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Profi-Trompeter Matthias Beckmann und die Corona-Auswirkungen

Weltmusiker ist auf „Entzug“

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Matthias Beckmann fehlen die Konzerte, das Feedback des Publikums und das Tingeln über internationale Bühnen. Wann die Normalität wieder einkehrt, bleibt ungewiss. Was den 37-Jährigen auf eine harte Probe stellt.

Von Dietrich Harhues

Hausmusik: Matthias Beckmann spielt mit seinem Vater Werner Beckmann im heimischen Wohnzimmer in Senden, in dem mehrere Instrumente ihren festen Platz haben. Foto: di

Saxofone, Querflöte, Klarinette und eine von mehreren Gitarren haben sich einen festen Platz im Herz des Hauses ergattert – im Wohnzimmer. Dort sind sie eine Zierde, aber keine bloße Dekoration. Denn die Instrumente werden regelmäßig gespielt. Hausmusik ist bei Familie Beckmann im Erlengrund ein generationsübergreifendes Thema. Filius Matthias hat das zum Beruf gemacht, was für Vater Werner Beckmann, langjähriger Chef-Präparator des LWL-Naturkundemuseums, ein Hobby und eine Passion ist. Leidenschaftliche Musiker sind beide. Schon oft standen sie, zum Beispiel als Mitglieder der „Soulfamily“, gemeinsam auf der Bühne.

Dass diese Bretter, die ihm eine Welt bedeuten, schon das zweite Jahr in Folge nur selten betreten werden, darunter leidet Matthias Beckmann, der Profi in der musikalischen Familie, besonders. Ein Konzert des Jazz-Trompeters in Senden, das für den 22. April vorigen Jahres angesetzt worden war, wurde zunächst auf den 22. Januar 2021 verschoben, fand dann tatsächlich aber erst – wie berichtet – am 18. Juni auf dem „Cabrio“-Außengelände statt. Die Reihe „Sendener Sommerbühne“ machte es möglich. Balsam für die Corona-geschundene Musiker-Seele. Weitere Gigs stehen für den 37-Jährigen aber derzeit noch nicht im Kalender. Wann und wie es weitergehen wird, diese Fragen kann Beckmann nur mit der ausdrücklichen Hoffnung auf die Rückkehr von einstmaliger Normalität beantworten.

Dabei fehlt dem Trompeter, der 2006 ein Jazz- und Pop-Studium am Königlichen Konservatorium in Den Haag begann und dieses 2011 mit dem Hauptstudium am ArtEZ Conservatorium in Enschede mit Auszeichnung abschloss, gerade das Live-Performen mit der Rückkopplung mit dem Publikum. „Das ist das i-Tüpfelchen“, betont Beckmann. Der einräumt, dass Konzerte „wichtig für die Psyche sind“. Das Bild einer Pflanze, die ohne Wasserzufuhr austrocknet, lasse sich mit dem Künstlerleben ohne Auftritte vergleichen, so der Künstler und Musikpädagoge.

Doppelleben als Komponist und Lehrer

Beide Standbeine, das Komponieren und Aufführen ebenso wie das Unterrichten, bilden die Säulen seiner wirtschaftlichen, aber auch künstlerischen Existenz. Die Treue der Schüler habe ihn durch die Pandemie gebracht. Doch nicht nur als Beitrag zum Broterwerb schätzt er die Tätigkeit als Lehrer: „Es macht viel Spaß, man bekommt viel zurück.“ Seine Schüler, von fünf bis 72 Jahren, hat er Pandemie-bedingt phasenweise per Skype, Zoom oder WhatsApp betreut. Der Austausch mit Musikern oder den Mitgliedern seiner Band verläuft ebenfalls überwiegend virtuell, der Probenbetrieb ruht.

Matthias Beckmann über die Live-Konzerte

Vom Musikerleben, das Beckmann praktisch rund um die Welt führte, ist im Moment nicht viel zu spüren. Seine Schilderungen und der Blick auf die Bilder des aufgeklappten Laptops offenbaren, welcher „Entzug“ herrschen muss: Auftritte bei Jazzfestivals von Enschede bis Mallorca, Konzerte von Tansania bis Ecuador, noch 2019 ein Gig im Smalls Jazz Club in New York, wo er mit Sängerin Jacquine im Studio arbeitete. Der Sendener, der in Hiltrup wohnt, ist auch fester Bestandteil der münsterischen Musikszene – etwa im Hot Jazz Club („mein zweites Wohnzimmer“), als Mitglied der Jovel-Houseband oder in Projekten mit Dr. Ring Ding.

Sein 2017 erschienenes Album „Mpenzi Wangu“ hat dazu geführt, dass Beckmann seine internationalen Kontakte und Projekte ausbauen konnte. Das Album hatte er seiner Freundin gewidmet, die auch das Cover ziert. Inzwischen gehen beide getrennte Wege. Aber das musikalische Vermächtnis von „Mpenzi Wangu“, das auf Suaheli „Mein Schatz“ heißt, bleibt erhalten.

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