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Kulturwerkstatt: Auftakt der neuen Reihe „Literatur für Liebhaber“

Auf der Achterbahn des Lebens

Altenberge

Gelungener Auftakt in der Reihe „Literatur für Liebhaber“: Marion und Markus von Hagen rezitierten Joachim Ringelnatz.

-nix-

Markus von Hagen und seine Frau Marion vermittelten eindrucksvoll ein Bild des vielschichtigen Dichters Joachim Ringelnatz.

Unter dem Namen Hans Gustav Bötticher dürfte ihn kaum jemand kennen. Der Mann mit dem bunt schillernden Charakter, den denkwürdigen Reimen, der unsteten Lebensweise und dem besonderen Talent für Vortragskunst ist in der Literaturgeschichte unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz ein Begriff.

Kulturwerkstatt

Ihn widmete sich das Künstlerehepaar Marion und Markus von Hagen am Sonntag in der Kulturwerkstatt Altenberge. Mit einer neuen Reihe unter dem Namen „Literatur für Liebhaber“ startete dort das Jahresprogramm. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten einen kurzweiligen und informativen Vortrag über Ringelnatz, gut gewürzt mit Beispielen aus seinem lyrischen Schaffen.

Es gibt wenige Berufe, die der 1883 in Wurzen bei Leipzig geborene Schriftsteller, Kabarettist und Maler Joachim Ringelnatz nicht ausprobiert hätte. Er wechselte seinen Namen gern und war auch als Pinko Meyer, Fritz Dörry oder Gustav Hester unterwegs. Trotz zum Teil großer Erfolge stand es finanziell nie wirklich gut um ihn. Zu seinen erfolgreichsten Gedichtsammlungen zählt „Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid“. Die karikaturistische Kunstfigur von Daddeldu als Seemann ist eines der Indizien dafür, dass es Ringelnatz besonders die Seefahrt angetan hatte. Dementsprechend begann er seine bürgerliche Karriere als Schiffsjunge.

Gedichte

Nach einem achterbahngleichen Leben wurden Werke des Autoren, der sich selbst als unpolitisch bezeichnete, von den Nationalsozialisten verbrannt. Ein Auftrittsverbot wurde verhängt und der Lyriker sowie seine Frau Leonharda, liebevoll „Muschelkalk“ genannt, verarmten rasch endgültig. Ringelnatz starb 1934 an Tuberkulose.

Mobbingopfer

Leicht hatte es Ringelnatz nicht. Als Schüler mit markanter Physiognomie wurde er zum Mobbingopfer, genauso wie später als Schiffsjunge. Er entwickelt eine besondere Art von Humor, die schräg, skurril und manchmal geradezu morbid und anarchisch genannt werden darf. Einfach nur lustig ist hingegen einer seiner Reklameverse: „Hast du einmal viel Leid und Kreuz, dann trinke Geldermann und Deutz, und ist dir wieder besser dann, dann trinke Deutz und Geldermann.“ Diesen Werbespruch verfasste er 1909 für eine Sektfirma. Schon als kleiner Junge wurde er mit dem „Virus des Wortes“ infiziert, wie von Hagen es nannte. Ringelnatz Vater war ein Musterzeichner, aber auch Autor von humoristischen Versen und Kinderbüchern. Ihm wollte der Sohn nacheifern. Weitere Beispiele seiner Schriften: „Der ehrliche Seemann“, „Der Flieger“, „Der Untergang der Jeanette“, „Reisebriefe eines Artisten“, Kinder-Verwirr-Buch oder die bekannten „Turngedichte“ mit stark satirischer Ausrichtung.

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