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Erstmals Buch über die „Alte Fahrt“

Wasserstraße wandelt sich zu Refugium

Senden

Es ist ein technisches Denkmal, das noch Wasser führt und eine einzigartiger Naturraum: Die Alte Fahrt steht als Naherholungsgebiet hoch im Kurs und dient als wichtiges Refugium für Flora und Fauna. Dirk Frerichmann hat der sechs Kilometer langen historischen Infrastruktur ein modernes Buch gewidmet.

Von Dietrich Harhuesund

Neue und alte Fahrt liegen dicht beieinander. Die historische Wasserstraße zerteilt am Nonnenbach, an der Grenze zwischen Senden und Lüdinghausen, einen Wald, von dem eine Seite ein Naturschutzgebiet bildet. Foto: Dirk Frerichmann

Spaziergänger, die die Natur suchen, steuern gerne die Alte Fahrt an – ein Gebiet, dessen Prägung aber durch Menschenhand erfolgt ist. Allerdings hat sich die Natur ihr Territorium längst zurückerobert. Was bleibt, ist die Spannung zwischen der Infrastruktur des frühen Industriezeitalters und einem abwechslungsreichen Landschaftsbild. Diese Ambivalenz trägt zur Anziehungskraft der Alten Fahrt bei. Eine Faszination, der auch der Sendener Fotograf und Gestalter Dirk Frerichmann erlegen ist. Die historische Wasserstraße, ein technisches Denkmal, das noch Wasser führt, hat durch ihn eine moderne Würdigung bekommen. Ein Buch, zu dessen Entstehen Werner Dreßen, Senior-Chef des Betonwerks Mönninghoff, als Ideengeber beigetragen hat.

In der Einleitung des Bildbandes, der dadurch zugleich Sachbuch wird, ordnet Dr. Rolf Brocksieper, Vorsitzender des Trägervereins des Biologischen Zentrums in Lüdinghausen, den Bau des Dortmund-Ems-Kanals historisch ein und stellt den Wert der Alten Fahrt als einen der „bedeutendsten Lebensräume für den Biotopverbund im Münsterland“ heraus. Der Kanal, der den Dortmunder Stadthafen mit Papenburg verband, ist 1899 von Kaiser Wilhelm eingeweiht worden. Doch schon in den 1930er Jahren erforderten die immer größeren Schiffe einen breiteren Wasserquerschnitt – was zwischen Lüdinghausen und Senden dazu führte, dass eine neue Fahrrinne ausgebuddelt wurde. Den flacheren Kurvenradius, den die größeren „Pötte“ verlangten, gab die Alte Fahrt nicht her.

Impressionen und Informationen

Sie wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg fertig. Der damit einsetzende fast 70-jährige Dornröschenschlaf, führt Brocksieper aus, ließ ein Refugium für Flora und Fauna entstehen – beispielsweise als eines mit fast 30 Arten libellenreichsten Gewässers der Region, wie der Fachmann in der Einleitung erklärt.

Die Mischung aus Informationen und Impressionen macht den Reiz des Buchs aus, an dem Dirk Frerichmann seit drei Jahren arbeitete. Den Wert der Landschaft, die an der sechs Kilometer langen Strecke entstanden ist, macht der Bildband deutlich. Um damit für ihren Erhalt zu sensibilisieren. Frerichmann will zeigen, „welches Juwel wir hier vor unserer Haustür haben“.

Dirk Frerichmann

Das vermitteln die 58 Fotos, die es aus einem großen Fundus an Motiven in den gedruckten Band geschafft haben. Wie bei all seinen Projekten fiel dem 43-Jährigen die Auswahl nicht leicht. Er gliederte sein „Revier“ nach den vier Bauerschaften und fing Eindrücke aus allen vier Jahreszeiten ein. Die Bilder, meist erst auf den Chip seiner Nikon D 810 oder der Drohnen-Kamera gebannt, nachdem ein Erkundungsbesuch vorangegangen war, zeigen Kontraste, die in diesem Gebiet eng beieinander liegen: Nutz- und Naturlandschaft, Pflanzen und Tierwelt sowie zwei Generationen beim Wasserstraßen-Bau. Die Foto-Exkursionen absolvierte Frerichmann per Rad, per pedes und mit dem Boot. Der Weg zum guten Bild: „Man sollte sich Zeit nehmen.“

Das Buch „Die Alte Fahrt – Natur und Landschaft“ von Dirk Frerichmann, ist in seinem Büro, Bulderner Straße 9, sowie bei Bücher Schwalbe, Tabak/Lotto Balster und der Tourist-Info in Senden sowie im „Lüdinghaus“ und im Biologischen Zentrum in Lüdinghausen erhältlich.

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