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Unternehmen Wecon geht für die Nachwuchswerbung weite Wege

Kollegen aus Kamerun

Altenberge

Um an den notwendigen Nachwuchs zu kommen, geht der Altenberger Lkw-Aufbauten-Experte Wecon weite Wege: Seit sechs Jahren wirbt er in Kamerun um neue Auszubildende. Der Erfolg gibt Wecon Recht.

Hendrik Hemker ist froh, dass er auf seine Mitarbeiter aus Afrika setzen kann. Freddy Agossou ist ein ausgezeichneter Schweißer. Foto: Axel Roll

Freddy Agossou fühlt sich wohl in Altenberge. „Ein bisschen ruhig vielleicht“, lacht der Metallarbeiter. In seinem Heimatland Benin an der westafrikanischen Küste ist er das Großstadtleben gewohnt. Zurück möchte der Metallfacharbeiter aber nicht. „Ich habe hier eine Arbeit, die Spaß macht“, erzählt Agossou. Schweißen, das liegt ihm besonders. Gerade brät er mit Hingabe Laufwagen für die Deutsche Bahn zusammen. „Das können aber auch die großen Auflieger-Rahmen sein“, betont Hendrik Hemker, geschäftsführender Gesellschafter der Wecon GmbH. Freddy Agossou ist nicht der einzige Mitarbeiter aus Westafrika hier am Kümperhoek 1. Seit 2016 haben 25 Bewerber meist aus Kamerun an den Wecon-Standorten in Altenberge und Ascheberg erst eine Ausbildung absolviert und danach einen festen Job bekommen. „Ohne diese Unterstützung würde ich bedeutend schlechter schlafen“, betont Hendrik Hemker. Denn: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, Nachwuchs ist hier vor Ort kaum noch zu bekommen.“

Die Kontakte nach Kamerun sind mehr oder weniger durch Zufall zustande gekommen. Dort suchte vor sechs Jahren eine Schule Ausbildungsstellen für seine Absolventen im Ausland. Und die Hemkers wagten das Abenteuer, wussten damals aber noch nicht, welche bürokratischen Hindernisse sie beiseite räumen mussten, ehe sie ihren ersten Azubi im Betrieb begrüßen konnten. „An dem Aufwand hat sich über die Jahre wenig geändert“, bedauert Hendrik Hemker. Rund ein halbes Jahr vergeht, bis ein Verfahren, bei dem unter anderem die Botschaft von Kamerun beteiligt ist, abgeschlossen ist.

Die Schule im Kamerun trifft für Wecon eine Vorauswahl der Bewerber. „Und dann führen wir ein Bewerbungsgespräch per Videokonferenz“, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter. Der immense Aufwand, der danach folgt, wird von seiner Assistentin neben dem normalen Geschäft erledigt. Der Erfolg gibt ihm aber Recht: „Die Abbrecherquote liegt bei null, die Übernahmequote bei 100 Prozent.“

Das liegt unter anderem daran, dass die Kameruner mit guten Deutschkenntnissen und einer entsprechenden Vorbildung antreten. Hendrik Hemker: „Bei vielen deutschen Azubis fangen wir hingegen oft bei null an.“ Die Integration im Betrieb mache keine Schwierigkeiten. Was man bei der Suche nach einer Wohnung für die neuen Kollegen nicht gerade sagen kann. „Beim augenblicklichen Wohnungsmarkt ist das eine Katastrophe“, so de r Wecon-Geschäftsführer.

Er ist sich darüber im Klaren, dass sich dieses Modell der Nachwuchswerbung nicht auf jeden Betrieb übertragen lässt. „Für einen Lehrling lohnt sich der Aufwand nicht.“ Wer aber fünf bis zehn pro Jahr benötige, der sollte seiner Einschätzung nach mal einen Gedanken daran verschwenden. In Altenberge gibt es erste Unternehmer, die sich eine Kooperation mit anderen Firmen vorstellen könnten.

Auch wenn sich der Spezialist für Lkw-Aufbauten mit dem Engagement in Kamerun ganz gut aus der Affäre gezogen hat, „läuft hier in Deutschland einiges schief“, ist Hendrik Hemker überzeugt. Die Geschäftsführung hat das an höheren Stellen in Berlin und Köln kundgetan. Sie will aber nicht warten, bis sich dort was tut. Das Unternehmen setzt inzwischen auf ein zweites Pferd. Hendrik Hemker: „Wir strecken inzwischen unsere Fühler nach Marokko aus.“

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