Ausprobiert: WN-Redakteur im E-Auto flott unterwegs

Spritztour weckt Appetit auf mehr

Senden

Die Gemeinde Senden öffnet ihren Fuhrpark: Wer einmal ausprobieren möchte, wie sich ein E-Auto fährt, kann sich einen Renault Zoe übers Wochenende ausleihen. Die WN machten die Probe aufs Exempel. Und erlebten viel mobile Lust und nur einmal Frust.

Dietrich Harhues

Bevor die Fahrzeugpaten Sven Hoffmann (l.) und Patrick Hinkämper den Renault Zoe übergeben, checken sie dessen Zustand. Foto: di

Bei dieser Recherche gerät der Redakteur unter Spannung – buchstäblich. Denn erstmals nimmt der vornehmlich radelnde Reporter für eine längere Strecke am Steuer eines Elektro-Autos Platz. Und will diesen am Ende eines Wochenendes am liebsten gar nicht wieder verlassen.

Die Probefahrt, die – wie berichtet – jedem Bürger offensteht, beginnt nicht mit Lenken, sondern Büffeln. Die „Unterrichtsstunde“ übernehmen Sven Hoffmann und Patrick Hinkämper – die, neben anderen, als Fahrzeugpaten die Übergabe des Wagens aus dem Gemeinde-Fuhrpark an die Privatperson abwickeln. Die Bürokratie – Mietvertrag für bis zu 400 Kilometer und Dokumente wie Führerschein, „Perso“ und Co. – wird vorab online bewältigt.

Paten weisen ein und leisten Überzeugungsarbeit

Hoffmann und Hinkämper sind Feuer und Flamme für das Düsen ohne Verbrenner. Der erste fährt einen Opel Ampera-e, der mit dem Strom vom Hausdach mit Energie versorgt wird, der zweite ist Kfz-Meister und hat sich gerade einen schicken, schnittigen VW ID 3 „gegönnt“. Aus Überzeugung, den Antrieb der Zukunft gewählt zu haben.

Gegenüber dem futuristischen Wolfsburger Vehikel nimmt sich der gemeindeeigene Zoe R 90 bescheiden und etwas altertümlich aus. Mit rund 140 Kilometern Reichweite und seiner Motorleistung gehört er den Einsteiger-Modellen der E-Mobilität an.

Kommentar: Wandel anfachen

Dem Klimawandel begegnet man am effektivsten mit einem Verhaltenswandel. Und der beginnt im Kopf. Wer sein Bewusstsein in puncto Mobilität erweitern möchte, der sollte auch mal in einem E-Auto Platz nehmen.

Dass das ohne Autohausbesuch und Verkaufsgespräche möglich ist, verdient Anerkennung. Die Gemeinde Senden übernahm, auf Initiative der SPD, ein Modell der ökologischen Musterkommune Saerbeck und bietet das Verleihen des Zoe seit dem August an.

Ob sich die Anschaffung eines batteriebetriebenen Fahrzeugs lohnt und zum eigenem „Bewegungsprofil“ passt, muss jeder für sich abschätzen. Um das Gespür dafür zu bekommen, wie flott und unkompliziert die elektrische Fortbewegung ist, eignet sich ein Leih-Wochenende auf jeden Fall. Der Bereitschaft der Gemeinde, das Auto zu stellen, ist zu danken. Ebenso den ehrenamtlichen Paten, die Neulinge kompetent einweisen.

Umso erstaunlicher ist, dass die frische Fahrkultur der E-Autos auch in dieser Klasse schon zu spüren ist. Auf der Testfahrt im „Dorf“ zog der Zoe flott davon. Beim Kolonne fahren mit dem familieneigenen, ansehnlichen SUV hatte der spritzige Franzose sogar die Nase vorn – was die ersten Sekunden nach dem Umspringen der Ampel angeht.

Flotte Fahrleistungen für Kfz-Kräftemessen

Doch auch sonst liefert die eigentlich schmalbrüstige Batterie des Zoe ordentlich Leistung ab. Die der Kleinwagen verzögerungslos auf die Straße bringt. Und mit der Routine – „wie halte ich bloß meinen linken Fuß still“, hadert der WN-Chronist mit seiner zweiten Automatikfahrt, seit er vor 35 Jahren seinen Führerschein machte – wachsen Lust und Mut. So lassen sich auf dem Ring in Münster an der Ampel an der Tormin-Brücke mal Sprints gewinnen beim Kfz-Kräftemessen, bis der Kolde-Ring vor dem LVM-Tower wieder einspurig wird. Der Mann im dicken Volvo neben dem verkappten Mitarbeiter der Gemeinde Senden (die ihr Logo deutlich auf dem weißen Lack platziert hat) hatte wohl nicht damit gerechnet, dass die Batterie-Power dem Kleinwagen einen großen Anzug beschert. Kurzfristig bringt der Zoe bis zu 93 PS und 225 Newtonmeter auf den Asphalt – bei so wenig Gewicht ziemlich ordentlich.

Dietrich Harhues, sonst vorwiegend radelnder Redakteur, fühlt sich im Zoe wohl. Foto: di

Frust kommt bei der 110 Kilometer langen Recherche-Runde nur einmal auf. Als in Bredenbeck auf der B 235 bei 94 kmh/h im Display Schluss ist. Doch auch dieses Problem ließ sich lösen: Einfach den Eco-Modus abstellen. Und schwupps, Tempo 140 sind auf der Autobahn locker drin. Was auch fürs Reisen meistens reicht, einigen Linke-Spur-Fetischisten aber wohl nicht.

Die Gemeinde zahlt den „Sprit“

Die Spritztour auf Gemeindekosten hätte sogar noch länger dauern können. Und wäre auch auf den „Deckel“ der Kommune gegangen. Zumindest an der Ladesäule an der evangelischen Kirche, die sich seit 2016 kontinuierlich steigender Beliebtheit erfreut. Ebenso wie das Fahren mit E-Antrieb, das den Redakteur in positive Anspannung versetzte.

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