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Haverkamp-Ausstellung in Görlitz

Sendener hat im „tiefsten Osten“ Spuren hinterlassen

Senden/Görlitz

Kulturamtsleiter Markus Kleymann ist bei einem Urlaub im deutsch-polnischen Grenzgebiet auf Spuren des Sendener Bildhauers Wilhelm Haverkamp gestoßen.

Von Markus Kleymann

Künstlerische Spuren von Wilhelm Haverkamp, wie dieser Altar, sind in der Lutherkirche in Görlitz zu finden. Foto: Markus Kleymann

Zugegeben: Das ist schon ein großer Zufall. Damit hatte ich auch wirklich nicht gerechnet. Urlaub im tiefsten Osten Deutschlands – in Bad Muskau. Auch wenn diesen kleinen Ort die wenigsten bei uns kennen – hier ist ein Weltkulturerbe zu sehen und zu genießen: der Fürst-Pückler-Park, ein wunderschöner großer englischer Landschaftsgarten auf deutscher und polnischer Seite mit – der europäischen Einigung sei Dank – offenen Grenzen. Von Bad Muskau ist es auch nicht weit bis nach Görlitz - mit über 4000 (!) Bau- und Kulturdenkmalen eine der sicher reizvollsten Städte Deutschlands. Entsprechend ist der Besuch dort schon ein „Muss“.

Ausstellung war nicht zu finden

Bei aller Schönheit der Gebäude – ein Veranstaltungsplakat ist allerorten nicht zu übersehen und weckt unser Interesse sofort: „Der Bildhauer Wilhelm Haverkamp und die Görlitzer Lutherkirche“ steht in großen Lettern, darunter ein Bild einer Engel-Skulptur. Und ganz unten: „Ausstellung in der Lutherkirche“. Da müssen wir hin – nicht nur, weil ich mich als Sendener Kulturamtsleiter quasi verpflichtet fühle, die Ausstellung des größten Sendener Künstlers über 650 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt einmal anzusehen. Auch meine Frau, Ira Middendorf-Kleymann, hat einen Bezug zu dem Werk des Bildhauers, hat sie doch 2009 als Mitarbeiterin im hiesigen Kulturamt gemeinsam mit dem Sendener Heimatverein und dem Kreis Coesfeld eine Ausstellung zum Leben und Werk des Künstlers mit organisiert, die seinerzeit im Sendener Rathaus und auf der Burg Vischering eine große Resonanz erfuhr.

Die Lutherkirche, ein imposanter Backsteinbau – errichtet Ende des 19 Jahrhunderts – liegt etwas außerhalb der Görlitzer Altstadt. Sie thront auf einem kleinen Hügel, vor ihr eine Statue des Namensgebers. Dort also ist sie zu finden – die Ausstellung über Wilhelm Haverkamp. Oder besser gesagt: Nicht zu finden. Denn in dem Gebäude befinden sich zwar einige Skulpturen, die Eingeweihte auf Wilhelm Haverkamp schließen lassen – doch nicht eine Erklärung dazu. Rückfrage bei der Aufsicht, der einzigen Person außer uns in der Kirche: Wo finden wir Erläuterungen? Eher unwillig verweist er auf zwei Vitrinen mit Schubladen, in denen erläuternde Texte zu finden seien. Die sind schließlich gefunden, aber kaum zu lesen, weil schlichtweg Licht fehlt. Und doch helfen sie schließlich zu ergründen, warum der Sendener Wilhelm Haverkamp auch in Görlitz, wie in vielen weiteren Orten Deutschlands, seine Spuren hinterlassen hat.

Sendener Bildhauer war in Berlin bekannt

So pflegte Wilhelm Haverkamp zum Ende des 19 Jahrhunderts, als er schon in Berlin lebte und arbeitete, einen Kontakt zu dem Architekten Arno Eugen Fritsche, der den Auftrag erhalten hatte, die evangelische Kirche auf einem Felsen in Görlitz zu errichten. Der damals schon in Berlin bekannte Bildhauer erhielt den Auftrag, den Innenraum der Kirche mitzugestalten. Der große Altar, der in Verbindung mit dem Chorraum steht, der Kanzelkorb, der Taufstein sowie die überdimensionalen Kalksteinstatuen der vier Evanglisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus sind entsprechend allesamt eindrucksvolle Werke von Josef Haverkamp, dessen Kunst dem Historismus zuzuordnen ist. Zudem sind in der Ausstellung, die an diesem Wochenende offiziell endet, wenige Haverkamp-Werke auf dem Besitz des privaten Kunstsammlers Knut Gott zu sehen. Die Erläuterungen zu all diesen Kunstwerken sind dann zwar schwer zu entdecken, aber stellen das Werk Haverkamps in eine gut nachvollziehbare Verbindung zur theologischen Bedeutung.

Keine Frage: Es war überraschend und schön, künstlerische Spuren aus Senden im weit entfernten Görlitz zu entdecken. Sicherlich hätten sie einer liebevolleren Präsentation bedurft. Empfohlen sei daher, die Schönheiten von Görlitz, Bad Muskau und vielen anderen sehenswerten Orten in Sachsen selber zu entdecken – vielleicht auch mit einem Abstecher in die Lutherkirche. Denn die bildhauerischen Werke von Wilhelm Haverkamp sind dort natürlich auch weiterhin zu sehen.

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