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Liliya Latzko

Von Dieter und Heino gab‘s ein Ja

Altenberge

Liliya Latzko hat viele Talente. Mit dem einen verdient sie ihren Lebensunterhalt, mit einem anderen landete sie schon einmal vor dem Pop-Titanen.

Von Axel Roll

Liliya Latzko hat viele Talente. Heute betreibt sie in Altenberge ein Modeatelier. In ihrer Heimat Charkiw modelte sie als junge Frau. Und zwischendurch malt sie oder macht Musik. Einmal schon bei DSDS. Foto: Axel Roll

Der Pop-Titan höchstpersönlich hat für Liliya Latzko den Daumen gehoben, und mit ihm Heino und die anderen beiden Mitglieder der Deutschland-sucht-den-Superstar-Jury. Dieter Bohlen fand, dass die damals 34-Jährige „1000 Titel singen kann, die Heino alle gut finden würde“. Für die große Gesangskarriere hat es trotzdem nicht gereicht. In DSDS-Runde drei war Schluss für die gebürtige Ukrainerin. „Da hat die Jury aus 100 Bewerbern 30 ausgesucht“, erinnert sich Liliya Latzko. Sieben Jahre ist das jetzt her. Mittlerweile wohnt die 42 Jahre alte Mutter von zwei Kindern mit Ehemann Martin in Altenberge. Sie kam aus Marburg ins Hügeldorf. Wenn es die Zeit zulässt, singt sie immer noch. Meist sitzt sie aber in ihrem Modeatelier an der Nordwalder Straße und näht. Am liebsten Brautkleider. Außer dem Nähen und dem Singen hat die Schneidermeisterin noch einige kreative Talente mehr. . .

Groß geworden ist Liliya Latzko in Charkiw, der ukrainischen Millionen-Metropole, die immer wieder Ziel von russischen Bombenangriffen ist. „In der vergangenen Woche wurde der Konzertsaal zerstört, in dem ich damals häufig mit meiner Band aufgetreten bin“, ist die Ukrainerin immer wieder fassungslos, wenn sie die Nachrichten über den Krieg in ihrem Heimatland verfolgt. Seit April sind ihre Eltern bei ihr. „Bei uns in der Nachbarschaft Bomben eingeschlagen.“ Da haben ihre Eltern die Wohnung im Zentrum der Stadt abgeschlossen und sind nach Altenberge gekommen.

Liliya Latzko ist schon seit 2000 in Deutschland. Eigentlich wollte sie in ihrer Heimat Malerei studieren. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass man damit kein Geld verdienen kann.“ Also wurde sie Textiltechnikerin. Und ging nach ihrer Ausbildung in den Westen – auf Anraten ihrer Eltern.

„Anfänglich war das total schwer für mich“, erzählt die 42-Jährige. Sie sprach kein Wort Deutsch, ging zur Volkshochschule, um die fremde Sprache zu lernen. Ihr Akzent ist heute immer noch unverkennbar osteuropäisch. Sonst aber perfekt. Nach vier Kursen konnte Liliya Latzko an Ausbildung denken. Sie machte eine Schneiderlehre, musste wieder ganz unten anfangen. Einmal drin im Flow, kam der Meister sofort hinterher. „Alle Fächer mit der Note eins“, lacht die Wahl-Altenbergerin.

Von Marburg nach Altenberge kam sie durch ihren Mann Martin, der als Banker in Münster arbeitet. „Für eine Familie ist der Ort perfekt“, findet die Mutter von zwei Töchtern. Ihre Stammkundschaft findet den Weg zu dem versteckt liegenden Häuschen ohne Probleme. Die Hoch-Saison für Hochzeiten ist fast zu Ende. „Das ist immer ziemlich stressig“, erzählt die Schneidermeisterin.

Für die Malerei und das Singen bleibt jetzt kaum Zeit. Dabei ist Liliya leidenschaftliche Porträtmalerin in allen möglichen Techniken. Und beim Singen hat sie gerade mal so ganz nebenbei mit den „BillerBeats“ beim WDR den Preis „Beste Band im Westen“ abgeräumt. Und da wir gerade bei der Musik sind: Querflöte und Gitarre spielt die 42-Jährige auch noch. Vom Modeln als junge Frau – damals noch in Charkiw – will sie gar nicht mehr reden. „Das war nur so zum Spaß.“ Obwohl ihre Bilder indirekt dem Pop-Titanen Dieter Bohlen Recht geben. Der hatte die Ukrainerinnen bei Liliyas Auftritt als sehr hübsch gelobt: „Die sind oberstes Regal.“

Der Krieg in der Heimat, das Kümmern um die eigene Familie, da steht die Kreativität natürlich im Augenblick ganz hinten an. Allerdings manchmal kann Liliya Latzko das eine mit dem anderen verbinden. Sie singt in einem Projekt Lieder in ihrer Muttersprache über den schrecklichen Krieg. Und vor einigen Monaten stand sie mit dem Lied auf der Bühne, mit dem sie Dieter Bohlen überzeugte: „Sag mir, wo die Blumen sind“ von Marlene Dietrich. Sie sang es mit ihrer damaligen Band „1A“. Zwei Strophen auf Deutsch, zwei auf Ukrainisch. Spätestens da standen ihren Zuhörer die Tränen in den Augen.

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