1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Senden
  6. >
  7. Seniorenzahl steigt um 120 Prozent

  8. >

Demografie in Senden: Joachim Schubert im WN-Interview

Seniorenzahl steigt um 120 Prozent

Senden

Auch in Senden kommt es zu einem demografischen Wandel bis 2030. Joachim Schubert sagt voraus, dass die Seniorenzahl in den kommenden Jahren um 120 Prozent steigt. Es ist also jetzt schon Zeit, zu handeln.

Sigmar Syffus

Links das Komponistenviertel, auf der Fläche rechts daneben entsteht das Baugebiet Buskamp. Foto: Bernhard Fischer

Wie wird sich die Gemeinde Senden in den kommenden Jahren verändern? Wer Antworten auf diese Frage sucht, wird zwangsläufig mit den Folgen des demografischen Wandels konfrontiert. WN-Redakteur Siegmar Syffus sprach über dieses Thema mit Joachim Schubert. Der 48-jährige Sendener ist Mitbegründer des Demografierates und Bindeglied dieses Gremiums zur Kommunal-, Landes- und Bundespolitik sowie zu Unternehmen.

Erklären Sie bitte kurz: Demografischer Wandel, was ist das eigentlich?

Joachim Schubert: Er beschreibt vor allem die Änderung der Altersstruktur innerhalb der bestehenden Bevölkerung. Daraus resultiert eine Verschiebung von Erwerbstätigen zu Nicht-Erwerbstätigen. Mit Blick auf Senden bedeutet das, dass die Zahl der Senioren bis 2030 von derzeit etwa 3200 auf rund 7200 steigt. Mit dieser Steigerung von 120 Prozent belegt Senden den Spitzenplatz in Nordrhein-Westfalen.

Aber 2030 liegt doch noch in recht weiter Ferne.

Joachim Schubert: Ja, das stimmt. Aber Senden hat heute schon die Verantwortung, die entstehende Situation aktiv anzugehen. Es muss zum Beispiel untersucht werden, wie viele Plätze zur Versorgung älterer Menschen in nächster Zukunft gebraucht werden und wer die Versorgung übernimmt. Oder: Wo soll ein zentraler Punkt sein, in dem ein Seniorenzentrum angesiedelt wird?

Ein zentraler Punkt? Was ist mit Bösensell und Ottmarsbocholt?

Joachim Schubert: Ich denke, es muss auf eine Lösung für die gesamte Gemeinde zielen. Denn wir werden in Zukunft immer weniger Erwerbspersonen haben. Und viele von ihnen werden außerhalb von Senden arbeiten. Sie stehen damit nicht mehr für eine häusliche Pflege zur Verfügung. Zu bedenken ist auch, dass sich der interkommunale Wettbewerb weiter verschärfen wird. Der Wegzug der Davert GmbH von Ottmarsbocholt nach Ascheberg ist nur ein erstes Zeichen.

Wenn eine Zentralisierung von Aufgaben durch den demografischen Wandel notwendig wird, wie beurteilen Sie die großflächige Bebauung mit Eigenheimen in Richtung Komponistenvierte/Buskamp?

Joachim Schubert: Ich sehe das sehr kritisch, weil mit der Ausdehnung des Wohngebietes nicht gleichzeitig auch die Versorgung der dort lebenden Bevölkerung mit eingeplant wird. Alte Menschen können nicht mal eben so zum Arzt oder zum Einkaufen gehen. Diese Problematik sehe ich nicht nur für Sendens Peripherie, sondern zum Beispiel auch bezüglich des laufenden Verkehrskonzeptes im Ortskern. Es ist höchste Zeit, dass in Senden etwas gemacht wird.

Wenn ich das richtig verstehe, ist also die Politik gefordert, grundlegend umzudenken?

Joachim Schubert: So ist es. Aber die Herausforderungen des demografischen Wandels sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein von der Gemeinde gelöst werden kann. Alle gemeinsam sind gefordert: Bürgerschaft, Interessengruppen, örtliche soziale Einrichtungen und Migranten beispielsweise. Die Politik braucht die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung. Und die Menschen müssen für diese Problematik wachgerüttelt werden.

Und wie kann das geschehen?

Joachim Schubert: Beispielsweise durch ein Demografiezentrum, das mit Diskussionen und durch Aktivitäten Informationen in die Bevölkerung trägt und dadurch Bewusstsein schafft. Der demografische Wandel ist vor allem ein Thema für junge Leute, die die Zukunft gestalten wollen. Doch die Jugend ist diesbezüglich leider zu passiv.

Startseite
ANZEIGE