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Ganz spezieller Schulstart in Senden

Rückkehr ohne Normalität

Senden

Nach Corona-Zwangspause und Sommerferien freuen sich die meisten Schüler wieder, ihre Klassenkameraden zu treffen und wohl auch auf den Unterricht. Doch der steht, wie das gesamte Schulleben, unter strengen Auflagen.

Dietrich Harhues

Klare Hinweise an die Schüler: Martina Wulff (v.l.), Ilse Groß-Reichert, Michael Hiegemann und Ina Lücke bereiten die Bonhoefferschule auf den Schulstart vor. Foto: di

Die Ferien sind für viele Lehrer und das weitere Schulteam inzwischen längst vorbei. Was zum Ende der sechs Wochen hin normal ist. Doch damit endet das bekannte Bild auch schon, eine neue Normalität hält Einzug – von der niemand weiß, wie sie sich bewährt und wie lange sie anhält. Der Aufwand, sich für den Neustart zum Schuljahresbeginn am Mittwoch (12. August) zu wappnen, fällt entsprechend höher aus.

Verhalten klar regeln

Wichtig ist, dass alle Beteiligten mitziehen und genau wissen, wie sie sich verhalten müssen. Dafür hat beispielsweise die Bonhoefferschule Stellwände mit klar erkennbaren Regeln aufgestellt. Dass die akzeptiert und befolgt werden, da ist Schulleiter Michael Hiegemann zuversichtlich. Denn: „Die Kinder freuen sich auf die Schule“, lautet sein Eindruck. In den Grundschulen, deren Leitungen sich gerade über die Corona-Bedingungen ausgetauscht haben, gilt, dass Schüler und Lehrer immer Masken tragen – außer wenn die Kinder auf ihrem festen Platz im Klassenraum sitzen. Die Lehrer nutzen ihre Masken, sobald sie den Mindestabstand von 1,50 Metern zu ihren Schülern unterschreiten. Außerhalb des Klassenraums herrscht für alle Maskenpflicht, auch auf dem Schulhof und in leeren Gängen etwa auf dem Weg zur Toilette, stellt Hiegemann die Regelung an seiner Schule klar. Hinzu kommen Einbahnstraßen- und Hygieneregeln (wie sie alle Schulen weiterhin anwenden). Und auch die Einschulungsfeier unterliegt dem Corona-Schutz mit einigen Auflagen und deutlich geschrumpften Festprogramm. Dass der Schulalltag damit erschwert wird, ist Hiegemann klar, der Gespräche mit Eltern darüber führt und auch von Debatten in Facebook-Gruppen weiß. Für ihn gibt es aber, zumindest bis zum 31. August, keine Alternative: „Es lohnt sich aufzupassen, denn Corona kann jeden treffen“, so der Schulleiter, der in seinem Umfeld jemanden kennt, der nach Monaten noch an seiner Corona-Infektion leidet. Hiegemann warnt: „Diese Krankheit ist nicht zu unterschätzen.“

Der Gesundheitsschutz geht auch in den weiterführenden Schulen eindeutig vor. „Es gibt keinen anderen Weg“, betont Ulrike Machers, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule mit Blick auf die Maskenpflicht. „Wenn alle Kinder zur Schule gehen sollen, ist das die einzige Möglichkeit.“ Räume, die so groß sind, dass eine Klasse unter Abstand wahren darin Platz findet, seien in den Schulen sehr rar. Die Maskenpflicht, die für Schüler auch im Unterricht und auf dem ganzen Schulgelände gilt, bedeutet im Klartext: Auch während der Pausen müssen Mund und Nase bedeckt sein, sofern der Abstand unterschritten wird. Für die Geschwister-Scholl-Schule eine Herausforderung, die ihren Schulhof in Zonen aufteilt, den die Baustelle aber in seiner Gesamtfläche verringert. Deshalb erfordere es „unsere pädagogische Verantwortung“, erläutert Machers, flexible Lösungen zu finden. So werden die Klassen durchaus „einfach mal rausgehen, um durchzuatmen“. Oder Unterricht wird in Einzelfällen gleich ins Freie verlegt.

Unterricht mal ins Freie verlegen

Was auch Frank Wittig, Schulleiter am Joseph-Haydn-Gymnasium, als eine Option sieht. Das JHG führt eine Regelung mit leicht zeitversetzten Pausen und abgesteckten Zonen ein, damit mehr Abstand erreicht werden kann. Der Nachmittagsunterricht – der in der Regel nur die Oberstufe treffe, so Wittig – werde weiterhin angeboten. In der Mensa des Gymnasiums erhalte die OGS der Marienschule aber Vorrang, so dass sich die JHG-Schüler selbst versorgen müssen. Auch in der Realschule ruht der Schulcafé-Betrieb – mit der Folge, dass der Nachmittagsunterricht vorerst „abgeblasen“ worden ist, wobei eine Betreuung der Kinder aber gleichwohl bis maximal 15.45 Uhr angeboten wird.

Vakanz in JHG-Schulleitung

Die Stelle des stellvertretenden Schulleiters (oder Schulleiterin) bleibt am Joseph-Haydn-Gymnasium zum neuen Schuljahr unbesetzt. Wie berichtet, hatte sich Bianca Gouterney, deren Probezeit für diesen Posten am 31. Juli endete, freiwillig „ins zweite Glied“ zurückgezogen. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht, ergab die WN-Anfrage bei der Bezirksregierung. Auf die Ausschreibung waren bis zum Fristende am 20. Juli keine Bewerbungen eingegangen, berichtet die Behörde. Deren Sprecherin betont, dass es „nicht ungewöhnlich“ sei, dass diese Leitungsfunktionen „ein, zwei Mal oder noch häufiger ausgeschrieben werden“. Eine neue Ausschreibung soll Mitte August starten.di

Als einzige Schule in Senden hatte sich die Edith-Stein-Schule bereits eine generelle Maskenpflicht auferlegt, als der Unterricht in einer Phase nach den Osterferien wieder aufgenommen wurde. „Es ist anstrengend, aber es funktioniert“, resümiert Rainer Leifken die Erfahrungen aus dem „maskierten“ Unterricht. Der Nachmittagsunterricht im gebundenen Ganztag finde statt, obwohl die Mensa „dicht“ bleibt. Statt dessen erhalten die Schüler Lunchpakete, die sie beim selben Caterer bestellen. Was in der Edith-Stein-Schule ruht, sind die praktisch ausgerichteten Arbeitsgemeinschaften, die jahrgangsübergreifend zusammengesetzt sind.

Dass Corona das pädagogische Repertoire verändert, befürchtet auch Ulrike Machers. Statt Gruppen- und Projektarbeit werde mehr Frontalunterricht erteilt werden – ein notgedrungener Rückschritt.

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