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Flüchtlinge und Betriebe informieren über „Arbeit finden in Senden“

„Motivation ist das A und O“

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Neben Sprachkenntnissen sind Ausbildung und berufliche Beschäftigung wesentlich für die Integration. Geflüchtete und örtliche Arbeitgeber informierten am Mittwochabend im Rathaus, worauf es ankommt beim „Arbeit finden in Senden“.

Hannah Harhues

Einsatz und Konzentration: Mohammed Batal, der eine Einstiegsqualifizierung im Mitsubishi Autohaus absolviert, ist motiviert bei der Arbeit. Foto: hha

Als Mandoh Kalesharo vor zwei Jahren nach Deutschland kam, sprach er kein Deutsch. Ein Job oder sogar eine Ausbildung waren ein ferner Traum. Doch unterkriegen ließ er sich nicht: „Ich wusste, dass ich arbeiten und Kontakt zu Deutschen suchen muss und bin deshalb zum Betrieb gegangen und habe um ein Praktikum gebeten“, berichtet der aus Syrien stammende Flüchtling. Vormittags büffelte er in der Schule, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, nachmittags machte der junge Mann ein Praktikum in einem Sendener Kfz-Betrieb. Seine Entschlossenheit und sein Engagement zahlten sich aus: Zurzeit absolviert Kalesharo eine Einstiegsqualifizierung (EQ) im Betrieb und erwirbt auf diese Weise nicht nur berufliche Grundkenntnisse, sondern erhöht auch seine Chance in die Ausbildung übernommen zu werden.

Seine Geschichte erzählte er zusammen mit den anderen Geflüchteten Mohammed Batal, Bashar Al Mahmood und Mamadou Barry, die ebenfalls große Hindernisse überwanden und den Sprung in die Arbeitswelt geschafft haben, bei der Infoveranstaltung „Arbeit finden in Senden“. Dazu hatten Flüchtlingshilfe Senden, Jobcenter und Agentur für Arbeit ins Rathaus eingeladen. „Mir wurde gesagt: ,Menschen aus deinem Land haben keine Chance zur Schule zu gehen‘. Aber ich habe nicht aufgegeben“, schildert Mamadou Barry aus Guinea, der kurz vor der Lehre bei einem Sendener Malerfachbetrieb steht.

Klartext sprachen am Mittwochabend die Veranstalter: „Deutschland verlangt Schweiß und Fleiß. Nur mit hohem Einsatz können Sie ein gutes Leben führen und viel Geld verdienen“, machte Dr. Hans Meckling, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Senden, den knapp 40 Zuhörern klar. Die größte Hürde für viele Geflüchtete sei immer noch die Sprache: So brauche jeder, der eine Ausbildung anstrebt mindestens das Sprachniveau B 2. Dies zu erreichen ist laut Meckling für viele Geflüchtete in Senden jedoch unrealistisch. „Eine sprachliche Grundlage für den Arbeitsalltag, die Berufsschule sowie die Kommunikation mit Kollegen ist absolut notwendig, jedoch schwierig zu erreichen“, führte er aus. Denn auch wenn viele Geflüchtete die Alltagssprache beherrschen, erfordere das Arbeitsleben Fachsprache, die schwieriger zu erlernen sei. Nicht nur enorme Willenskraft und extrem hoher Einsatz seien gefordert, sondern ebenso Ausdauer und Durchhaltevermögen. Deutschland biete viele Aufstiegschancen, betonten Sprecher des Jobcenters und der Agentur für Arbeit. Wer den Einstieg ins Berufsleben und weitere Stufen auf der Karriereleiter schaffen will, müsse Kraft und Energie investieren und dürfe nicht nach wenigen Monaten im Job aufgeben.

„Motivation ist das A und O“, brachte es Oleg Wittich, Pflegedienstleiter des Altenheims St. Johannes, auf den Punkt. Genauso wie Vertreter der Sendener Firmen Volmary, Josef Winkelheide und Geuer International stellte er den Geflüchteten auf der Informationsveranstaltung Job- und Ausbildungsmöglichkeiten vor und ermöglichte regen Austausch zwischen Arbeitsuchen und Arbeitgebern.

„Wir haben eine extrem positive Einstellung zu Geflüchteten und haben auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht“, bekräftigte Winkelheide und sprach dabei stellvertretend für alle vier Betriebe.

Mandoh Kalesharo
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