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Vom Azubi zum Teilhaber: Marvin Grube startete im Handwerksbetrieb durch

Nicht nur auf Dächern hoch hinaus

Ottmarsbocholt

Schon als Schüler war für Marvin Grube klar, dass er Dachdecker werden will. Diesem Ziel blieb er treu, absolvierte eine Ausbildung bei Michael Wermter in Ottmarsbocholt, machte seinen Meister. Heute ist der 25-Jährige gleichberechtigter Partner seines früheren Chefs.

Von Sandra Molitor

In großen Höhen zu arbeiten ist für Marvin Grube längst kein Problem mehr. Und auch auf der Karriereleiter ist er nach seiner Ausbildung schnell nach oben geklettert. Foto: Wermter und Grube OHG

Marvin Grube erinnert sich noch gut an den Moment, in dem ihm klar wurde, was er beruflich machen wollte. „Ich saß im Schulbus, und wir kamen an einer Baustelle vorbei. Auf dem Dach standen zwei Männer. Und da dachte ich mir, das ist schon irgendwie cool.“

Als dann das Schulpraktikum anstand, war für ihn schnell entschieden, dass er sich als Dachdecker versuchen wollte. Und weil ihm die Arbeit so gut gefiel und er sich felsenfest sicher war, dass hier seine Zukunft liegt, sollte auch das zweite Praktikum bei Michael Wermter in Ottmarsbocholt stattfinden.

Hartnäckiger Praktikant

Doch das war nicht im Sinne des Erfinders: „Was mussten wir damals reden!“, erinnert sich Michael Wermter, als die Hauptschule Ascheberg darauf bestand, dass Marvin das zweite Praktikum in einem anderen Beruf absolvieren sollte. Der Junge blieb damals hartnäckig, ebenso wie sein Chef, und so gelang es ihnen schließlich doch, eine Ausnahme zu erwirken. Nach dem zweiten Praktikum blieb Marvin Grube erst recht am Betrieb haften, half beim Aufbau der damals frisch entstandenen Halle im Gewerbegebiet „An der Windmühle“ und trat schließlich seine Ausbildungsstelle dort an.

Marvin Grube war erst Azubi und ist jetzt wie sein früherer Chef Michael Wermter (l.) Teilhaber im Unternehmen und Dachdeckermeister. Foto: Wermter und Grube OHG

„Meine Mutter war gar nicht begeistert“, erinnert sich der inzwischen 25-Jährige heute grinsend an ihr Gesicht, als er ihr eröffnete, dass er künftig im Wortsinne hoch hinaus wolle. Gleich sein erster Einsatz führte ihn damals nach Münster zum Aegidiimarkt. Als er zuhause davon erzählte, ganz Münster von oben gesehen zu haben, konnte die besorgte Mutter seine Freude kaum teilen, doch heute blickt sie mit Stolz auf die Bilderbuchkarriere ihres Sohnes: Nach bestandener Prüfung 2017 hängte Marvin Grube das Minimum an Gesellenzeit an und zog dann direkt weiter zur Meisterschule am Handwerkerbildungszentrum in Münster, wo er sich neun Monate lang in Vollzeit weiterqualifizierte.

Vom Azubi zum Geschäftspartner gemausert

Vor fast genau einem Jahr wandelten Wermter und Grube die Firma in eine OHG um und sind seitdem gleichberechtigte Partner. Und sie funken komplett auf einer Wellenlänge, das merkt jeder, der die beiden zusammen erlebt. Sie spielen sich die Bälle zu, frotzeln, witzeln und berichten farbenfroh von gemeinsamen Baustellenerlebnissen. Im Beruf jedoch stellen beide die gleichen hohen Anforderungen an sich und das Team, fordern Präzision ein und liefern hochwertiges Handwerk ab.

Wermter ist sichtlich froh, mit seinem damaligen Auszubildenden den „richtigen Riecher“ gehabt zu haben. „Marvin ist das Paradebeispiel dafür, wie schnell es junge Leute mit einer klassischen Handwerksausbildung nach oben schaffen können“, ist der Ältere stolz auf den Jüngeren. Wermter und Grube brechen gerne eine Lanze für das Handwerk, animieren junge Menschen oft dazu, sich für eine Handwerksausbildung zu entscheiden. „Als ausgelernter Geselle bist du schon was. Du hast schon Geld verdient, du hast Perspektiven!“, bringt es Wermter auf dem Punkt und schiebt noch nach, dass Fachleute ja bekanntermaßen händeringend gesucht werden.

Bewerberlage ist mau

Auch das neunköpfige Team der Wermter und Grube OHG sucht immer Verstärkung, egal ob gelernt oder als Quereinsteiger. Schwindelfreiheit ist allerdings eine gute Voraussetzung, wobei man den Umgang damit auch schon ein bisschen lernen könne. „Das ist eine Schutzfunktion des Körpers. Man sollte den Respekt vor der großen Höhe nie verlieren“, so Wermter.

Eine Tatsache trübt die Heiterkeit der beiden Firmenchefs: Marvin Grube war der letzte Auszubildende, der in der Firma bis zum Berufsabschluss geführt worden ist. „Die Bewerberlage ist sehr mau“, resümieren sie. Um Nachwuchs zu begeistern, bieten Grube und Wermter gerne Führungen für Schülergruppen im Betrieb an.

Die WN-Serie „Abenteuer Ausbildung“ stellt junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben vor. Anregungen von Azubis und Arbeitgebern für die Serie sind per E-Mail unter redaktion.sen@wn.de willkommen.

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