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„Promis“ erzählen, wie sie den 11. September 2001 erlebt haben

Als die Normalität zusammenbrach

Lengerich/Lienen/Tecklenburg

Die Flugzeuge, die in das Word Trade Center rasen, die einstürzenden Türme, die riesigen Staubwolken – ein neuer Inbegriff von Terror war dieser 11. September 2001. Das ist nun genau 20 Jahre her. Wie erlebten prominente Vertreter aus der Region diesen besonderen Tag. Wir fragten nach.

Von Peter Sauer

Die Bilder von den Terroranschlägen auf die Twin Towers in New York haben sich bei vielen Menschen tief ins Gedächtnis eingegraben. Foto: dpa/WN/Michael Baar

Dieser Tag hat sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt: Vor 20 Jahren erschütterten die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington die Welt. Bei den Anschlägen verloren fast 3000 Menschen ihr Leben. Welche Erinnerungen haben hiesige Vertreter aus Politik und Gesellschaft an den 11. September 2001. Wir fragten nach.

Frank Lammert Foto: dpa

Lengerichs Beigeordneter Frank Lammert erinnert sich noch gut. Damals arbeitete er noch in Erfurt. „Es war ein normaler Dienstag. Meine damals 13-monatige Tochter Elena hatte einen gebrochenen Arm, meine Frau war mit Tochter Viktoria im fünften Monat schwanger. Gegen 17 Uhr, als ich vom Dienst nach Hause gehen wollte, kamen Kollegen auf mich zu und fragten mich, ob ich schon von den abgestürzten Flugzeugen in New York gehört hätte. Ich konnte das nicht einordnen. Kümmerte mich erst um meine Tochter und schaute dann Fernsehen und war entsetzt.“

Angst und Entsetzen in Havanna

Tecklenburgs Bürgermeister Stefan Streit weilte am 11. September 2001 in Havanna, machte Urlaub auf Kuba. Der damalige Standesbeamte sah die schlimmen Fernsehbilder bei Verwandten, die er zuvor in Lienen getraut hatte als auch im Hotel. „Die kubanische Republik gilt nicht gerade als Freund der USA. Ich hatte große Bedenken, ob ich wieder mit dem Flugzeug nach Hause komme.“

Aber die Solidarität mit den Terroropfern war überraschenderweise auch beim „Klassenfeind“ Kuba sehr groß. „Die tiefe Anteilnahme hat mich sehr gerührt. Auch die Republik schickte Ärzte nach New York. Das zeigte eine gemeinsame Welt mit westlicher Werteorientierung.“

Tecklenburgs Bürgermeister Stefan Streit Foto: Michael Baar

Die Terroranschläge haben Stefan Streit „tief geschockt“. „Das war alles sehr bedrückend, wie das Leben sich so gravierend ändern kann – von einem Moment auf den anderen.“ Mit mulmigem Gefühl bestieg Stefan Streit den Flieger von Kuba nach Hause. „Wir flogen ja auch am amerikanischen Luftraum vorbei.“ Aber der Flug klappte reibungslos.

Ladbergens Bürgermeister Torsten Buller Foto: privat

Auch Torsten Buller, Bürgermeister von Ladbergen, erinnert sich noch gut an den 11. September 2001: „Da hatten wir eigentlich von meiner Badmintongruppe eine Fahrradtour nach Lienen geplant.“ Die schrecklichen TV-Bilder veränderten alles. „Furchtbar das Ganze.“ André Ost, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, hatte vor 20 Jahren in seiner ersten Pfarrstelle in Ennepetal nachmittags Konfirmandenunterricht: „Ich hatte da noch nichts von den Anschlägen mitbekommen. Erst zu Hause im Radio und Fernsehen. Der 11. September ist für unsere Generation ein bleibendes Ereignis wie 1986 Tschernobyl und 1989 der Mauerfall.“

Nirgends Musik im Radio

Regina Storck, Leiterin des Jugendzentrums Ladbergen, war am Tag der Terroranschläge mit Sozialarbeiterkollegen in Holland: „Für unseren jährlichen Segeltörn, den wir immer mit Besuchern aus dem Jugendzentrum Ladbergen machen, schauten wir uns am Ijsselmeer ein Segelschiff an. Als wir zurückfuhren, wunderten wir uns, dass wir im Radio keine Musik hörten. Zu Hause saß dann die Familie still vor dem Fernseher. Keiner fragte mich, wie es war, was sonst immer der Fall ist. Richtig verstanden habe ich es mit den Terroranschlägen erst am nächsten Tag.“

11.9.2001 Foto: dpa

Nach dem 11. September 2001 folgte weltweit eine beispiellose Anti-Terror-Politik. Wie bewerten vor diesem Hintergrund die Vertreter aus Politik und Gesellschaft die aktuelle Situation in Afghanistan?

Für Frank Lammert aus Lengerich ist die Lage in Afghanistan wie vor den Anschlägen: „Ich finde es schade, wie abrupt man das Projekt Afghanistan beendet hat. Jetzt scheint es so zu sein, als ob man Afghanistan sich wieder selbst überlässt. Das ist gefährlich.“

Tecklenburgs Bürgermeister Stefan Streit fand die Bekämpfung des Terrornetzwerkes Al-Qaida „die richtige Konsequenz“, weil das afghanische Taliban-Regime nichts unternommen hatte.

Afghanistan kommt nicht zur Ruhe

Torsten Buller, Bürgermeister von Ladbergen, bringt die damalige und heutige Situation in dem nicht zu Ruhe kommenden Land auf den Punkt: „Es tut mir sehr leid für die Menschen, die da leiden müssen.“

Superintendent Ost findet, dass die Antiterror-Bekämpfung nach dem 11. September vom Ergebnis her nicht das gebracht habe, was angestrebt wurde: „Afghanistan wurde nicht befriedet.“

Regina Storck, Leiterin des Jugendzentrums Ladbergen, erwartet, dass bald wieder afghanische Kinder und Jugendliche zu ihr ins Jugendzentrum kommen werden, wie das schon vor einigen Jahren der Fall war. Vielleicht sind einige von ihnen dann auch bei der nächsten Niederlande-Fahrt dabei. „Soweit es Corona zulässt, und wir hoffen sehr, wird es 2022 wieder einen Segeltörn auf dem Ijsselmeer geben.“

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