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Beratungsangebot für Wohnungslose verlängert

Manchmal helfen kleine Dinge

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Auch in Senden gibt es Menschen, die obdachlos sind, oder denen der Verlust der Wohnung droht. Ihnen steht Lena Stippel zur Seite, die regelmäßig offene Sprechstunden anbietet und zu verschiedenen Hilfsangeboten vermittelt. Das Projekt ist einzigartig im Kreis Coesfeld.

Von Thomas Fromme

Lena Stippel berät Menschen, die obdachlos sind oder denen der Verlust ihrer Wohnung droht. Foto: fro

Obdachlosigkeit in Senden? Gibt es die? In Zeiten von Wohnungsnot und hohen Mieten gar nicht so selten. Auch wenn der Gemeindeverwaltung nur einzelne Menschen bekannt sind, die draußen übernachten. „Viel öfter geht es um drohende oder versteckte Wohnungslosigkeit – wenn Menschen zum Beispiel als Sofa-Hopper oder Couch-Surfer bei Freunden oder Verwandten unterkommen“, berichtet Lena Stippel, die im Auftrag der Gemeinde Menschen berät, die obdachlos sind oder denen der Verlust ihrer Wohnung droht. Und als wohnungslos gelten auch diejenigen, die vom Ordnungsamt eine Unterkunft der Gemeinde erhalten haben.

Wohnungslosigkeit verhindern

Seit April ergänzt Lena Stippel vom Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen e.V. das Hilfsangebot der Gemeindeverwaltung. „Mir geht es darum, die Menschen in ihren schwierigen Situationen zu unterstützen, sie zu motivieren und Wohnungslosigkeit zu verhindern. Wer aber bereits betroffen ist, dem helfe ich bei der Suche nach einer neuen Unterkunft und der Sicherung seiner Existenz“, sagte Lena Stippel, die für die ambulanten Dienste des Vereins ansonsten im Kreis Borken tätig ist.

Neben der Sprechstunde trifft sie die Menschen auch in ihren Unterkünften und vermittelt ihnen andere Beratungsangebote – zum Beispiel zur Schuldner- oder Suchtberatung – und begleitet sie auf Wunsch dorthin.

„Manchmal kann ich auch mit kleinen Dingen wie Bekleidung aus der Kleiderkammer, dem Kontakt zur Tafel oder mit Batterien für die Taschenlampe für ein Erfolgserlebnis sorgen“, sagt die Beraterin.

In den gemeindlichen Obdachlosenunterkünften befinden sich aktuell neun Personen – fünf Männer und vier Frauen. Viele, die dort untergebracht sind, sowie auch weitere von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen haben das Hilfsangebot inzwischen angenommen. Es wurden bereits viele Kontakte geknüpft und Beziehungsarbeit geleistet. Die Beratungsangebote finden weiterhin alle 14 Tage statt, die Prozesse sind jedoch meistens sehr langwierig. Aus diesem Grunde sind tatsächliche Erfolge erst nach einer längeren Anlaufzeit als zunächst prognostiziert zu erwarten. Die aktuell noch laufende Versuchsphase sollte zunächst am 31. Dezember 2021 enden. Die Kosten betragen pro Monat etwa 750 Euro. Fördermittel gibt es dafür bislang nicht. „Doch wir prüfen das laufend“, berichtete Rahel Epping, Fachbereichsleiterin für Ordnung und Soziales der Gemeindeverwaltung.

Einzigartiges Beratungsangebot

Nach der erfolgeichen Testphase wird das Angebot bis Ende 2022 verlängert. Dafür hat sich der Sozialausschuss der Gemeinde mit großer Mehrheit ausgesprochen.

Bislang ist das Beratungsangebot in Senden einzigartig im Kreis Coesfeld. Doch das muss nach Meinung von Bürgermeister Sebastian Täger und Rahel Epping nicht so bleiben: „Wir hoffen auf Unterstützung durch den Kreis und wollen das Projekt den anderen Städten und Gemeinden vorstellen, um eventuelle Synergieeffekte zu nutzen.“ Auch deshalb sei eine Verlängerung sinnvoll, waren sich die Ausschussmitglieder einig.

Die offene Sprechstunde ist jeweils am ersten Dienstag im Monat von 9 bis 12 Uhr sowie an jedem dritten Donnerstag von 14 bis 17 Uhr. Anmeldungen sind nicht erforderlich.

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