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Familie Falk aus Dülmen

Eltern spenden ihrem Sohn jeweils eine Niere

Dülmen

Auf den rechten Oberschenkel hat sich Lukas Falk „1971“ tätowieren lassen, auf den linken „1972“. Das sind die Geburtsjahre seines Vaters Andreas und seiner Mutter Katja. Der 21-Jährige will den beiden damit seine Dankbarkeit zeigen. Sie haben ihm nicht nur das Leben geschenkt. Sondern auch noch jeweils eine ihrer Nieren.

Von Stefan Werding

Auf den Oberschenkeln von Lukas Falk stehen die Geburtsdaten seiner Eltern. Der 21-Jährige hat ihnen viel zu verdanken. Foto: Stefan Werding

Auf den rechten Oberschenkel hat sich Lukas Falk „1971“ tätowieren lassen, auf den linken „1972“. Das sind die Geburtsjahre seines Vaters Andreas und seiner Mutter Katja. Der 21-Jährige will den beiden damit seine Dankbarkeit zeigen. Sie haben ihm nicht nur das Leben geschenkt. Sondern auch noch jeweils eine ihrer Nieren.

In Zeiten, in denen jedes Jahr allein in Deutschland 700 bis 800 Menschen sterben, weil sich für sie kein Organspender findet, haben die beiden Dülmener nicht eine Sekunde gezögert, ihrem Kind eine ihrer beiden Nieren zu schenken. Lukas war mit einem Harnleiterstau zur Welt gekommen. Ärzte stellten schon vor seiner Geburt fest, dass sich seine Nieren nicht richtig entwickelten. Bis zu seinem 6. Lebensjahr kam er zwar klar. Aber er musste jede Menge Medikamente schlucken, und Beutel außerhalb seines Körpers mussten seinen Urin auffangen. Nach seinem 4. Geburtstag wurde er zwar bei Eurotransplant gelistet. Doch eine Organspende gab es für ihn nicht. Als seine Blutwerte immer schlechter wurden, mussten die Eltern sich deshalb entscheiden zwischen Dialyse und Lebendspende.

Um ihrem Kind das Leben zu retten, hatten sie nie eine echte Wahl. Damals konnte nur der Vater sein Organ spenden. Er hat dieselbe Blutgruppe wie Lukas. Damals war das noch nötig, um eine Chance auf eine erfolgreiche Transplantation zu haben. Die OP verlief super, selbst die Urinbeutel waren nicht mehr nötig, weil die Blase nach sechs Jahren Nichtstun wieder arbeitete.

Mit 17 Jahren muss Lukas zur Dialyse

Doch elf Jahre später fing die Angst wieder an. Die Eiweißwerte stiegen, Lukas ging es schlagartig schlechter. Übelkeit war nur eines der Probleme. Die Versuche, seine Niere zu retten, hatten einen hohen Preis: starke Nebenwirkungen, bis der Notarzt ihn ins Krankenhaus brachte. Lukas war 17, musste zur Dialyse nach Essen. Seine Rettung: Inzwischen hatte sich in der Forschung so viel getan, dass Katja Falk ihr Organ spenden konnte. Die Blutgruppe war nicht mehr entscheidend.

Mit all dem Stress hatten sie es im Vergleich zu anderen Patienten, die ein neues Organ brauchen, noch leicht. „Wir haben Säuglinge gesehen, die warten, warten, warten, weil die Eltern nicht spenden konnten“, erzählt Andreas Falk. Oder die Familie mit drei Kindern, die wegen eines Gen-Defekts alle neue Nieren brauchten. Bei dem ersten Kind konnte der Vater spenden, bei dem zweiten die Mutter. Aber was ist mit dem dritten?

9000 Namen auf der Warteliste

„Wer nie in einer Dialyseklinik war, macht sich keine Vorstellung, wie viele betroffen sind“, sagt Andreas Falk. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt: „9000 Namen stehen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 9000 Menschen, die auf ein neues Leben warten – teils jahrelang, manchmal sogar vergeblich.“ 9000 – das sind so viele Menschen wie in Tecklenburg, Münster-Roxel oder Drensteinfurt leben.

Die Falks sind überrascht, wie wenig Ahnung die Menschen vom Organspenden haben. Dass viele von ihnen nicht wissen, dass gespendete Nieren nur etwa 15 Jahre halten. Sie hoffen, dass die Medizin ihre Lebensdauer weiter erhöhen kann und Lukas noch möglichst lange ein mehr oder weniger normales Leben führen kann.

Der ist in allem ein bisschen vorsichtiger, verzichtet auf Sportarten, bei denen er Tritte oder Schläge in den Bauch bekommen könnte. Der angehende Sport- und Fitnesskaufmann sagt: „Ich habe eigentlich gar keine Einschränkungen.“ Viel trinken, zwei Mal am Tag Tabletten und oft auf die Toilette, damit der Urin nicht auf die Niere drückt. Die drei Ts reichen, um ein mehr oder weniger normales Leben zu führen. Um das nicht zu vergessen, muss er nur auf seine Beine schauen.

Organspende

Im Jahr 2020 haben in Deutschland 913 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet. Das entspricht 11 Spendern pro eine Million Einwohner, meldet die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Damit liegen die Organspendezahlen trotz der Coronavirus-Pandemie in etwa auf dem Niveau von 2019 (932 Organspender; 11,2 Spender pro Million Einwohner). 2020 hat die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant 2941 in Deutschland entnommene Organe Patienten auf den Wartelisten zugewiesen. Das sind 54 weniger als 2019. Dazu zählten 1447 Nieren, 746 Lebern, 342 Lungen, 320 Herzen, 79 Bauchspeicheldrüsen sowie 7 Därme. Jeder der 913 Spender hat damit durchschnittlich mehr als drei schwer kranken Patienten die Chance auf ein neues Leben ermöglicht. Im Schnitt sterben jährlich zwischen 700 und 800 Patienten, die auf der Warteliste stehen. Die, die nicht auf der Warteliste stehen, weil es ihnen zu schlecht geht, sind da noch gar nicht mitgerechnet

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