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Kabarett mit „Storno“ nach EM-Spiel

Verbale Doppelpässe ins Gag-Tor

Senden

„Storno“ auf der „Sommerbühne“: Das Kabarett-Trio war am Wochenende in Senden zu Gast. Drei Mal kredenzten die Kings of Kalauer ihr Programm, in das sie auch aktuelle Begebenheiten spontan mit einfließen ließen.

Von Ulla Wolanewitz

Storno auf der Sommerbühne: Die „Kings of Kalauer“ sind am Wochenende dreimal voll in ihrem Element. Foto: Ulla W olanewitz

Echte Menschen, die zu riechen sind? Keiner davon verpixelt ist, nix ruckelt? Da muss es sich um einen analogen Kontakt handeln. Und was könnte schöner sein? Groß war die Freude der drei „Stornisten“, den Bühnenboden im „Cabrio“-Bad am Wochenende gleich dreimal wieder richtig beleben zu können.

Keine Frage: Das Kulturteam der Stevergemeinde zeigt der Region, wie‘s geht. Flexibel, vielseitig und ebenso spontan ist das Programm der „Sendener Sommerbühne“ aufgestellt. Auf das EM-Spiel am Abend wurde kurzerhand mit einem Kabarettstart um 21 Uhr reagiert und damit Künstler und Kollegen auf keinen Fall auf diesen Spaß verzichten mussten, wurde die Preistafel im Cabrio-Foyer zum Mini-Public-Viewing umfunktioniert. Nach dem 4:2 gegen Portugal landete das Storno-Trio im Tsunami-Tempo einen Kracher nach dem anderen. „Spring-ut-de Kist“ Thomas Philipzen startete mit seiner Imitation auf „Jokki Löw“ mit eindrucksvollen Posen in Zeitlupe, den Spielfeldrand als Laufsteg nutzend und Ansagen wie „Spiels a Doppel-Pässle“!

Grimassen-Magier Harald Funke stellte mit „Ich hab‘ was Kleines gekriegt“ seine Folge der Pandemie vor und gestand freimütig mit den Händen auf dem Bauch: „6,5 Kilo – Corona im Speckmantel.“ Versprecher oder Hänger – „oh, heilige Dementia“ - fingen die drei von der „Humor-Tankstelle“ selbstironisch und locker-flockig auf, fast so, als wären sie ihnen willkommen, um weitere Spontan-Knaller rauszuhauen: „Kommt da jetzt noch ein Verb, wenn schon kein Substantiv dabei ist?“ Rüther zu Funke: „Das stand jetzt aber so nicht im Text?“ Antwort Funke: „Nee, da hab‘ ich mich verdribbelt. Die Verschnaufpause war wohl zu lang.“ Empfehlung Philipzens sichtlich erheitert: „Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie dieser Gag funktioniert, kommen Sie morgen wieder, dann haben wir ihn richtig drauf!“

Wie es mit Faxen-Funke weitergeht, wenn seine Parodie-Primadonna Angie sich im Herbst als Kanzlerin verabschiedet, blieb zunächst offen: „Ich bin doch mehr Angie als sie selbst. Ihre Perücke ist mein Kronen-Chakra.“ Bloß nicht nicht bockig werden, mahnte Rüther, auf keinen Fall aber Baerbockig. Er warb um Verständnis dafür, dass die Grüne-Kanzlerkandidatin ihren Lebenslauf erfinden musste, schließlich „ist die ja noch so jung. Da kann ja noch nicht so viel drinstehen“. Klar bot sich da der Seitenhieb auf Laschet an, der als Dozent an der TH-Aachen Klausuren verschlampte, die er anschließend freihändig benotete – auch für Studenten, die gar nicht mitgeschrieben hatten. „Die Maschinenbauer haben wahrscheinlich anschließend am BER mitgebaut“, ließ Philipzen sich das kalauern nicht nehmen. Zum guten Schluss krönten die Stornisten ihr Programm mit einer Lindenberg/Grönemeyer Persiflage und Songs wie „Ich hab‘ nen Bello“ und „Hunde nehm‘ in den Arm, Hunde geben Geborgenheit“. Stehende Ovationen gab es nicht nur vom Publikum, sondern auch von Storno für das Kulturamt: „Danke, dass ihr immer möglich macht, was geht. Ganz unkompliziert!“

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