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Gemeindeversammlung St. Laurentius: Kritik am Vorschlag des Bistums

„Wünschen uns kleinere Lösung“

Senden

Wie sieht die Zukunft der Seelsorge in der Pfarrei St. Laurentius aus? Das Bistum schlägt ab 2024 einen großen Pastoralen Raum von Senden bis Nordkirchen vor. Dazu gab es unter den 120 Teilnehmern einer Gemeindeversammlung viele kritische Anmerkungen.

Von Thomas Fromme

Bei der gut besuchten Gemeindeversammlung der Pfarrei St. Laurentius erläuterte Pfarrer Dr. Oliver Rothe die Vorschläge des Bistums zur neuen Struktur mit Pastoralen Räumen ab 2024. Dazu gab es zahlreiche kritische Rückmeldungen der Gemeindemitglieder. Foto: Thomas Fromme

Groß war die Resonanz auf die Gemeindeversammlung, zu der die Pfarrei St. Laurentius eingeladen hatte. Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten sich über die vorgeschlagene neue Struktur der Seelsorge mit Pastoralen Räumen im Bistum ab 2024 informieren. Dabei nutzten viele Gemeindemitglieder die Gelegenheit zu Fragen und Kritik.

Auf die Gründe für die Reform ging der leitende Pfarrer Dr. Oliver Rothe zu Beginn ein und stellte den Vorschlag des Bischofs vor. „Bistumsweit gab es in diesem Jahr bisher 23 000 Austritte – und damit schon 3000 mehr als im gesamten Jahr 2021“, sagte Rothe. Bis 2040 sei im großen Kreisdekanat Coesfeld ein kräftiger Rückgang der Katholiken zu erwarten – von derzeit etwa 198 000 auf dann nur noch rund 120 000. Als zweites Problem nannte Dr. Rothe den Priestermangel, der sich verschärfen werde. Im laufenden Jahr habe es im Bistum nur drei Priesterweihen gegeben. Für 2023 sei keine einzige vorgesehen.

Der Vorschlag für Senden lautete zunächst, dass es mit den Pfarreien in Lüdinghausen, Nordkirchen und Olfen (WN berichteten) einen Pastoralen Raum bilden solle, so Pfarrer Rothe. Schon bei der Aufzählung dieser Orte ging ein leises Raunen durch die Kirchenbänke, das etwas lauter wurde, als Rothe berichtete, dass Selm auf eigenen Wunsch noch hinzukommen könnte.

Pfarrer Dr. Oliver Rothe

„Es geht nicht um die Fusion von Pfarreien“, so der Pfarrer, sondern darum, dass – insbesondere bei fortschreitendem Priestermangel – Pfarrer auch in anderen Pfarreien des Pastoralen Raums eingesetzt werden oder dass besondere zentrale Aufgaben, die es nicht überall gibt – wie die Krankenhausseelsorge –, gemeinsam bewältigt werden. „Doch die Pfarreien bleiben selbstständig“, betonte Dr. Oliver Rothe und wies darauf hin, dass das ehrenamtliche Engagement vor Ort künftig noch wichtiger werde. Denn wenn im künftigen Pastoralen Raum Pfarrer versetzt werden oder in den Ruhestand treten, werde es wahrscheinlich keinen Ersatz geben.

„Seit Februar sind die Gremien über den Pastoralen Raum im Austausch“, berichtete Siegfried Thielen. Der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende betonte, dass das kein einfaches Thema sei, dem auch er kritisch gegenüberstehe. So gebe es viele Fragen – etwa diese: „Unsere Pfarrei ist schon groß – vermittelt da eine noch größere Einheit nicht eher Sorge als Zuversicht?“

Lösung nur mit Lüdinghausen bevorzugt

„Statt ihre Einstellungsbedingungen anzupassen, lässt die katholische Kirche den Zölibat bestehen und wälzt das Problem auf die Pfarreien ab“, kritisierte Jan Buerbank und erhielt für diese Aussage Applaus.

„Wir brauchen keinen größeren pastoralen Verband, sondern Seelsorger, die die Menschen ansprechen“, sagte Paul Merker und bekam ebenfalls Beifall. Viele Gläubige fühlten sich von der Kirche, die sie zurzeit erleben, nicht angesprochen, stellte er fest.

„Warum muss es Nordkirchen, Olfen oder Selm sein?“, fragte Josef Füstmann. In mehreren Beiträgen wurden „kleinere Lösungen“ für den Pastoralen Raum gewünscht – etwa nur mit Lüdinghausen, wohin viele Kontakte bestehen.

Andreas Sydlik

Das betonte auch Ulla Röttger: „Veränderungen erzeugen immer Ängste, erst recht, wenn so viele Fragen noch unbeantwortet bleiben. Für unsere Pfarrgemeinde scheint sich in dieser Runde der Wunsch, den Pastoralen Raum klein zu halten, zu verfestigen.“ Dann könne man vieles steuern und erhalten, wie zum Beispiel die Firmvorbereitung, die dann nicht an anderen Orten stattfinden müsste. Außerdem könne auch Einfluss genommen werden auf die qualitativ gute Arbeit, die unbedingt fortgesetzt werden sollte, so Ulla Röttger.

„Wenn wir das hier weiter leben wollen – und das möchte ich – dann sind wir es, die es machen müssen. Die Verbleibenden müssen es rocken. Ich lebe hier gerne, die Gemeinschaft ist mir wichtig. Ich finde: Das kriegen wir hin“, sagte der Pfarreiratsvorsitzende Andreas Sydlik als Ehrenamtlicher.

Eine Abstimmung war nicht vorgesehen. Das Meinungsbild der Gemeinde wird die Pfarrei als Rückmeldung ans Bistum geben, das 2023 entscheidet.

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