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Familienbündnis: Flüchtlingsberatung mit Juliane Schulz

Den Alltag meistern

Altenberge

Seit zwei Jahren berät Juliane Schulz vom Verein „Lernen Fördern“ Geflüchtete.

Martin Schildwächter

Juliane Schulz bietet seit zwei Jahren eine Sprechstunde an – derzeit allerdings nur nach telefonischer Anmeldung. Foto: mas

Juliane Schulz arbeitet seit vielen Jahren in der Flüchtlingsberatung und ihr macht es Sorgen, wie sich die Lage in den vergangenen Jahren verändert hat: Von einer „Willkommenskultur“ könne kaum noch gesprochen werden. Vielmehr habe ihrer Ansicht nach die „Verschärfung des Asylrechts zu einer Abschottungspolitik“ geführt. Schulz: „Das ist schon erschreckend.“

Wie Geflüchtete mit ihrer Situation in Deutschland zurecht kommen, damit beschäftigt sich Juliane Schulz tagtäglich. Sie arbeit in der regionalen Flüchtlingsberatungsstelle beim Verein „Lernen fördern“, die es seit 2016 gibt, und vom Land NRW finanziert wird. Zu ihrem Einzugsbereich gehört auch Altenberge.

Seit März 2019 gibt es auf Wunsch einiger Ehrenamtlicher auch eine Sprechstunde unter dem Dach des Familienbündnisses vor Ort – derzeit aufgrund der Corona-Pandemie nur nach Terminabsprache. „Das Angebot richtet sich an Asylantragsteller und Ehrenamtliche“, sagt Juliane Schulz.

Juristische Hürden

Sie begleitet Geflüchtete während des gesamten Asylverfahrens. „Das ist für die Betroffenen eine große Belastung“, sagt Schulz. Oftmals getrennt von der Familie, versuchen die Flüchtlinge in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Doch der Weg dahin ist nicht einfach. Die juristischen Hürden sind hoch und manchmal vergehen Jahre, bis über einen Asylantrag entschieden wird, stellt Juliane Schulz immer wieder fest. Viele Geflüchtete seien „erst hier psychisch krank geworden“, so Schulz. „Sie verstehen das Verfahren oder die Schreiben der Anwälte nicht.“ Dann muss Juliane Schulz Aufklärungsarbeit leisten.

Existenz

Sie unterstützt auch die Geflüchteten, wenn es um die Themen Sprachförderung, Beschäftigung und Ausbildung geht. Schulz: „Sie schaffen in kürzester Zeit sehr viel und versuchen, den Alltag zu meistern“. Sie lernen die deutsche Sprache und „bemühen sich, hier eine Existenz aufzubauen“. Dass es in Altenberge eine große Unterstützergruppe gibt, freute die Mitarbeiterin von „Lernen fördern“ besonders. „Man weiß sofort, wen man ansprechen muss. Hier sind die Menschen gut aufgehoben.“

Praktika

Juliane Schulz hat mittlerweile auch einen guten Draht zu Arbeitgebern vor Ort. Ob Praktika oder Ausbildungsstellen – das Interesse von Firmen vor Ort ist da, auch junge Geflüchtete einzustellen, sagt Schulz. „Ich vermittele und begleite sie auch.“ Das wissen die Arbeitgeber auch zu schätzen, so Schulz. Manchmal besucht die Beraterin Schulz auch die Flüchtlinge zu Hause. Aufgrund der Corona-Lage habe sie nur wenige Kontakte. Wenn es dann doch zu einem persönlichen Treffen kommt, „freuen sich alle darauf“, sagt Schulz. „Die Geflüchteten möchten auch über ihre Situation sprechen.“ Denn die Fluchtgründe tragen die Menschen immer mit sich, hat Schulz festgestellt. „Ich höre Geschichten, die machen mich fassungslos.“

Juliane Schulz von „Lernen fördern“ berät Asylantragstellerinnen und Asylantragsteller sowie Ehrenamtliche. Aufgrund der Corona-Pandemie erfolgt die Beratung nur nach Terminvereinbarung unter Telefon 0 25 51/9 37 23 30 oder per E-Mail an schulz@lernenfoerdern.de.

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