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Zum Tag des Ehrenamts in der Holzschuhmacher-Werkstatt des Heimatvereins

Vorzeigbarer Erfolg in Größe 42

Altenberge

Zum Tag des Ehrenamts treibt es WN-Redakteur in die Holzschuh-Werkstatt des Heimatvereins Altenberge. MIt durchaus vorzeigbarem Erfolg.

Mit vollem Körpereinsatz werden die Holzschuh-Rohlinge von mir in die Kopiermaschine eingespannt. Foto: Axel Roll

Der Werkstoff Holz und ich. Oft sind wir uns nicht über den Weg gelaufen. Das letzte Mal, da waren die Kinder noch klein. Papa sollte ein Vogelhäuschen für die Terrasse zimmern. Das hat er dann auch versucht. Die windschiefe Futterhütte war bei der gefiederten Nachbarschaft aber nicht sonderlich beliebt. Wahrscheinlich hatten die Meisen und Finken Angst, dass ihnen beim Mittagessen das Dach auf den Kopf fällt. . . Hier in der Holzschuhwerkstatt des Altenberger Heimatvereins hat der Nachmittag aber ein durchaus vorzeigbares Ende in Größe 42.

Der geduldigen Anleitung meiner beiden Lehrer sei dank. Eberhard Schneider und Helmut Weiß sind als ehrenamtliche Holzschuhmacher auch noch nicht so lange im Geschäft. Sie sind aber bei Profi Rainer Gausling in die Turbo-Lehre gegangen. Und können jetzt nicht nur aus einer Pappel-Baumscheibe in gut eineinhalb Stunden ein flottes Paar Holzpantinen basteln, sie erzählen dem interessierten Publikum auch so ganz nebenbei, wie der generalüberholte Maschinenpark funktioniert und warum das westfälische Schuhwerk heute nicht mehr so beliebt und der Beruf des Holzschuhmachers so gut wie ausgestorben ist.

„Da lass mal besser die Finger von“, rät mir Eberhard Schneider, der meine ehrfurchtsvoll-interessierten Blicke Richtung Bandsäge bemerkt hat. „Da gehen wir auch nicht ran“, verrät der Architekt im Ruhestand. Zu gefährlich. So übernimmt an der Eingangsstation der Holzschuhproduktion immer noch Rainer Gausling, der bekanntlich den Maschinenpark aus dem elterlichen Betrieb dem Heimatverein zur Verfügung gestellt hat, den Grobschnitt.

Kollege Helmut Weiß ist pensionierter Kriminalkommissar, in seiner Freizeit aber schon immer Holzwurm gewesen. Wie Eberhard kam er durch die hartnäckige Personalakquise des Heimatvereinsvorsitzenden Franz Müllenbeck in die Holzschuhmacherwerkstatt. Den Besuchern die alte Münsterländer Tradition näherbringen, das macht beiden an diesem ganz besonderen Ehrenamt am meisten Spaß. „Und die alten Maschinen hier“, grinst Eberhard Schneider. 70 Jahre alt, aber wieder tipptopp in Schuss. Die große Kopiermaschine verlangt gerade meinen vollen Einsatz. Die Rohlinge müssen eingespannt werden. Volles Rohr hänge ich mich an die halben Meter langen Hebel. Helmut Weiß nickt und legt den Schalter um. Die Späne fliegen, keine fünf Minuten vergehen, bis aus den eckigen Pappelklötzen zwei ansehnliche Schuhrohlinge geworden sind. Mein Einsatz ist erst wieder an der übernächsten Station gefragt. Die Schleifmaschine. Wie es der Name verrät, bekommen hier die Holzschuhe ihren letzten äußeren Schliff. Dabei erzählt Eberhard, was dem ehemals beliebten Arbeitsschuh den Garaus gemacht hat: „In den 70er Jahren wurden Holzschuhe auf Baustellen verboten.“ Das war für die meisten der 1500 Werkstätten im Münsterland der Todesstoß.

Umso wichtiger, dass es Freiwillige wie Eberhard Schneider und Helmut Weiß gibt, die ihre Freizeit in den Dienst des alten Handwerks stellen. „Obwohl wir noch weit davon entfernt sind, echte Meister zu sein“, betont Helmut. Gerade der letzte Schritt in der Holsken-Produktion ist echte Fummelarbeit: Die Riemen, die den Schuh am Fuß halten, müssen angenagelt werden. Da bin ich dann raus. Und Helmut Weiß drin. Beim zweiten Versuch sitzt alles perfekt.

Trotz des Kunstleders auf dem Spann ist das Laufen in den Holzlatschen für Sneaker verwöhnte Füße eine Tortur. Da bin ich aber nicht alleine. Eberhard Schneider beichtet: „Wenn ich hier weiter über den Hof laufe, tun mir immer noch die Füße weh.“

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