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Heimatverein baute Feldscheune ab – um sie in den Ortskern zu verlagern

Puzzle aus historischer Baukultur

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Eine stattliche Feldscheune in der Bauerschaft Schölling hat der Heimatverein mit vielen Helfern abgebaut. Sie soll im Ortskern Sendens neu aufgestellt werden. Eine Aussicht, die als Ansporn für hohen ehrenamtlichen Einsatz diente.

Dietrich Harhues

Diese Scheune auf dem Hof Schulze Forsthövel hat der Heimatverein abgebaut und möchte das historische Fachwerkgebäude im Ortskern Sendens neu zur Geltung bringen. Foto: Heimatverein Senden

Der Wind bläst ziemlich frisch über die Äcker, die Quecksilbersäule hat am Morgen beileibe noch keine frühlingshaften Höhen erklommen. Was die robusten Recken kaum stört, die mit Maschinen oder Muskelkraft zu Werke gehen. Sie sind auch keine Stubenhocker, die bei Tee und Gebäck mit einem Puzzle ihre Zeit totschlagen. Doch eine Art Puzzle haben die Männer, aus dem Kreis des Heimatvereins und darüber hinaus, gleichwohl vor der Brust. Als selbstgewählte Aufgabe. Denn sie krempeln die Ärmel auf, um eine historische Feldscheune zu zerlegen.

Die meisten Balken als Baustoff zu verwenden

Die Einzelteile schlummern nach mehreren geballten Arbeitseinsätzen inzwischen schon auf dem Betriebsgelände von Karl Schulze Höping, Architekt und zweiter Vorsitzender des Heimatvereins Senden.

Ein Zwischenlager: Um die Balken zu schützen, liegen sie unter einem Dach und insoweit offen, dass Wind durchziehen kann, der den historischen Baustoff trocken hält.

Viele ehrenamtliche Helfer, die nicht nur dem Kreis des Heimatvereins angehörten, legten sich beim fachgerechten Zerlegen der Feldscheune ins Zeug. Foto: di

Während das einstige Ziegelmauerwerk in den Gefachen und die Giebelbretter nicht erneut verbaut werden, sollen die Balken wieder zum Einsatz kommen; nur zehn bis 20 Prozent der Hölzer müssten ersetzt werden. Schulze Höping – quasi Bauleiter des Gemeinschaftsprojektes, bei dem viele unterschiedliche Helfer und Akteure ehrenamtlich Zeit und Energie beisteuern – hat deshalb dafür gesorgt, dass sämtliche demontierten Hölzer Identifikationsnummern erhielten, um die Balken später wieder zuordnen zu können. Was das künftige Puzzle erleichtert.

Diese Feldscheune in Schölling hat der Heimatverein Senden abgebaut, um sie im Ortskern zur Geltung zu bringen. Foto: Hermann Geuting / Heimatverein

Mannschaftsleistung eines ehrenamtlichen Teams

Die Fachwerkfeldscheune mit Tordurchfahrt bildete ein landschaftsprägendes Gebäude. Johannes Busch, bekannt durch die Restaurierung des Hofes Grube in Seppenrade, erwähnt diese Scheune als einmaliges Zeugnis bäuerlicher Baukultur im Münsterland, teilt der Heimatverein Senden mit. Bis zum Einsatz von Mähdreschern wurde das Getreide mit Ähren geschnitten, auf den Feldern getrocknet und dann in solchen Feldscheunen bis zum Dreschen eingelagert. Als das circa 1740 errichtete Haupthaus des Hofes Schulze Schölling im Jahre 1865 zu einem neuartigen massiven Bauernhaus umgebaut wurde, fanden viele Hölzer des Abrisshauses bei der Errichtung der Feldscheune eine Wiederverwendung, schildert der Heimatverein die Bauhistorie weiter. „Viele Spuren dieser Zweitverwendung finden wir in den Balken wieder“, berichtet „Bauleiter“ Karl Schulze Höping. Das Vorstandsmitglied des Heimatvereins unterstreicht die Mannschaftsleistung bei dem Projekt: „Viele ehrenamtliche Helfer waren beteiligt.“ Besonderer Dank sei hier auszusprechen an den Eigentümer der Anlage, Martin Schulze Forsthövel, der Dachdeckerfirma Martin Fiege, dem Forstbetrieb Schulze Beckendorf, den Landwirten Marc und Josef Füstmann sowie Bernd Aundrup und vielen Landwirten, die Maschinen und Geräte kostenlos zur Verfügung gestellt haben und allen ehrenamtlichen Helfern und Unterstützern.

Doch auch Hightech kam bei der Dokumentation des Bestandes zum Einsatz. Vor dem Rückbau wurden intensive Vermessungsarbeiten durchgeführt. Die Firma gisME von Hartwig Treckmann hat dazu eine elektronische Panoramaaufnahme erstellt – als Goodwill-Aktion, wie weitere Firmen auch.

Jeder einzelne Balken der Scheune auf dem Hof Schulze Forsthöve wurde inventarisiert, um das Puzzle wieder zusammensetzen zu können. Foto: di

Ideensuche für Standort und Nutzung

Nicht nur das Ziel, dem Gemeinwohl zu dienen, könnte dabei Ansporn gewesen sein. Vielmehr faszinierte wohl auch die Aussicht, dass ein markantes landwirtschaftliches Gebäude zu neuer Geltung kommen soll.

Und zwar am liebsten am Rande des Sendener Ortskerns, lautet der Wunsch des Heimatvereins. Es laufen Überlegungen über einen geeigneten Standort und eine Nutzung. „Gemeinsam werden nun Ideen entwickelt, dieses prachtvolle Gebäude einer neuen, für die gesamte Bürgerschaft offenen Verwendung in Senden zuzuführen“, umschreibt Schulze Höping den Stand der Planungen.

Karl Schulze Höping, Heimatverein Senden, über die Haltung der Politik

Immerhin, schon vor einiger Zeit hätten Vertreter aller Ratsfraktionen bei einem Ortstermin anerkannt, dass die stattliche historische Scheune erhaltenswert sei. „Das ist eine gute Grundlage“, wertet der Heimatverein die Ausgangsposition.

Das Fachwerkgebäude solle einigermaßen zentral neu errichtet werden – wahrscheinlich ohne Innenausbau, aber als Kristallisationspunkt und möglicher Wetterschutz bei Freiluftveranstaltungen wie dem Mittsommer im Bürgerpark im Jahr 2019. Dieser aufwendig geplanten Veranstaltung setzte das Wetter zu. Doch trotzdem harrten damals viele Besucher aus.

Wind und Wetter trotzten auch die ehrenamtlichen Helfer beim Fachwerk-Puzzle. Zupackende Einsatzfreude, Gemeinschaftsgeist und ab und zu mal ein deftiges Dönken fachten die Motivation beim Arbeiten an der Scheune in Schölling, dem Puzzle mit Baukultur, an.

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