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Szenarien für den Hafenplatz am Kanal

Kommt die Toilette mit einem Café?

Senden

Gerade an sommerlichen Tagen erfreut sich der schmucke Platz am Kanal in Senden großer Beliebtheit. Doch viele vermissen dort eine Toilette. Die CDU hatte im Oktober 2021 einen entsprechenden Antrag an die Verwaltung gestellt. Ende des Monats will die Gemeinde Lösungsmöglichkeiten vorstellen.

Von Dietrich Harhues

Münchner im Münsterland: Manfred Endres erkundet für ihn bisher unbekanntes Terrain. Dem Bayer fehlen an Sendens Hafenplatz Schatten, eine Toilette und ein Cappuccino. Foto: di

Um das Thema stilles Örtchen wird es nicht still. Unter Freiluftfans und Ausflüglern ist die Anregung (wenn nicht Forderung) nach einem Klo am Kanal immer öfter zu vernehmen. Denn dort, wo die Wasserstraße weithin am schönsten zu genießen ist, dem ziemlich neuen Sendener Hafenplatz, legen unzählige E-Biker eine Pause ein und fläzen sich Wasserfreunde in der Sonne. Wenn dann die Notdurft ruft, erleben manche eine echte Not.

Ganze Radler-Kohorten unterwegs

Das Problem ist nicht neu – und im Rathaus längst angekommen. Dafür sorgte nicht zuletzt ein politischer Antrag der CDU. Anfänglich hatte die Verwaltung auf die öffentlich zugänglichen „netten Toiletten“ im näheren Radius des Hafenplatzes hingewiesen (so im Rathaus, in Eisdiele oder „Journal“ und zu Marktzeiten am Kirchplatz). Das war der Tenor im WN-Bericht vom 27. März 2021, als zudem ein politischer Impuls noch fehlte. Was passiert, „wenn die Pinkelpause am Wasser pressiert“, so die damalige Überschrift: Eine Lösung, wenden viele Kanalbesucher ein, ist das bestehende WC-Angebot nicht, denn angesichts längerer Wege und nur beschränkter Öffnungszeiten kann es zu spät sein fürs Erreichen der rettenden Infrastruktur.

Mit dem Vorstoß der CDU, der am 3. Oktober vorigen Jahres an die Verwaltung geschickt wurde, und dem tagtäglichen Bild von ganzen Radler-Kohorten, die zumeist ihre E-Bikes an dem schmucken städtebaulichen Upgrade abstellen, änderte sich offenbar die Agenda im Rathaus.

Derzeit läuft eine Prüfung, die ergeben soll, was die Errichtung einer Toilettenanlage kostet und welche Herausforderungen der Standort mit sich bringt. Eine Aufgabe, die nicht trivial ist, wie Katrin Fröhlich als Sprecherin der Gemeinde betont. Ein Ergebnis soll am 30. August im Wirtschaftsförderungsausschuss vorgestellt werden, der in seiner Sitzung am 10. Mai der Verwaltung diesen Auftrag erteilt hatte.

Gastronomie und öffentliches WC „zusammen betrachten“

Dass das Toiletten-Thema inzwischen in diesem Ausschuss gelandet ist, hat seine Bewandtnis: Es könnte sich noch ein anderes Szenario abzeichnen, das wohl als Klo-Synergie bezeichnet werden kann. Denn, wie Gemeindesprecherin Katrin Fröhlich gegenüber den WN bestätigt, haben sich auch mögliche gastronomische Betreiber gemeldet, die ihr Interesse an dem prominenten Platz bekundet haben. Die Themen Gastronomie und öffentliches WC sollte fortan „zusammen betrachtet werden“, so Fröhlich.

Sie bremst aber Sektkorken knallenden Überschwang aus, der aufkommen könnte, nachdem in ersten Anläufen des Bauprojektes an dieser hervorgehobenen Adresse das Thema Bewirtung begraben werden musste. „Es gibt keine Verträge, nur Ideen und Anfragen“, betont die Gemeindesprecherin. Eine Verknüpfung der WC-Forderung mit einem Gastro-Betrieb hätte Vorteile, was nicht nur den Bau, sondern auch den Unterhalt des stillen Örtchens angeht. Ob den potenziellen Wirten eine entsprechende Auflage gemacht werden kann und soll, ist aber noch offen.

„Die Frequenz ist da“

Kaffee und Klo am Kanal – eine verheißungsvolle Aussicht. Findet auch Sascha Weppelmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion in Sendens Rat. Er räumt ein, dass der Antrag seiner Partei inzwischen „schon ein bisschen was älter ist“. Dass die Gemeinde aber den Weg über die Gastro-Schiene sucht, sieht Weppelmann als sinnvolle Strategie an. Denn eine kulinarische Stärkung am Kanal stärkt auch Senden. „Das wäre ein Gewinn für die Gemeinde“, unterstreicht der CDU-Fraktionsvorsitzende. Auch er erinnert sich noch daran, dass die ursprünglichen Gastro-Akquise-Versuche, die mit dem Grundstückskauf verbunden waren, gescheitert sind. Dass die Lage nun anders eingeschätzt wird, wundert ihn nicht: „Die Frequenz ist da“, resümiert Weppelmann, der sich freut, „dass da was los ist“. Dass beim Freiluft-Vergnügen deutlich über die Stränge geschlagen wird, wie es anfänglich zum Leidwesen der Anwohner der Fall war, ist in diesem Sommer nicht beobachtet worden, lautet auf Anfrage die Einschätzung des Ordnungsamtes.

Eine Realisierung der Toilettenpläne – allein oder in Kombination mit Café oder Kneipe – werde nicht vor der nächsten Sommersaison kommen, erläutert Gemeindesprecherin Katrin Fröhlich. Für die Antrag stellende Fraktion ist das Thema durchaus zeitkritisch. Gleichwohl: „Es wäre zwar wünschenswert, das bald umzusetzen, aber wichtiger ist, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird“, gibt der Fraktionsvorsitzende als Devise aus.

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