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Spargel-Ernte neigt sich dem Ende zu – Erdbeeren legen erst richtig los

„Vollkommen andere Saison“

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Die Spargelernte steht kurz vor dem Abschluss. Der Hof Grothues-Potthoff zieht eine etwas durchwachsene Bilanz. Während der Corona-Pandemie sei eine steigende Nachfrage nach regionalen Produkten zu verzeichnen gewesen. „Bisher war es ein Auf und Ab“, so Geschäftsführer Elmar Grothues.

Von Thomas Fromme

Die Erntehelfer bewegen die Spargelspinne auf Knopfdruck weiter über die Dämme – immer auf der Suche nach erntereifen weißen Stangen, die sie sorgfältig stechen. Anschließend wird der Damm wieder glatt gestrichen. Foto: Thomas Fromme

Noch 14 Tage sind es bis zum Johannistag – der Endspurt für die Spargelsaison ist eingeläutet. Noch möchte Elmar Grothues keine Bilanz ziehen. „Es war auf jeden Fall eine vollkommen andere Saison als in den beiden Vorjahren“, sagt der Mitinhaber des Hofes Grothues-Potthoff. Der baut Spargel auf knapp 20 Hektar an.

Auf dem Feld in der Bollenheide bewegen sich vier Spargelspinnen langsam vorwärts und heben die Folien über den Dämmen an. Darin recken sich einzelne Köpfe des königlichen Gemüses vorsichtig in Richtung Tageslicht. Genauso vorsichtig stechen die Erntehelfer die Stangen und legen sie sorgfältig in rote Kisten auf der mit einer Batterie betriebenen Spargelspinne, die sich auf Knopfdruck weiter bewegt. Dann streicht der Erntehelfer die Erde auf dem Damm sorgfältig wieder glatt – denn noch läuft die Saison.

Mitte März den ersten Spargel gestochen

„Bisher war es ein Auf und Ab“, sagt Elmar Grothues. Bereits Mitte März hat der Betrieb den ersten Spargel gestochen – unter Folienabdeckung mit zusätzlichem Mini-Tunnel. „Die Bedingungen waren gut. Es war weder zu heiß noch zu kalt“, so der Geschäftsführer. Trockenheit sei für den Spargel- und Obstbaubetrieb kein gravierendes Problem. Alles kann und muss bewässert werden – dafür steht aus dem Offerbach und dem Kanal genug Wasser zur Verfügung.

Erdbeeren, fast soweit das Auge reicht. Foto: Thomas Fromme

Die diesjährige Spargel-Qualität sei gut. Doch die Erntemenge sei unterdurchschnittlich, weil die Pflanzen durch den verregneten Herbst 2021 nicht so viel Kraft sammeln konnten, so Grothues. „Die Preise lagen im Schnitt deutlich unter den Vorjahren, sind aber jetzt wieder deutlich gestiegen, weil zum Saisonende viele Felder abgeerntet sind.“

2020 und 2021 hätten Lockdown und der Trend zum Kochen die Spargel-Nachfrage verstärkt. „Es gab vor allem eine extreme Tendenz zum Einkauf regionaler Ware, was der Direktvermarktung zugute kam. Dieser Trend ist wieder etwas zurückgegangen. Die Nachfrage spitzt sich immer mehr auf das Wochenende zu. Dann wird Zuhause etwas Gutes gekocht“, hat Elmar Grothues beobachtet. Ein fester Kundenstamm zahle vernünftige Preise. Da der Sendener Betrieb aber nicht nur samstags und sonntags Spargel erntet, werden auch Supermärkte und Gaststätten in der Region direkt mit Spargel aus Senden beliefert.

Deutlich länger als beim Spargel dauert die Saison bei den Erdbeeren, einem weiteren wichtigen Produkt des Obstbaubetriebs. Von Mitte April bis Anfang November wird geerntet. Zuerst und zuletzt ausschließlich im Folientunnel und aktuell unter freiem Himmel – wo aber sowohl längere Regen- als auch Hitzeperioden problematisch sein können.

Bei Erdbeeren kommt es auf punktgenaue Ernte an

Noch mehr als beim Spargel komme es bei den roten Früchtchen auf die punktgenaue Ernte und den Verkauf innerhalb von 24 Stunden an. „Erdbeeren lassen sich auch gekühlt nicht lange lagern, ohne dass das Aroma leidet“, so der Geschäftsführer. Deshalb gehe ein Teil der Ernte an Großmärkte. Schon beim Pflücken werden beschädigte Früchtchen getrennt sortiert, aber möglichst verwertet, zum Beispiel für die Marmeladenproduktion, berichtet Elmar Grothues.

Der Wirtschaftsingenieur, der für die Vermarktung zuständig ist, lenkt mit seinem Bruder Alexander (Anbau/Erzeugung) und seinen Schwestern Pia (Hofcafé) und Eva (Hofladen) sowie mit Schwager Marcel Tekaat (Hotel) die Geschicke des breit aufgestellten Betriebes. Insgesamt sind etwa 150 Mitarbeiter angestellt, davon gut die Hälfe in Vollzeit. Hinzu kommen jetzt in der Hochsaison etwa 100 Erntehelfer – vor allem aus Rumänien, aber nach wie vor auch aus Polen. „Einige kommen schon seit 20 Jahren“, sagt Elmar Grothues.

Regionale Produkte punkten durch Qualität

Auch wenn bei den Erdbeeren vor allem nach Ostern der Preisdruck durch Importware hoch war, fand das frische Obst aus Senden genug Abnehmer. „Gerade bei Erdbeeren sorgen kurze Wege für gute Qualität“, so Grothues. Die habe ihren Preis, weil in Deutschland „zu Recht“ hohe Löhne gezahlt würden.

„Weniger als 20 Prozent des deutschen Obstverbrauchs werden im Land erzeugt – der große Rest wird unter schlechteren Bedingungen anderswo produziert“, nennt Elmar Grothues ein starkes Argument für regionale Produkte.

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