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Strafanzeige gegen Unbekannt

Rotmilan starb an einem verbotenen Insektengift

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Die Untersuchung erbrachte Gewissheit: Ein im Juli entdeckter toter Rotmilan starb an einem Insektizid. Das Naturschutzzentrum des Kreises Coesfeld hat inzwischen Strafanzeige erstattet.

Baumkletterer findet toten Greifvogel. Foto: Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld/Matthias Olthoff

Der Rotmilan ist ein faszinierender Greifvogel, der durch seinen gekerbten Schwanz und seine rote Färbung gut zu erkennen ist. Mit über der Hälfte der Weltpopulation hat Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art, heißt es in einer Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Coesfeld. In den letzten Jahren ist erfreulicherweise ein leichter Bestandsanstieg der Art im Münsterland zu verzeichnen. Allerdings gibt es auch negative Nachrichten. Denn ein im Juli noch auf zwei Eiern in seinem Horst sitzender, tot aufgefundener Rotmilan wurde – wie am Samstag berichtet – vergiftet.

In einer gemeinsamen Aktion hatten das Naturschutzzentrum, der NABU Coesfeld und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld im Frühjahr 2021 die Bevölkerung erneut zur Meldung von Rotmilanen aufgerufen. Mehr als 300 Beobachtungen sind seitdem eingegangen. Bei der Kontrolle eines Horstes in der Gemeinde Senden machten die Naturschützer im Juli jedoch den erschreckenden Fund.

Nachdem das tote Tier mit Hilfe eines Baumkletterers von seinem Horst geborgen werden konnte, wurde es unmittelbar dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster übergeben. Von dort kam nun der traurige Befund: der Milan ist mit einem bereits seit 2007 in der EU nicht mehr zugelassenen Insektizid vergiftet worden.

Dieser tote Rotmilan wurde in Senden gefunden Foto: Naturschutzzentrum, Matthias Olthoff

Leider, so die Pressemitteilung weiter, ist dies nicht der erste Fall von Greifvogelvergiftungen im Kreisgebiet. Bereits 2019 konnten Mitarbeiter des Naturschutzzentrums mehrere vergiftete Rotmilane unter einem Nest in der Gemeinde Ascheberg vorfinden, erst im Februar 2021 wurden zwei vergiftete Mäusebussarde in den Gemeinden Billerbeck und Nottuln nachgewiesen. Eine Anfrage beim Komitee gegen den Vogelmord e.V. (Bonn) bestätigt diese Tendenz: Die Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (kurz: EDGAR) meldet seit 2005 insgesamt 23 bekannt gewordene Fälle illegaler Verfolgungen im Kreis Coesfeld. Aus Ermittlungsgründen werden der genaue Fundort und die Art des verwendeten Giftes nicht öffentlich bekannt gegeben.

Das Gift stellt jedoch nicht nur für Greifvögel eine Gefahr dar. Menschen, die mit dem hochgefährlichen Gift in Kontakt kommen oder auch Hunde, die vergiftetes Fleisch aufnehmen, können schwere gesundheitliche Folgen davontragen.

Die Naturschutzbehörde hat nun Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt – in der Hoffnung, dass die Polizei die Täter überführen kann. Denn eine Greifvogelvergiftung ist kein „Kavaliersdelikt“. Greifvögel wie der Rotmilan gehören zu den streng geschützten Arten. Jede Art der Nachstellung stellt eine Straftat dar, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

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