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Unterbringung von Flüchtlingen stellt Gemeinde vor wachsende Probleme

Nur noch ein freies Bett

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Die Unterbringung der neu ankommenden Flüchtlinge wird für die Gemeinde immer schwieriger. Stand jetzt gibt es ab nächster Woche nur noch ein freies Bett, berichtete die Verwaltung im Sozialausschuss. Dort wurde die Zuweisungspraxis durch die zuständige Bezirksregierung Arnsberg kritisiert.

Nur noch ein freies Bett: Die Wohnplätze der Gemeinde für Flüchtlinge sind aktuell fast komplett belegt. Eine der Unterkünfte ist die ehemalige Gaststätte Farwick in Bösensell. Dort muss die Kunstschule Senden drei bislang genutzte Zimmer räumen. Foto: Thomas Fromme

Die sich zuspitzende Flüchtlingssituation stand im Mittelpunkt der Sozialausschuss-Sitzung am Donnerstagabend. „Das hat dramatisch Fahrt aufgenommen“, teilte Bürgermeister Sebastian Täger mit. Nachdem es zwischenzeitlich ruhiger war und zunächst viele Menschen aus der Ukraine gezielt zu Verwandten und Bekannten kamen, sei in den letzten Wochen eine enorme Dynamik zu beobachten.

„Es ist eigentlich schlimmer als 2015“

„Es ist eigentlich schlimmer als 2015“, sagte der Bürgermeister. „Es sind in kürzerer Zeit mehr Personen eingereist als 2015 – und die Ukrainer kommen wegen der Freizügigkeit ohne Zuweisung. Zudem werden uns Flüchtlinge mit wenig Vorlauf und unstrukturiert zugewiesen“, erläuterte er.

Gemeinde hat 324 Flüchtlinge untergebracht Insgesamt hat die Gemeinde aktuell 324 Flüchtlinge untergebracht. Damit sind es bereits heute so viele wie Ende 2015. 138 Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine flüchteten, hat die Gemeinde in angemieteten oder eigenen Räumlichkeiten untergebracht. Dort wohnen auch 186 Menschen aus anderen Ländern wie Afghanistan oder Syrien. Insgesamt leben derzeit sogar 267 Menschen aus der Ukraine in der Gemeinde. 129 von ihnen sind privat untergebracht. Die Aufnahmequote für neu zugewiesene Flüchtlinge hat Senden aktuell zu 96 Prozent erfüllt – rechnerisch müsste die Gemeinde noch zehn weitere Personen aufnehmen. Hinzu können jederzeit bereits anerkannte Geflüchtete kommen, die nicht unter die Quote fallen, die wöchentlich durch die Bezirksregierung Arnsberg angepasst wird.-fro-

„Uns ist nicht klar, warum das Land derzeit seine Erstaufnahme-Einrichtungen schnell leerzieht“, kritisierte Rahel Epping, Fachbereichsleiterin für Soziales und Ordnung. Auch deshalb muss die Gemeinde oft sehr kurzfristig neue Unterkünfte für zehn bis 15 ankommende Menschen pro Woche suchen. Zu den (wieder) aktivierten Einrichtungen gehört die ehemalige Gaststätte Farwick am Bahnhof in Bösensell. Dort gibt es je nach Familienkonstellation 30 bis 40 Plätze, wie die Gemeinde auf WN-Anfrage mitteilte. Den Bewohnern stehen eine große Küche, mehrere Bäder und für den Aufenthalt der ehemalige Schankraum zur Verfügung. Aktuell wohnen dort ausschließlich Ukrainer. Die Kunstschule Senden nutzt bislang noch drei Zimmer, die sie nun räumen muss. Ab der übernächsten Woche sollen sie Platz für etwa zehn Personen bieten. Die Scheune links neben dem Hauptgebäude kann die Kunstschule weiter für Bildhauer-Kurse nutzen.

Bösensell ist bei der Unterbringung derzeit ein Schwerpunkt. Hier leben 65 der 324 kommunal untergebrachten Flüchtlinge, in Ottmarsbocholt 14 und im Ortsteil Senden 245. Wie berichtet, sind in einem von der Gemeinde angemieteten Haus an der Espelstraße in Bösensell aktuell 17 Menschen aus der Ukraine untergebracht. In Senden nutzt die Gemeinde unter anderem zwei Häuser an der Appelhülsener Straße als neue Unterkünfte. An der Schulze-Bremer-Straße stehen acht Wohnungen für Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern zur Verfügung.

Bürgermeister fordert Flüchtlingsgipfel

Die Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten stößt aber an Grenzen. „Stand heute haben wir ab nächster Woche Donnerstag noch ein Bett frei“, fasste Rahel Epping zusammen. Sie wies darauf hin, dass nach schriftlicher Aussage der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg seit 5. September auf mangelnde Kapazitäten in den Kommunen keine Rücksicht mehr genommen werde. Das sorgte für Kopfschütteln im Ausschuss. Heinz Kratt (CDU) bezeichnete es als unverständlich, dass die „Situation so chaotisch ist“.

Bislang habe man es aber geschafft, jeden Flüchtling menschenwürdig unterzubringen, so Täger. Da der Wohnungsmarkt angespannt ist, prüfe die Gemeinde auch Container-Lösungen und Standorte – vorzugsweise in Senden und Ottmarsbocholt. Wie 2015/16 soll eine Nutzung von Sporthallen als Unterkunft vermieden werden. „Das ist die menschenunwürdigste Lösung“, sagte der Bürgermeister. „Ein Flüchtlingsgipfel auf Bundesebene mit Beteiligung der Länder und Kommunen (Städte- und Gemeindebund) ist dringend geboten, um die Flüchtlingsströme besser steuern zu können“, forderte Täger.

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