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Sendener Kinder-Uni

„Marsforschung auf Spitzbergen“: Wissenschaft in rauer Wildnis

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Eine Reise zum „roten Planeten“ beziehungsweise nach Spitzbergen beinhaltete die letzte Vorlesung des Wintersemesters. Planetologe Harald Hiesinger führte den jungen Studenten die Marsforschung auf der nördlichen Inselgruppe vor Augen – und den Klimawandel.

Christian Besse

Rund 50 Mädchen und Jungen verfolgten die letzte Vorlesung an der Kinder-Uni in diesem Semester. Professor Harald Hiesinger hatte auch einen Gesteinsbrocken nicht vom Mars, aber vom Mond mitgebracht, den die Kinder aus der Nähe betrachten konnten. Foto: Christian Besse

Vom Rathaussaal quasi auf den „roten Planeten“ gebeamt wurden am Freitagnachmittag die jungen Studenten der Sendener Kinder-Uni. „Marsforschung auf Spitzbergen“ lautete das Thema der letzten Wintersemester-Vorlesung. Professor Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie an der WWU Münster gab den rund 50 Mädchen und Jungen einen Einblick in seine Forschungsarbeiten.

Für mehrere Wochen im Jahr verabschieden sich Hiesinger und seine Forscherkollegen Richtung Spitzbergen. Dabei sei das Archipel zwischen Norwegen und dem Nordpol für Marsforschungen gar nicht so ideal, so Hiesinger. Auf Spitzbergen sei es bei weitem nicht so kalt und so trocken wie auf dem „roten Planeten“, auf dem Minustemperaturen von rund 60 Grad herrschen. „Eigentlich würden wir am liebsten in der Antarktis forschen.“ Aber die Arbeiten auf Spitzbergen seien besser finanzierbarer, die Anreise dorthin unkomplizierter und Kurzaufenthalte viel besser machbar.

Und Spitzbergen weise immer noch genügend Parallelen zum Mars auf: beispielsweise die sogenannten Steinkreise, runde Wälle aus Kieselsteinen, deren Bewegungen die Forscher aus Deutschland unter anderem unter die Lupe nehmen.

Plastisch vor Augen führte Hiesinger den Kindern seine Arbeit, als er über die Bedingungen vor Ort berichtete. Das Quartier der Forscher auf der Halbinsel Kvadehuksletta sei mit einer größeren Bauhütte vergleichbar, „mit vier Stockbetten, einer muss auf dem Boden schlafen“.

Die Toilette sei die freie, in der Regel sehr windige Ebene vor der Hüttentür, die Exkremente müsse man nachher selbst mit einem Spaten vergraben. Und ein Gewehr – zum Selbstschutz – sei bei jeder Tour mit dabei, denn auf Spitzbergen leben auch viele Eisbären.

Und für die wird es immer ungemütlicher: Seit 1975 sei die Durchschnittstemperatur auf Spitzbergen um vier Grad gestiegen. „Das ist enorm, wie schnell dieser Prozess vor sich geht“, so Hiesinger, der seit Jahren die Gletscherschmelze auf Kvadehuksletta verfolgt. „Den Klimawandel kann man dort deutlich verfolgen. Ob er tatsächlich ausschließlich durch den Menschen verursacht wurde, muss man aber noch erforschen.“ Womit der Gastprofessor der Kinder-Uni seinen jungen Studenten auch noch einen gehörigen Schuss Motivation auf den Weg gab: „Vielleicht könnt ihr das ja eines Tages herausfinden.“

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