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Ständige Demütigung mündet in Mord

Lena Kaiser

Senden - Was lässt eine Frau zur Mörderin werden? Anlässlich des internationalen Frauentags las Andreas Kläne am Montagabend exklusiv aus seinem aktuellen Roman „Totgeliebt“ im Sendener Rathaus. In einer Diskussion kamen Experten mit Bürgern über die Hintergründe ins Gespräch. Der Journalist hatte anderthalb Jahre im Umfeld und in der Vergangenheit der Täterin recherchiert, den gesamten Gerichtsprozess verfolgt und zahlreiche Interviews mit der Inhaftierten im Gefängnis geführt.

Hauptfigur Karin Krogmann erschießt ihren Mann kurz nachdem sie von diesem verlassen wurde. Und das nach 29 Jahren Ehe, die nach außen hin keine perfektere Fassade hätte haben können. Die Zuhörer blicken tief in die Gefühlswelt einer Frau, die sich für die Karriere ihres Partners aufopfert und darüber jegliches Sorgen um die eigenen Bedürfnisse verliert.

„Das war nicht die typische Mörderin. Sie sprach zu beherrscht, hatte zu viel Klasse, passte in keine Schublade, in die man Mörderinnen sortiert“, so die journalistische Schilderung. Aber was ist ursächlich für einen Mord nach so vielen Ehejahren? „Sie hat letztlich alles getan, um die Beziehung zu retten. Es bestand eine emotionale Abhängigkeit, die vor allem aus ihrer Kindheit resultiert. Denn Sozialisationsfaktoren werden weitergegeben - Vorbild war die eigene Mutter, die sogar eine ungewollte Auswanderung auf sich nahm um ihren Mann zu behalten“, erläuterte Dr. Katharina Weinke-Polzer, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, den Fall.

Über die juristischen Aspekte und die schwierige Messbarkeit psychischer Gewalt unter Partnern konnte Dr. Wolfgang Kabisch, Richter am Amtsgericht Münster, aufklären. Die Mörderin aus dem Buch sei ein Einzelfall. Nur knapp über fünf Prozent aller Inhaftierten seien weiblich. Selten ende alles in einer solchen Dramatik, sondern eher in tiefen Depressionen. Die Täterin aus dem Roman trieben ständige subtile Entwertungen durch ihren Mann zu einer impulsiven Aggressionsentladung. Wichtig sei, dass Familien, die Tendenzen eines solchen Verhaltens zeigten, erkannt werden, damit dieses nicht an die Kinder weitergegeben werden.

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