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Faust-Abend im Karl-Leisner-Haus

Eine zeitentrückte Illusion aus Film und Improvisation

Altenberge

So könnte es tatsächlich gewesen sein – in einer warmen Sommernacht im wilden Berlin der 1920er Jahre. Gewiss nicht in einem katholischen Gemeindesaal, sondern eher in einem Kino, aber die untermalende, musikalische Begleitung auf einem Flügel passt. Marco Schomacher und Max Dreckmann haben mit einer anregenden Mixtur aus Film, freier Improvisation am Flügel und kulturhistorischen Erläuterungen eine ganz eigene, zeitentrückte Illusion geschaffen.

Von Claudia Mertins

Marco Schomacher und Max Dreckmann (r.) gestalteten den Faust-Abend im Karl-Leisner-Haus. Foto: Claudia Mertins

So könnte es tatsächlich gewesen sein – in einer warmen Sommernacht im wilden Berlin der 1920er Jahre. Gewiss nicht in einem katholischen Gemeindesaal, sondern eher in einem Kino, aber die untermalende, musikalische Begleitung auf einem Flügel passt. Marco Schomacher und Max Dreckmann haben mit einer anregenden Mixtur aus Film, freier Improvisation am Flügel und kulturhistorischen Erläuterungen eine ganz eigene, zeitentrückte Illusion geschaffen.

Kernstück der Veranstaltung im Altenberger Karl-Leisner-Haus war der Stummfilm „Faust – eine deutsche Volkssage“ von F. W. Murnau. Der Moderator, Theologe, Philosoph und Film-Liebhaber Max Dreckmann erläuterte die kulturhistorischen Hintergründe dieser revolutionären Produktion der Babelsberger Studios Sie zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen des deutschen Filmes aus der ersten Hochphase des Stummfilmes. Regisseur F. W. Murnau hatte in Berlin Kunstgeschichte studiert und wurde stark durch den aufkommenden Expressionismus beeinflusst. Der spätere Oskar-Gewinner erschuf nicht nur einen Film von enormer künstlerischer Bedeutung, sondern entwickelte viele neue Aufnahmetechniken, wie zum Beispiel die „schwebende Kamera“ oder Mehrfachbelichtungen. „Das war absolutes Hightech“, so Dreckmann und eine Bildsprache, die auch das heutige, animationsgewohnte Auge noch beeindruckt. Die Faszination ist natürlich auch durch die grandiosen schauspielerischen Leistungen der Darsteller Emil Jannings (Mephisto) und Gösta Ekman (Faust) entstanden.

Inhaltlich ist der Film eine Mischung verschiedener Erzählungen des Urstoffes, der den Pakt zwischen Faust und Teufel thematisiert, beziehungsweise die Wahl des Menschen zwischen Gut und Böse.

Kirchenmusiker Schomacher improvisierte seinen Vortrag auf dem Flügel ebenso locker wie professionell zu den Filmszenen. Das war für die Zuhörer eine helle Freude. Und da hat sich das ganze Können des Musikers gezeigt, dem es gelang, sein Faible fürs Improvisieren voll auszuspielen und eine mitreißende „musikalische Filmerzählung“ (Dreckmann) ab zuliefern.

Die Idee zu der Veranstaltung, deren Spendenerlös der Renovierung und Erweiterung der Orgel in St. Johannes Baptist zu Gute kommt, hatte Marco Schomacher.

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