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„Seebrücke“-Aktion auch in Senden

Zeichen setzen für „sichere Häfen“

Senden

Ein Antrag, dass Senden sich als „sicherer Hafen“ bekennen soll, liegt bisher nicht vor. Allerdings gibt es einen Vorstoß auf Kreisebene. Bürgermeister Sebastian Täger kann die Initiative, die mit Verpflichtungen bei der Flüchtlingsaufnahme einhergeht, moralisch und menschlich „sehr gut nachempfinden“.

Bevor sich am Sonntag alle Teilnehmer zur gemeinsamen Schlusskundgebung in Münster auf den Weg machten, sammelten sich die Gruppen aus Lüdinghausen, Nottun, Haltern, Dülmen und Nordkirchen auch in Senden. Foto: privat

Im ganzen Kreis Coesfeld und im Münsterland radelten von Samstag bis Sonntag Menschen aus über 19 Städten und Gemeinden, um sich gemeinsam für das Anliegen der „Seebrücke“ stark zu machen: Die Gemeinden und Kommunen zu bewegen, sich dem Bündnis der Städte „Sicherer Hafen“ anzuschließen, um Menschen auf der Flucht ein menschenwürdiges und sicheres Zuhause zu bieten.

Bevor sich – wie berichtet – am Sonntag alle Teilnehmer zur gemeinsamen Schlusskundgebung am Domplatz in Münster auf den Weg machten, sammelten sich die Gruppen aus Lüdinghausen, Nottun, Haltern, Dülmen und Nordkirchen auch in Senden. Begrüßt wurden sie von den „Seebrücke“-Aktivisten Berthold Rieger, Ekrem Atalan und Britta Menzler.

Bürgermeister Sebastian Täger hieß die Gäste willkommen. Er begrüßte die Solidarität der Teilnehmer mit den Geflüchteten und betonte, das Anliegen der Seebrücke entsprechend zu unterstützen, sei „ein Gebot der Stunde“, wird Täger in der Pressemitteilung der „Seebrücke“ zitiert.

Täger: „Staatliche Stellen und Zivilgesellschaft besonders gefordert“

In Senden wurde bisher kein Antrag gestellt, dass sich die Gemeinde zum „sicheren Hafen“ erklären und damit konkret die Bereitschaft dokumentieren soll, über das Pflichtkontingent hinaus geflüchtete Menschen aufzunehmen. Ein solcher Vorstoß wurde aber von Grünen und SPD an den Kreis gerichtet. Das Thema „sicherer Hafen“ war am Montag Gegenstand der Gespräche in der Bürgermeisterkonferenz der Kreis-Kommunen. Die Rathaus-Spitzen, so lautet auf WN-Anfrage die Auskunft der Pressestelle der Gemeinde Senden, verabredeten in der nächsten Runde der Bürgermeisterkonferenz intensiver über die Frage der Kommunen im Kreis als „sichere Häfen“ zu sprechen. Der Antrag, sich dem Städtebündnis anzuschließen soll „eingehend geprüft werden“, hieß es. Dabei seien neben den moralischen jedoch auch rechtliche Aspekte umfassend zu berücksichtigen, da viele Aufgaben/Forderungen, die in dem gemeinsamen Antrag aufgeführt sind, nicht allein in die Zuständigkeit der Kreise, Städte und Gemeinden fallen, ergänzt Täger.

Im Münsterland und dessen Grenzgebiet haben sich beispielsweise Münster, Hamm, Datteln, Waltrop, Emsdetten, Beckum, Oelde, Sendenhorst, Gütersloh und Haltern der Initiative der „Seebrücke“ angeschlossen.

Seine persönliche Haltung fasst Sendens Bürgermeister Täger gegenüber den WN so zusammen: „Das Anliegen der Initiative kann ich aus moralischen und menschlichen Gründen sehr gut nachempfinden. Seit 2014 sind rund 22 000 Geflüchtete im Mittelmeer ertrunken. Auch in diesem Jahr sind (bis Anfang Mai) bereits etwa 600 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer gestorben. Zudem leben viele Flüchtlinge in menschenunwürdigen Lagern, zum Beispiel in Libyen. Es ist richtig, auf diese schwierige Situation dieser Menschen hinzuweisen und Verbesserungen anzustreben. Hier sind alle staatlichen Stellen, ebenso wie die Zivilgesellschaft, besonders gefordert.“

Schilderung von Leiden, Verfolgung und Flucht

Grußworte sprachen auch die Pastoralassistentin Monika Wellermann von der katholischen Kirchengemeindes St. Laurentius und Martin Müller, Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde Senden.

Die Verfolgungs-, Leidens- und Fluchterfahrungen seiner Familie beschrieb eindringlich der in Senden lebende Zoro aus dem Irak und machte damit das Anliegen der „Seebrücke“ besonders deutlich. Seine Rede endete mit dem Dank für die Aufnahme in Deutschland und der damit verbundenen Möglichkeit, ohne Verfolgung und in Sicherheit zu Leben.

Ein Dank der Organisatoren, so die Mitteilung abschließend, gilt der Polizei, die die Teilnehmer freundlich und sicher auf ihrem Weg nach und durch Münster begleitete.

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