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Zentrenbetreiber sind mit den Neuregelungen sehr unzufrieden

Weniger Tests, mehr Aufwand

Altenberge/Nordwalde

Die Coronatests gegen Gebühr verärgern nicht nur die Kunden. Auch die Betreiber der Teststationen schimpfen. Sie haben mehr Aufwand und weniger Einnahmen.

Von Axel Roll

Agniezka Hizlitürk beobachtet derzeit eine deutlich gestiegene Testmüdigkeit. Verantwortlich sei die Einführung der Foto: Axel Roll

Agnieszka Hizlitürk hat seit der Eröffnung ihres Coronatestzentrums an der Münsterstraße schon eine Menge erlebt. „Erst vor wenigen Tagen habe ich kurz vor Mitternacht einen Mann getestet, der gerade Vater geworden war, aber ohne Test nicht ins Krankenhaus zu seiner Frau und dem Baby gekommen wäre.“ Die Kosmetikstudio-Betreiberin beobachtet gerade zum zweiten Mal in der Pandemie, dass die Zahl der Tests extrem stark zurückgeht. Grund sind die heiß diskutierten drei Euro, die seit knapp zwei Wochen ein normaler Schnelltest wenigstens kostet. „Das ist von der Bundesregierung wenig durchdacht“, sagt Agnieszka Hizlitürk – und spricht damit den anderen Betreibern von Teststellen in Altenberge und Nordwalde aus dem Herzen.

Rückgang

Birgit Stowasser hat radikale Konsequenzen gezogen. Sie hat mit der Kostenpflicht ihre Station an der Alten Molkerei unten am Bahnhof geschlossen. „Wir hatten einen immensen Rückgang. Die Resonanz war nicht mehr da.“ Zum Schluss seien noch vier oder fünf Personen am Tag zum Testen gekommen. „Damit lässt sich eine Station nicht kostendeckend betreiben.“ Birgit Stowasser ist aber im Standby: Ändern sich die Rahmenbedingungen, kann sie innerhalb kurzer Zeit wieder öffnen.

Anne Brömmler geht mit ihrer Drive-through-Station an der Münsterstraße einen anderen Weg: Nach einem Einbruch der Tests um 50 Prozent sei die Anlage im Augenblick ein Nullsummenspiel. Die Einnahmen seien zurückgegangen und der Aufwand habe sich auf der anderen Seite erhöht. Die Tests müssten aufwendig dokumentiert werden. Bescheinigungen müssten vorgelegt werden, wenn jemand nicht bezahlen müsse. Anne Brömmler: „Das alles verlängert die Testzeiten immens.“ Sie ärgert sich auch über die sich manchmal täglich ändernden Vorgaben. Um die Menschen bei der Stange zu halten, nimmt sie für die Selbstzahler durchgängig fünf statt 11,50 Euro. Sie hofft darauf, dass im Herbst die Politik die Rahmenbedingungen erneut ändert, also vereinfacht. Denn zwischen kostenfrei und Selbstzahler gibt es auch die verbilligten Tests für Personen, die zum Beispiel Großveranstaltungen in Innenräumen besuchen wollen. Die müssen drei Euro zahlen.

Mehraufwand

Die Ärzte Andreas Große Brinkhaus und Dr. Sebastian Keller, die in ihrer Praxis an der Billerbecker Straße Tests anbieten, schwimmen gegen den Strom. Wie Mitarbeiterin Diana Häring berichtet, ist seit der Einführung der Kostenpflicht die Zahl der Testungen nicht zurückgegangen. Aber auch sie bemängelt den erheblichen Mehraufwand bei der Dokumentation.

Großveranstaltungen

Rita Lensker betreibt mit ihrem Unternehmen PCM aus Stadtlohn die Teststation in Nordwalde an der Gildestraße. Sie schätzt den Rückgang der Tests seit der Einführung der Bezahlschranke auf 60 Prozent. „Anfänglich war die Unsicherheit sowohl bei uns als auch bei den Kunden sehr groß“, berichtet Rita Lensker. Das habe sich gegeben. Trotzdem seien die Tests nicht mehr geworden. Der Aufwand sei auch deswegen groß, weil viele Kunden zwar die Buchungs-App geladen hätten, aber keinen Bezahldienst dahinter gelegt hätten. „Darum müssen wir dann viele Vorgänge trotzdem händisch abwickeln.“ Sie sei von der Kommune gebeten worden, die Station auf jeden Fall weiterzuführen. „Das werden wir auch machen.“ Es bleibe nichts anderes übrig, als die Entwicklungen abzuwarten.

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