1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Senden
  6. >
  7. Verein „Senioren für Senioren“ stellt Arbeit nach gut zehn Jahren ein

  8. >

„Schweren Herzens geben wir auf“

Verein „Senioren für Senioren“ stellt Arbeit nach gut zehn Jahren ein

Senden

„Es ist nicht ein Mal in all den Jahren ein schräges Wort gefallen – nicht zwischen uns und nicht zwischen den Gästen. Ich weiß auch nicht, woran das liegt“, sagt Klaus Winkler. Dass der Verein „Senioren für Senioren“ jetzt aufgibt, macht ihn traurig. Und sicherlich nicht nur ihn.

Von Bettina Laerbusch

Bianca Becks-Mayer, Pflegedienstleiterin der Sozialstation Senden, bedankt sich bei Agnes Spannaus, Bernhard Thole (r.) und Klaus Winkler (l.) für den über zehn Jahre langen ehrenamtlichen Einsatz im Verein „Senioren für Senioren“. Foto: Bettina Laerbusch

Agnes Spannaus redet Tacheles: „Schweren Herzens haben wir uns entschlossen, den Verein Senioren für Senioren aufzugeben.“ „Als ich dem Bürgermeister mitgeteilt habe, dass wir aufhören, war er tief betroffen“, sagt Klaus Winkler. „Es waren sehr schöne Jahre“, fügt er mit tiefer Traurigkeit in der Stimme hinzu. „Wenn etwas Schönes aufhört, ist das immer traurig“, versucht Bianca Becks-Maier zu trösten. Letztere ist Pflegedienstleiterin der Caritas-Sozialstation und in den Treffpunkt des Vereins „Senioren für Senioren“ gekommen, um zum Abschied ein paar Blumen zu überreichen. Agnes Spann­aus nimmt sie entgegen.

Vor zehn Jahren fing alles an

Vor gut zehn Jahren fing alles an. Ein Leserbrief in dieser Zeitung markiert den Anfang. Eine Bewohnerin der Caritas-Wohnanlage am Grete-Schött-Ring schrieb ihn, weil sie enttäuscht darüber war, dass es so gar keine Möglichkeit gab, organisiert mit anderen Bewohnern und weiteren älteren Menschen aus dem Dorf etwas zu unternehmen.

Der schon verstorbene Heinrich Bölling und Klaus Winkler waren die Ersten, die Initiative ergriffen. Sechs, sieben Personen, erzählt Agnes Spann­aus, seien es gewesen, die über zehn Jahre für andere Senioren und für sich selbst (das ist wohl das Geheimnis des Erfolgs) Treffen organisierten – das erste fand in einem Zelt an der Wohnanlage statt. Es gab einfach nur Kaffee und Kuchen. „Die Leute kamen reichlich“, erinnert sich Klaus Winkler.

Die Ehrenamtlichen des etwas später gegründeten Vereins „Senioren für Senioren“ luden zu Märchenerzählstunden und Buchvorstellungen ein. Sie organisierten Karnevalsfeste (Winkler: „Die Leute wollten gar nicht wieder gehen“). Sie planten Fahrten nach Ochtrup ins FOC oder zum Aasee und Mühlenhof nach Münster. Ein Förster hielt einen Vortrag, ein Imker außerdem. Pastoren kamen ins Souterrain der Wohnanlage am Grete-Schött-Ring. Dort hatte die Caritas dem Verein kostenlos einen Raum zur Verfügung gestellt.

Kein schräges Wort

Und jetzt? „Wir sind fast alle durch Krankheit lädiert, und das Alter spielt eine Rolle“, bringt es Agnes Spannaus auf den Punkt. Und es wird schnell klar im Gespräch mit ihr sowie Klaus Winkler und Bernhard Thole, dass auch das Alter der Gäste dazu geführt hat, dass immer weniger an den Treffen teilnehmen konnten. Corona sei nicht der Grund für das Aus, sagen alle drei. „Wir hatten selber Spaß“, sagt Agnes Spannaus. „Wenn uns nichts mehr eingefallen ist, haben wir einen Spielenachmittag gemacht“, erzählt Thole. Er lacht. Und Winkler stellt fest: „Es ist nicht ein Mal in all den Jahren ein schräges Wort gefallen – nicht zwischen uns und nicht zwischen den Gästen. Ich weiß auch nicht, woran das liegt.“ „An uns“, bricht es aus Spann­aus heraus. Die traurige Stimmung ist wie verflogen – für einen Moment.

Wie geht es weiter?

Wie geht es weiter? „Wir möchten weiterhin Senioren und Seniorinnen ansprechen“, betont Bianca Becks-Maier. Nur sei es nicht gelungen, das sagen alle vier, Ehrenamtliche zu finden. Heißt: Die hauptamtlichen Kräfte müssen jetzt versuchen, Angebote aufrechtzuerhalten. Und das, so Becks-Maier, sei bei einer Personalsituation, in der Pflegekräfte fehlten, schwierig. „Wir werden es zeitlich nicht schaffen, Bewohner im Rollstuhl zu den Angeboten zu fahren“, sagt sie klar.

Doch bei allen Schwierigkeiten, es passiert etwas, das ersten Mal am 27. Oktober von 9.30 bis 11 Uhr in den Räumen im Wohnhaus 1, die bis vor kurzem „Senioren für Senioren“ gehörten: „Wir möchten Kinder mit älteren Menschen zusammenbringen.“ Einmal im Monat werden Mädchen und Jungen der Kita Pinocchio mit Erzieherinnen zu Gast sein. Ob gebastelt oder vorgelesen wird, Spaziergänge unternommen werden oder etwas ganz anders passiert, soll sich entwickeln. Auch Menschen aus dem Dorf sind willkommen.

Nähere Informationen gibt es unter 02597/692544.

Startseite
ANZEIGE