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Bischof Genn leitet Festgottesdienst im Dezember

Von Barock hin zur Romantik: Orgel in St. Johannes Baptist wird erweitert

Altenberge

Die Handwerker haben gerade das Sagen in der Pfarrkirche. Die Orgel wird grundlegend saniert.

Von Rainer Nix

Marco Schomacher, Kirchenmusik von St. Johannes Baptist, zeigt, dass der größte Teil der Orgeltechnik zurzeit ausgebaut ist und bei der Firma Beckerath überholt wird Foto: nix

Die große Orgel der Katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist ist 50 Jahre alt. Zurzeit wird die Technik überholt.

„Unsere Orgel in der jetzigen Form stammt aus dem Jahr 1972“, erläutert Kirchenmusiker Marco Schomacher, „und wurde von der Firma ´Führer´ aus Wilhelmshaven errichtet.“ Eingearbeitet hat das Unternehmen Orgelpfeifen aus dem Jahr 1902. „Die Altenberger Pfarrkirche hat eine sehr lange Orgel-Geschichte“, sagt Schomacher, „seit dem 17. Jahrhundert lassen sich die Instrumente lückenlos nachweisen.“ So ist nachvollziehbar, welche Orgeln im Gotteshaus an welcher Stelle gestanden haben.

Die Generalüberholung betrifft Reinigungsmaßnahmen sowie Instandsetzung und -haltung der Technik, die zum Spielen notwendig ist. In den 70er Jahren war es bereits üblich, im Orgelbau Elektronik einzusetzen. Nicht zuletzt aus brandschutztechnischen Gründen ist es wichtig, jetzt bestimmte Komponenten auszutauschen. Besonderheit: Das Instrument wird zusätzlich klanglich erweitert.

Austausch

Die Gestaltung von Orgelinstrumenten unterliegt dem Musikgeschmack, der zur Entstehungszeit dominiert. Vor 50 Jahren wurden barocke Instrumente bevorzugt. „Das ist eine lange Periode im Deutschen Orgelbau“, so der Kirchenmusiker, die im Idealfall zur „neobarocken Orgel“ führte. Auch in Altenberge versuchte man, das umzusetzen. Allerdings beschränkte man sich damit auf eine Epoche, was sich besonders im liturgischen Bereich als schwierig erwies. „Heutzutage hat sich das Ideal gewandelt“, erklärt Schomacher. „Man schätzt auch wieder die Orgelmusik der Romantik-Epoche.“ Dafür standen dem Altenberger Instrument allerdings viele Klangfarben nicht zur Verfügung.“ Es gibt bei den Orgelpfeifen sogenannte streichende Register, die versuchen, eine Violine oder ein Cello nachzuahmen. Solche Register hat man in die 1972er Version nicht übernommen, möglicherweise weil diese Klangfarben damals als eher „kitschig“ empfunden wurden.

Pfeifen

„Die Idee ist, das Instrument wachsen zu lassen“, betont Schomacher. Das komplette Orgelpfeifenmaterial von 1902 und 1972 wird beibehalten sowie um neue Versionen ergänzt. Auf der Seitenempore entstehen zwei komplett neue „Orgelwerke“, wie Teile einer Pfeifenorgel genannt werden. Auf der Mittelempore bleibt alles erhalten. Das zweite Teilwerk, das gebaut wird, ist ein „Solowerk“. Dort sind drei Klangfarben untergebracht, die besondere Brillanz aufweisen und sich als solistische Stimmen gegen den Rest der Orgelklänge durchsetzen. „Mir konnte zusätzlich ein besonderer Wunsch erfüllt werden“, freut sich Schomacher. So gibt es einen zweiten, fahrbaren „Spieltisch“ mit Klaviatur, Registerzügen und Notenpult unten im Kirchenraum. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, dass er sich als Möbelstück harmonisch in das Gotteshaus einfügt.“ Über ein Glasfaser-Netzwerkkabel wird der Spieltisch mit der Orgel verbunden. Bei Konzerten kann man ihn vor den Altar schieben und die Zuhörer sehen auch, was der Musiker eigentlich macht. „Dadurch werden Konzerte noch attraktiver“, ist sich der Kirchenmusiker sicher.

450 000-Euro-Projekt

Ausführender ist das Hamburger Orgelbauunternehmen Rudolf von Beckerath, das alle Pfeifen komplett selbst fertigt. Der Einbau der Elemente und Orgelpfeifen ist für August geplant, es folgt eine lange Intonationsphase, in der jede Pfeife klanglich auf den Kirchenraum abgestimmt wird.

Bischof Genn

Am 10. Dezember dieses Jahres ist um 16 Uhr ein festlicher Gottesdienst zur Orgelweihe angesetzt, den der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, leitet. Es folgt eine Festwoche mit verschiedenen Highlights. Schon jetzt haben sich für 2023 zahlreiche international renommierte Organisten angesagt, um auf dem erweiterten Instrument zu spielen.

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