Homepage des jeweiligen Anbieters überprüfen. Von 1 & 1 über Telekom bis Vodafone reicht die Palette der Provider für Senden. In manchen Gebieten steht auch Unitymedia bereit.

Bei Blick in die Tarife sollte die Summe für die gesamte Laufzeit von 24 Monaten berechnet werden; die plakativen Preise für die ersten zwölf Monate gaukeln günstigere Bedingungen vor. Generell liegen die Preise für die Glasfaseranschlüsse etwas über den Tarifen für VDSL/DSL.

Das kam so: Zum 15. November ist die Firma my CMD von der Siemensstraße (neben dem A-Z Markt) an den Messingweg 37 b gezogen, im August kündigte Kiesling das bei DG an, von der er wochenlang keine Reaktion erfolgt sei. Während am ursprünglichen Standort ein Glasfaseranschluss lag, bereitete dieser am neuen Domizil Probleme. 11 000 Euro sollte es kosten, die längere Zufahrt bis zum Netz im Messingweg zu überwinden, hieß es zuerst. Dann kam eine Trasse ins Spiel, bei der 3500 Euro fällig geworden wären, so Kiesling.

Kommentar: Glasfaser beschert Freude und Frust

Das Turbo-Netz beschleunigt den Standort Senden. Als Adresse für Gewerbe und auch für Häuslebauer entpuppt sich die Verfügbarkeit über schnelles Internet als ein entscheidendes Kriterium. Insofern gibt es keinen Zweifel daran, dass es richtig war, die Stevergemeinde an den Datenhighway anzuschließen.

Dies gilt zumal vor dem Hintergrund, dass Senden zwar an der Spitze einer Entwicklung stand, sich diese aber in der Fläche ausbreitet. Zug um Zug rüsten die Kommunen auf und lassen das Breitbandnetz ausrollen.

Ganz klar geschieht das nicht aus Wohltätigkeit, sondern mit dem Blick auf Rendite. Angesichts dessen, dass die Gemeinde sowie viele Bürger und Unternehmer wie Michael Kiesling der Deutschen Glasfaser und der Helinet beim Vertrieb massiv unter die Arme gegriffen haben, wird es zu Recht als Ärgernis empfunden, wie die Firmen mit diesem Vertrauen umgehen: technische Aussetzer, ein wenig pannenresistentes Netz, mangelnde Information der Kunden und ein deutlich ausbaufähiges Serviceverhalten schüren teils weit verbreiteten Unmut über die Anbieter.

Als Reaktion bleibt für die Kunden die Kündigung aber eine stumpfe Waffe. Denn der – von Anfang an in Aussicht gestellte – Wettbewerb auf dem schnellen Netz findet gar nicht statt. Der Einfluss von Verwaltung und Politik auf die Glasfaser-Partner scheint beendet, seit die Unternehmen ihre finanziellen Schäfchen ins Trockene gebracht haben.    Kasse machen, und dann zieht die Karawane zur nächsten Kommune weiter – dieser Eindruck drängt sich auf. Dietrich Harhues

Kein Anschluss, aber hohe finanzielle Forderungen

Zu einem Abschluss und einem Anschluss an den Datenhighway kam es aber gar nicht mehr, weil der Vermieter als Eigentümer nicht einwilligte.

Michael Kiesling über den Glasfaser-Ausbau

Damit war das Thema aber keineswegs beendet. Zwar steht das IT-Haus jetzt ohne Zugang zum schnellen Netz da – und muss sich DSL 6000 und Ausweichlösungen an anderen Adressen begnügen – , die Deutsche Glasfaser bittet aber weiter zur Kasse. Sie verlangte von Kiesling einen Abschlag in Höhe von 4465 Euro. Damit sollte er 80 Prozent der Kosten tragen, die durch den Abschluss eines dreijährigen Vertrages als Gewerbekunde entstanden sind. Der Vertrag, bei dem monatlich 200 Euro fällig werden, lief ursprünglich bis zum 29. Mai 2019. Der Sendener Informatikkaufmann pocht aber auf ein Sonderkündigungsrecht, das die DG-Geschäftsbedingungen auch einräumen, wenn nach einem Umzug kein Anschluss zur Verfügung steht. Entsprechende Belege, dass die Auffahrt auf den Datenhighway an seinem Vermieter scheitert, schickte Kiesling an den Provider und Netzinvestor. Dieser beharrt hingegen darauf, dass ein Anschluss vom Messingweg aus bis zu den Firmenräumen möglich ist. Allerdings hat DG die eigene Forderung an Kiesling, der längst seine Anwältin eingeschaltet hat, gerade halbiert. Da es ums Prinzip und einen immer noch erklecklichen Betrag für das kleine Unternehmen geht, lässt der Sendener diese Ansprüche der Deutschen Glasfaser abprallen. Das Unternehmen selbst lehnt auf WN-Anfrage eine Stellungnahme zu dem schwebenden Verfahren im „Fall“ Kiesling ab. Der wundert sich auch über den atmosphärischen Umgang mit ihm als Kunden. Er habe nur ein Gespräch gesucht und daraufhin Post von der DG-Rechtsabteilung erhalten . . .

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