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Nachbarschaft übergibt Pflege der Marienkapelle

Nie mangelte es an frischen Blumen

Ottmarsbocholt

Aus Altersgründen haben Nachbarn der Feldmark nach 42 Jahren die Pflege der Marienkapelle am Dillenweg in die Obhut des Heimatvereins Ottmarsbocholt gelegt. In einer Eigeninitiative haben die Ehrenamtlichen seit 1978 für Sauberkeit an dem christlichen Kulturgut gesorgt und die Gottesmutter mit dem Jesuskind mit Blumen und einer stets brennenden Kerze geehrt.

Ulrich Reismann

2018 hatten der Heimatvereinsvorsitzende Werner Welslau (rechts) und dessen Vorgänger Stefan Frie (links) das „40-Jährige“ zum Anlass genommen, das Engagement der Anwohner von der Feldmark bei der Hege und Pflege der am Dillenweg stehenden Marienkapelle zu würdigen. Aus Altersgründen haben (von links) Benno und Juliane Schülting, Margret und Franz-Josef Vorspohl sowie Hildegard Schilling das Kleinod nun in die Obhut des Heimatvereins übergeben. Foto: ure

„Wir haben es gerne gemacht. Aber alles hat ein Ende“. So beginnt Benno Schülting das WN-Gespräch. Es solle nicht soweit kommen, „dass wir da eines Tages mit dem Rollator hingehen müssen“. Nach über 42 Jahren haben Schülting, dessen Ehefrau Juliane, Franz-Josef und Margret Vorspohl sowie Hildegard Schilling die Pflege der Marienkapelle am Dillenweg aus Altersgründen an den Heimatverein abgegeben, welcher auch Besitzer dieses religiösen Schmuckstücks ist.

Seit 1978 hat die Nachbarschaft von der Feldmark in einer beispielhaften Eigeninitiative dafür gesorgt, dass es an dem christlichen Kulturgut nie an frischen Blumen gemangelt hat, dass für die Gottesmutter mit dem Jesuskind immer eine Kerze brennt und die Grünanlage trotz fortwährender Verschmutzung durch Hundekot immer wieder top gepflegt aussieht.

Ende der 1970er Jahre wurde die in der Oberbauerschaft unweit des Hofes Niebert zu verfallen drohende Marienkapelle von rührseligen Helfern des Heimatvereins zunächst mühevoll zerlegt und anschließend am Dillenweg wiederaufgebaut. Fortan nahmen sich die Feldmark-Anwohner ihrer an. Doch nun hat die Gruppe den Rückzug vollzogen: „Irgendwann ist Schluss. Wir sind 42 Jahre älter geworden“, bringt Benno Schülting die Gründe auf den Punkt.

Im Rückblick erinnert er sich beispielsweise mit Freude an die vielen Fronleichnamsprozessionen, die früher in steter Regelmäßigkeit über den Dillenweg führten. Und für die die Nachbarschaft den Andachtsort dann immer besonders schmückte. Dazu hatte es auch gehört, buchstäblich einen roten Teppich auszulegen – und zwar auf den „Piesberger Steinen“. Die waren Schülting 1978 im Vorbeifahren auf einem Grundstück in der münsterischen Loddenheide ins Auge gefallen. Und weil ihm dieses Muster der Wegbefestigung so gut gefiel, wurde damit dann auch der Gang vor der Kapelle gepflastert.

„Heinrich Volle und ich haben die Steine damals mit unseren Privat-Pkws geholt“. Ja, dieses edle Material aus dem Piesberger Steinbruch im Norden Osnabrücks, das entsprach der Ehrfurcht, welche man mit dem sakralen Ort verband. Deshalb hatte für die Nachbarschaft auch festgestanden: „Ein 08/15-Verbundpflaster, das kommt da nicht hin“. Es habe im Ort seinerzeit nämlich Stimmen gegeben, die meinten, dass es solch eine Allerweltsausführung „doch wohl tun würde“, erinnert sich Benno Schülting, der damals stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins war. Mit Blick auf die Gegenwart findet er es bedauerlich, dass die Tradition der Fronleichnamsprozessionen „den Bach runter geht“.

Der jetzige Heimatvereinsvorsitzende Werner Welslau und dessen Stellvertreter Thomas Lordiek fanden es bei einer offiziellen Übergabe, die bereits zum Jahreswechsel stattgefunden hat, sehr schade, dass das Kleinod nun nicht mehr in der Obhut der Feldmark-Anwohner ist. 2018 hatten Welslau und dessen Vorgänger Stefan Frie anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Pflege-Patenschaft von einer beispielhaften Bürgerinitiative gesprochen: „Während andere fragen, was der Staat für sie tun kann, lautet euer Leitgedanke: Was können wir für die Gesellschaft tun?“ Auch wenn sie sich nun das Recht auf einen Ruhestand nimmt, so will die Nachbarschaft das Kapellchen auch weiterhin wachsam im Auge behalten und notfalls Alarm schlagen, falls sich dort wieder einmal Unholde zu schaffen machen sollten, was es in der Vergangenheit leider wiederholt zu beklagen gab.

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