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Essmann‘s Backstube expandiert – Corona zum Trotz

Die Kirsche auf dem Kuchen

Altenberge

Essmann´s Backstube hat sich in die gute Stube von Münster vorgearbeitet: Vor Kurzem übernahm das Altenberger Unternehmen die Filiale der Bäckerei Pohlmeyer an der Rothenburg.

Axel Roll

Das Gesamtpaket aus bester handwerklicher Qualität, moderner Präsentation und motivierten Mitarbeitern

Wer kann zu so einem Sahnetörtchen schon nein sagen? Die Lage ist 1a an Münsters verlängerter guter Stube, dem Prinzipalmarkt. Und die Nachfolge eines alten münsterischen Traditionsbäckers anzutreten, ist aus unternehmerischer Sicht die Kirsche auf dem Kuchen, also mit ein Garant, an dieser Stelle nicht irgendwann einmal die sprichwörtlichen kleinen Brötchen backen zu müssen. Darum überlegte Matthias Essmann auch nicht lange, als ihm in einem Telefonat die Filiale der Bäckerei Pohlmeyer an der Rothenburg quasi auf dem Silbertablett serviert wurde. „Expansion nicht um jeden Preis ist unsere Devise. Aber so ein Objekt darf man sich nicht entgehen lassen“, sagt der Firmeninhaber und Geschäftsführer von Essmann‘s Backstube, deren unternehmerisches Herz schon seit vielen Jahren in Altenberge an der Siemensstraße klopft.

Silbertablett

Der Erfolg der ersten Tage nach der Neueröffnung gibt dem Firmeninhaber offensichtlich recht. Dabei stehen die nigelnagelneuen Tische und Stühle derzeit nur zum Abstauben im Café. Corona lässt grüßen.

„Wir gucken schon sehr genau hin“, erläutert Klaus Stenneken aus der Geschäftsführung, wie heute Entscheidungen für oder gegen eine neue Filial-Rosine im Essmann-Kuchen gefällt werden. Lage, wenn es nicht der münsterische Prinzipalmarkt ist, gerne an viel befahrenen Ausfallstraßen oder in gut geführten Supermärkten, ist eines der wichtigsten Kriterien. Aber auch die Größe des Ladenlokals. Matthias Essmann: „Wir haben mittlerweile Geschäfte mit bis zu 300 Quadratmetern.“ Die Zeiten, in denen eine Theke, Kasse und Brötchenofen reichten, sind lange vorbei. „Der Gast erwartet einfach ein gewisses Angebot“, so Klaus Stenneken. Der Geschäftsführer sagt bewusst Gast und nicht mehr Kunde. Für die Essmänner Ausdruck höherer Wertschätzung.

Matthias Essmann

Von A wie Ahaus bis W wie Warendorf reicht das Finalnetz, das auf 68 Verkaufsstellen gewachsen ist. Erst gerade sind neben Pohlmeyer in Münster in Selm und Borken neue Standorte eröffnet worden. Matthias Essmann schlägt um die Backstube in Altenberge einen 60-Kilometer-Radius. Weiter nicht. Sonst werde die Logistik-Kette zu fragil und die eigenen hohen Qualitätsansprüche fallen vor dem Kunden, pardon, Gast, zusammen wie ein schlecht gemachter Hefeteig. „Qualität ist nicht nur das oberste Ziel, sondern die einzige Chance, langfristig zu existieren“, weiß Klaus Stenneken. Der Markt sei brutal. „Ende 2019 gab es noch 10 500 Bäckereifilialen in Deutschland. Das waren schon mal 55 000“, so Matthias Essmann. Jedes Jahr werde bei 500 bis 600 Verkaufsstellen der Schlüssel zum letzten Mal rumgedreht. „Die Branche geht davon aus, dass es bis 2030 nur noch 8500 Betriebe schaffen.“ Und da will Essmann‘s Backstube auf jeden Fall dazugehören.

68 Verkaufsstellen

Zum Qualitätsrezept zählt – natürlich – das Personal. „Die Kunst ist nicht nur, gute Leute zu bekommen, sondern sie auch zu halten“, betont Klaus Stenneken. Darum gibt es bei Essmann keine befristeten Arbeitsverträge mehr. „Die Kollegen sollen sich bei uns wohlfühlen“, umschreibt Marketing-Managerin Catherine Reich ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Angefangen vom Willkommenspaket, das jeder neue Mitarbeiter erhält, über einen Paten, den er bei der Einarbeitung an die Seite gestellt bekommt bis hin zur eigenen Firmenakademie, in der Aus- und Fortbildung betrieben wird.

Nachhaltigkeit

Die Essmänner können nur vermuten, woran es liegt. Aber Corona hat den Trend in Richtung Bio-Backwaren mächtig angeheizt. „Die Menschen leben bewusster“, glaubt Matthias Essmann. Und legten darum Wert auf Nachhaltigkeit und Qualität. Ein Grund, warum die Erdbeeren für die Törtchen und die Milch für die Sahne – um nur zwei Beispiele zu nennen – aus der Nachbarschaft kommen. Auf solche Veränderungen schnell zu reagieren, ist nach Ansicht des Firmenchefs mit der beste Schutz davor, die eingangs zitierten kleinen Brötchen backen zu müssen.

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