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Sozialausschuss: Bilanz und neues Projekt

Wohnungslosigkeit fordert Verwaltung verstärkt heraus

Senden

Dass Menschen ihre Wohnung, oftmals aus einem ganzen Bündel von Gründen, verlieren, beschäftigt verstärkt die Verwaltung der Gemeinde Senden, hieß es in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses.

Dietrich Harhues

Im Sozialausschuss gab Bürgermeister Sebastian Täger (r.) bekannt, dass Rahel Epping die Nachfolge von Holger Bothur als Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice, Ordnung und Soziales übernimmt. Foto: di

Eine flache Nische am Rande des Kirchplatzes, zwischen Klinkerfassade und Waschbeton-Balkon: Dort schläft, isst, wohnt seit einigen Tagen ein Mann, der seine Habseligkeiten um sich geschart hat. Der Anblick – „in einer Heile-Welt-Gemeinde wie Senden ist das ein Schockerlebnis“, beschreibt ein Insider das Bild, das Stoff für Gespräche und Chats in sozialen Netzwerken liefert. Und ein Beispiel für Obdachlosigkeit, die als ein Thema auf der Tagesordnung des Sozialausschusses stand, der am Mittwoch in der Steverhalle tagte.

Inklusion und Integration als weitere Themen

In der für ihn als Fachbereichsleiter (der ab Mai für Zentrale Dienste, Freizeit und Bildung zuständig ist) letzten Sitzung des Sozialausschusses stellte Holger Bothur das Integrationskonzept für die Gemeinde Senden vor. Das breit aufgefächerte Konzept benennt Arbeitsfelder und priorisiert Maßnahmen. Ein „dickes Dankeschön“ für die „sehr engagierte“ Mitarbeit richtete Bothur an die Flüchtlingshilfe Senden.Als Inklusionsbeauftragte wurden vom Ausschuss einstimmig Petra van Husen und Wilhelm Eilers bestellt. Sie fungieren als „Doppelspitze“ und vertreten sich gegenseitig. (-di-)

Das Problem, dass Menschen ihre Wohnung verlieren und dadurch in die Obdachlosigkeit geraten können, hat in Senden seit einigen Jahren zugenommen. Neben den klassischen Faktoren – Verlust von Wohnraum wegen Mietschulden, Arbeitslosigkeit, Trennung, Eigenbedarfe – beobachtet die Gemeinde immer häufiger, dass Betroffene unter anderem auch wegen psychischer oder Suchterkrankungen in mehrfacher Hinsicht Hilfebedarf aufweisen, schilderte Rahel Epping, Sachgebietsleiterin Soziales. Die Gemeinde übernehme nicht nur die Unterbringung, sondern auch die Aufgabe, diese Menschen dabei zu unterstützen, ihre Probleme zu überwinden. Derzeit seien drei Frauen (darunter eine Schwangere) und sechs Männer in kommunalen Wohnungen untergebracht. Über vier aktuell anstehende Räumungsklagen – in einem Fall ausgesprochen gegen eine Familie – habe das Amtsgericht die Gemeinde informiert. Ihr Puffer, um Wohnraum bereitzustellen, sei damit nicht erschöpft. „Wir halten immer eine Reserve vor, um die Menschen differenziert unterbringen zu können“, erklärte Fachbereichsleiter Holger Bothur gegenüber den WN. Bei der Vorbeugung und Wiedereingliederung möchte die Gemeinde für sieben Monate probeweise auf das Projekt „Wohn-Mobil“ des „Vereins für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen“ zurückgreifen. Je nach Wirksamkeit könne das Pilotprojekt auf den ganzen Kreis ausgeweitet werden. Einstimmig votierten die Mitglieder des Sozialausschusses dafür, das „Wohn-Mobil“ in die Stevergemeinde rollen zu lassen.

Über „Unterstützungsangebote der Gemeinde, die ihm offenstehen“, sei auch der Bewohner der Balkon-Nische informiert worden, schildert Bothur auf Anfrage. Der Mann im Schatten von St. Laurentius erhält Unterstützung aus der Bürgerschaft, ein Gespräch mit der Lokalredaktion lehnte er ab.

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