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Musiker Anewal bringt Musik der Tuareg auf den Marktplatz

Wüsten-Blues aus der Sahara

Lüdinghausen

Anewal, der gebürtig aus dem Niger stammt, trägt Lieder in der Berbersprache Tamascheq vor. Zentrale Elemente des friedlichen Miteinanders werden allein durch Gesten, die Klangfarbe seiner Stimme und die Instrumentierung deutlich. Im Gespräch mit den WN hat er über die Traditionen der Tuareg im Wandel der Zeit gesprochen.

Von Ann-Christin Frank und

Anewal hat sich zum kulturellen Auftrag gemacht, die Foto: acf

Alhousseini Anivolla gehört zu dem Stamm der Tuareg, reist als Desert-Blues-Musiker Anewal – der Name geht zurück auf seinen Großvater und bedeutet wörtlich übersetzt Wanderer – derzeit durch das Münsterland. Ziel dieser musikalischen Wanderung unter dem Titel „Auf ins Land“ ist „der kulturelle Austausch, die Liebe zwischen den Menschen und der gegenseitige Respekt“, erklärt der Musiker. Auf diesen Werten basiere die Kultur der Tuareg, die er den Zuschauern am Donnerstagabend bei dem Feierabendkonzert auf dem Markt präsentierte.

Auch wenn Anewal, der gebürtig aus dem Niger stammt, seine Lieder in der Berbersprache Tamascheq vorträgt, werden zentrale Elemente des friedlichen Miteinanders allein durch Gesten, die Klangfarbe seiner Stimme und die Instrumentierung deutlich.

Für eine teilweise Übersetzung ins Deutsche sorgte das Duo MeoNeo, welches Anewal mit traditionellen Trommeln, einem Bass und Rasseln musikalisch unterstützte.

Das Projekt „Auf ins Land“ ist gefördert von der Soziokultur NRW. „Im Rahmen des kulturellen Neustarts nach dem Lockdown in der Pandemie konnten sich dort verschiedene Künstler für eine Förderung bewerben“, erklärt Anewal. Bei dem Projekt gehe es um Integration und Diversität, daher passe sein Ansatz in das Konzept.

Kultureller Austausch habe auch hier in Lüdinghausen vor dem Konzert stattgefunden, denn Anewal hat die Blaudruckerei besucht. Für die Tuareg spielt die Farbe Blau eine große Rolle, da die Männer einen indigogefärbten Turban tragen, sofern sie das Erwachsenenalter erreichen. „Bei diesem Initiationsritus wird dem jungen Mann der Turban von den weisen Stammesältesten gewickelt. Mit jeder Bahn sind die schlechten Gedanken in dem Kopf eingeschlossen. Mund und Nase bleiben ebenso verhüllt. Das alles ist nicht nur ein Schutz gegen Sonne und Sand in der Sahara, sondern auch ein Zeichen des Respekts“, erklärt Anewal. Respekt gegenüber der Natur, den Menschen und Tieren spiele in der Kultur der Tuareg eine zentrale Rolle. Diese in die Moderne zu transportieren und nicht romantisch verklärt zu bewahren, sieht er als seinen Auftrag an. Denn besonders in den vergangenen Jahrzehnten habe sich sehr viel in seiner Heimatregion verändert.

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