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Auflagen für Häuslebauer in der Huxburg

Sonne anzapfen wird zur Pflicht

Senden

Erstmals wird mit der Huxburg für ein komplettes Baugebiet die Pflicht verankert, eine Solaranlage zu installieren. In mehrfacher Hinsicht betritt die Gemeinde in diesem Areal Neuland.

Von Dietrich Harhues

Umweltauflagen an die Häuslebauer:Im Baugebiet Huxburg entstehen rund 600 Wohneinheiten. Photovoltaik wird zur Pflicht. Foto: di

Mit dem Baugebiet Huxburg betritt die Gemeinde Senden Neuland – wörtlich und im übertragenen Sinne. Denn das neue Quartier unterscheidet sich in mehrerer Hinsicht erheblich von der „klassischen“ Ausweisung von Bauland. Dies gilt für den Grad der Verdichtung, der eine Größenordnung erreicht, die sich Werten wie in Mecklenbeck Am Hof Hesselmann nähert und die Dichte an der Hiltruper Meesenstiege übertrifft. Doch auch beim ökologischen Energiekonzept setzt die Huxburg neue Maßstäbe. Denn: Erstmals wird in einem kompletten neuen Wohngebiet per Bebauungsplan festgelegt, dass alle Häuslebauer Photovoltaik auf ihrem Dach installieren müssen. Diese Entscheidung fiel einstimmig in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität.

Die PV-Anlagen müssen es auf eine Mindestleistung von vier Kilowatt Peak (kWp) bringen. Dieser Wert könne relativ niedrig angesetzt werden, weil bei Bauherren ohnehin der Trend festzustellen sei, dass Dachflächen möglichst komplett ausgeschöpft werden, erläuterte Andreas Hübner, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Gertec, am Donnerstag den Ausschussmitgliedern. Die Auflage, die Sonne anzuzapfen, gilt nicht für Mehrfamilienhäuser. Doch auch die Pflicht (wie es in der Vorlage wörtlich heißt) für Einfamilienhäuser verlangte der CDU schon Überwindung ab, wie Roland Wieging einräumte. Denn dadurch könnten Baukosten steigen – womöglich genau an eine Schmerzgrenze, die für manche Familie den Traum vom Eigenheim platzen lassen könnte, so die Sorge der CDU. Ihre Devise: „Alle sollen bauen können.“ Wieging appellierte, über Wege nachzudenken, durch Öko-Standards keine soziale Auswahl auszulösen. 5000 bis 10 000 Euro Mehraufwand könnten zum „Zünglein an der Waage“ beim Hausbau werden. 

Kredite für PV-Anlagen „super abgesichert“

Dass aber die Kosten für Strom später entfallen oder sinken, gab Ludger Janning (SPD) zu bedenken. Energie-Experte Hübner, dessen Büro das Konzept für die Huxburg erstellt hat, konnte der CDU ihre Befürchtungen ein Stück weit nehmen. Er wies darauf hin, dass die Kosten für eine PV-Anlage als Kredit „super abgesichert“ seien. Davon gelte es, die örtlichen Banken als Hypothekengeber zu überzeugen.

In der Klimaschutzsiedlung im Buskamp hatten die Bauherren bereits einige Vorgaben zu beachten. Foto: di

Wer eine der begehrten Parzellen in der Huxburg ergattert, muss sich auch über die Wärmeversorgung in seinem Neubau Gedanken machen. Denn das Baugebiet wird nicht ans Gasnetz angeschlossen, vielmehr votierten die Mandatsträger ebenfalls einstimmig dafür, dass sich jeder Bauherr um eine jeweils dezentrale Lösung etwa durch eine Luft-Wärme oder Sole-Wärme-Pumpe kümmern muss. Die weitere Bauweise muss auf gemeindlichen Grundstücken mindestens den KfW-55-Standard erfüllen. Einem Förderprogramm aus kommunalen Mitteln, das einen Anreiz zu höheren Standards schaffen soll, erteilte die Mehrheit des Ausschusses eine Absage. Ein kostenloses Beratungsangebot, um sich in Energie-Fragen zu orientieren, wird allen Grundstückskäufern offeriert. Den finanziellen Aufwand trägt die Kommune: „Dass es den Bauherrn nichts kostet heißt ja nicht, dass es die Gemeinde nichts kostet“, stellte Bürgermeister Sebastian Täger klar. Die Modalitäten der Beratung durch externe Fachleute ist noch offen.

Vermarktung der Grundstücke ab September

Viele Häuslebauer hoffen auf die begehrten Parzellen: Ab September steigt die Gemeinde Senden in die Vermarktung ihrer Grundstücke ein, alle Interessenten werden dann angeschrieben. Die Etappen bis dahin sehen so aus, erklärt die Verwaltung auf WN-Anfrage: In der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 22. Juni sollen die Kriterien für die Vergabe der Grundstücke politisch beraten werden. In der ersten Gemeinderatssitzung nach den Sommerferien, am 26. August, sollen dann die Vergabekriterien beschlossen und möglichst auch über die Festsetzung des Kaufpreises entschieden werden.

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