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Senden

Strom und Gas aus eigenem Netz

Peter Werth

Senden. Die Infrastrukturgesellschaft ist tot, es lebe die „Gemeinsame Stadtwerke Münsterland GSM Holding GmbH & Co.KG“. Neun der elf Kommunen des Kreises Coesfeld wollen künftig die Versorgungsnetze mit Strom und Gas in eigene Hände nehmen. Dazu soll jede Gemeinde oder Stadt zunächst eine eigene Netzgesellschaft gründen. Diese werden anschließend in einer „Netzbetriebsgesellschaft GmbH & Co KG“ zusammengefasst. Das administrative Dach dieser Betriebsgesellschaft der neun Kreiskommunen wird die ebenfalls zu gründende GSM-Holding sein. Unter diesem Dach könnten weitere kommunale Dienstleiter als GmbH gegründet werden: etwa für die Abwasserentsorgung oder die Müllabfuhr.

Als erste der neun Kreiskommunen brachte in Senden am Dienstagabend der Haupt- und Finanzausschuss die Gründung entsprechender Unternehmungen auf den Weg. Einstimmig sprachen sich alle Parteien für diesen Weg aus. Im nichtöffentlichen Teil wurde auch der entsprechende Gesellschaftsvertrag abgesegnet, erklärte Bürgermeister Alfred Holz gestern.

In der Sitzung hatte der münsterische Rechtsanwalt Dr. Andreas Kersting den Kommunalpolitikern das auf den ersten Blick reichlich komplizierte Konstrukt der unterschiedlichen „Netzgesellschaften“ und der all dies kontrollierenden GSM-Holding erläutert. Eingangs hatte er festgestellt, dass es innerhalb der Kommunen einer gewissen Stärke bedürfe, „um sich für die Zukunft aufzustellen“. Sprich: Die GSM sei nur dann wirtschaftlich erfolgreich, wenn sich möglichst alle Partner-Kommunen auch daran beteiligten.

Ziel sei es, nach dem Auslaufen der jeweiligen Konzessionsverträge mit den bisherigen großen Netzbetreibern wie RWE, die Netze über die „Netz GmbH“ von ihnen zu erwerben. Anschließend soll die übergeordnete „Netzbetriebsgesellschaft – als Zusammenschluss der verschiedenen kommunalen Töchter – als Pächter diese Netze selbst betreiben. Der Kauf der Netze werde finanziert durch die fällige Pacht, die die Netzbetriebsgesellschaft an die kleinen kommualen Netzgesellschaften zahlt, so Kersting.

Dies könne nur nach und nach geschehen, da die bestehenden Verträge in den Kommunen unterschiedliche Restlaufzeiten hätten. Senden kommt beim Strom schon recht schnell zum Zuge. Der Vertrag läuft 2010 aus. Bis zum 30. April 2008 muss die Bewerbung für den Netzbetrieb abgegeben werden. Entscheider über die Vergabe der Konzession ist – praktischerweise – jede Kommune selbst.

Die neun Kommunen Senden, Ascheberg, Billerbeck, Havixbeck, Lüdinghausen, Nordkirchen, Nottuln, Olfen und Rosendahl sind entsprechend ihrer Einwohnerzahl und ihrer Größe Anteilseigner der Netzbetriebsgesellschaft. An der GSM-Holding sind alle zu gleichen Teilen beteiligt.

Der „besondere Charme“ der gewählten Unternehmenskonstruktion liege auch darin, dass zu späterem Zeitpunkt neue Partner hinzukommen könnten, sagte Alfred Holz. Nicht umsonst sei ja der Name „Stadtwerke Münsterland“ gewählt worden. Und so kann er sich vorstellen, dass die GSM in nicht allzu ferner Zukunft selbst als Energielieferant an den Endverbraucher auftritt oder in ferner Zukunft gar über eine entsprechende Beteiligung als Energieproduzent: „Kommunalpolitisches Handeln bedeutet auch langfristiges Denken.“

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