„Bollerwagen-Jungs“ bereichern Schützenfest seit 30 Jahren

Tradition feucht-fröhlich erfrischt

Bösensell

Am Anfang wurden sie vom Vorstand der Schützenbruderschaft St. Johanni Bösensell nicht gerade gerne gesehen. Doch mittlerweile sind die „Böllerwagen-Jungs“ eine feste Institution beim Schützenfest. Denn mit ihrem „antiken“ Gefährt begleiten sie seit 30 Jahren den Festumzug durchs Dorf.

Carina Wübbels

Humorvolle Tradition: Seit nunmehr 30 Jahren sind die „Bollerwagen-Jungs“ mit ihrem „antiken“ Gefährt beim Antreten zum Schützenfest dabei. Foto: cw

1989 errangen die Fußballer des SV Bösensell die Meisterschaft in ihrer Klasse. Um dies zu würdigen, erschienen zehn Schützen in Deutschland-Trikots zum Antreten beim Fest der Schützenbruderschaft St. Johanni. Dem Vorstand gefiel das damals nicht gerade – den Trikotträger dafür umso mehr. Vor allem der mit Bier bestückte Bollerwagen kam bei den einen sehr gut an – stieß den anderen aber unangenehm auf. Seit nunmehr 30 Jahren sind die „Bollerwagen-Jungs“ allerdings eine feste Institution beim Antreten vor dem Umzug durchs Dorf und dem anschließenden Königsschießen. Die Gründungsmitglieder sind auch drei Jahrzehnte später noch mit Uniform und ihrem ungewöhnlichen Gefährt in der Schützenriege vertreten.

Der Bollerwagen ist schon „antik“: Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde er im Stuttgarter Raum zur Obst- und Gemüse-Ernte eingesetzt. In den 1950er Jahren fand er den Weg nach Bösensell und wurde dort schon häufig für Mai-Touren und andere Ausflüge genutzt. Seit 30 Jahren ist er nun das Erkennungszeichen für die „Bollerwagen-Jungs“. Mit ihrem Versorgungswagen bilden sie den Abschluss der Kompanie. Und der eine oder andere Schützenbruder greift während des Umzugs gern zu. Deshalb wollen sich die Kameraden beim Schützenfest am Wochenende bei den „Jungs“ revanchieren.

Als es den Bösenseller Getränkemarkt an der Roxeler Straße noch gab, wurden die leeren Kisten direkt gegen volle oder den Pfand getauscht. Auch, wenn der Vorstand des Schützenvereins in den ersten Bollerwagen-Jahren nicht begeistert war, so fand der jeweilige Spieß in den vergangenen Jahrzehnten beim Antreten unter den „Jungs“ doch häufig geeignete „Opfer“. Neben Kniebeugen und Liegestützen stand vor allem das Hochkurbeln des hölzernen Federviehs am Schießstand auf dem Programm.

Bis 2005 wurde der Wagen regelmäßig im Garten von Elmar Eckrodt präpariert. Mittlerweile ist bei Jürgen Heßeler die Heimat des „antiken“ Gefährts. Für ihr 30-jähriges Bestehen hätten sie sich ein Jubiläums-Outfit überlegt, lassen die Schützenbrüder durchblicken. Am Samstagmittag, beim Antreten um 13 Uhr vor „Temme“, wird es zu bestaunen sein.

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