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Land fördert digitales Lernen – Stadt sieht aber noch viele offene Fragen

2,7 Endgeräte pro Klasse

Reckenfeld

Die Digitalisierung der Schulen ist schwierig. Das zeigt auch die Lage an der Erich-Kästner-Grundschule.

Oliver Hengst

In Corona-Zeiten besonders wichtig: iPads oder Laptops in den Klassen. Für viele ist das selbstverständlich. Aber rund 20 Prozent der Schüler haben keinen Zugang zu solchen Geräten. Foto: dpa

In Saerbeck hat die Gemeinde jüngst eine dreistellige Zahl an iPads für die Schüler der MKG angeschafft. Was denn die Stadt Greven für ihre Schüler in dieser Hinsicht zu tun gedenke, wollte in der jüngsten Sitzung des Reckenfelder Bezirksausschusses ein Einwohner vom Bürgermeister wissen. Laut Peter Vennemeyer habe man mittlerweile alle Schulen mit Glasfaser ausgestattet. „Wir sind jetzt dabei inhaltlich nachzurüsten.“ Grundsätzlich setze man Zug um Zug den Medienentwicklungsplan um.

Vom Land habe man erfahren, dass die Stadt nun auch Laptops für die Lehrer anschaffen müsse. „Da streiten wir uns noch ein bisschen“, deutete Vennemeyer schwierige Gespräche mit dem Land über die Finanzierung an. „Ich finde das unmöglich“, machte er aus seiner Empörung keinen Hehl. Zumal überhaupt nicht geklärt sei, wer anschließend für die notwendige Wartung dieser Geräte aufkomme. „In meinen Augen macht sich das Land da einen schlanken Fuß.“ Hinzu komme das Problem, dass es aktuell am Markt kaum Geräte gebe.

Den Umstand, dass im Moment aufgrund der Personalsituation infolge der Corona-Krise Förderunterricht an der Erich-Kästner-Grundschule ausfalle (so schilderte es ein Vater) nannte Vennemeyer „total bedauerlich“, aber da sei die Stadt der falsche Ansprechpartner. „Die schwächsten bleiben auf der Strecke“, beklagte der Vater. „Da muss Frau Gebauer, die Schulministerin, anders reagieren und steuern“, argumentierte Vennemeyer. Für Schul-Personal sei nun mal das Land zuständig, die Stadt kümmere sich als Schulträger darum, Gebäude zur Verfügung zu stellen.

Die Ausstattung mit Digitalgeräten thematisierte auch die Fraktion Reckenfeld direkt, die die Einrichtung einer „digitalen Lerninsel“ im künftigen Bürgerhaus gefordert hatte. In diesem Zusammenhang verwies Fraktionschef Ernst Reiling auf Erkenntnisse, dass bis zu 600 Grevener Kindern und Jugendlichen nicht die digitalen Endgeräte oder die nötigen Internetanschlüsse zur Verfügung stünden, die nötig sind, um in Corona-Zeiten digitale Lernangebote nutzen zu können.

Vennemeyer dazu: „Das ist dramatisch. Es gibt aber bislang keine konkreten Lösungen, weder für Greven, noch für Reckenfeld.“ Man stehe noch am Anfang der Überlegungen, wie damit umzugehen sei. Das Land stelle Fördermittel bereit, mit denen Endgeräte beschafft werden können. Für Greven ergebe das rechnerisch 467 Geräte für Schüler. „Das hört sich erstmal viel an. Das sind rechnerisch 41 Endgeräte für die Erich-Kästner-Schule, also 2,7 Geräte pro Klasse. Das ist das, was das Land macht“, erläuterte der Bürgermeister. Einen konkreten Verteilungsplan gebe es noch nicht. Der werde mit der Bezirksregierung abgestimmt. „Ich begrüße das“, sagte Antragsteller Reiling. „Es gibt tatsächlich Arbeit und Überlegungen im Rathaus, das Problem ansatzweise zu bewältigen.“ Betroffen seien immerhin 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler. Die Wissenschaft gehe davon aus, dass ein Teil der Generationen auf Dauer verloren gehe. „Deswegen denke ich, dass im Bürgerhaus etwas angeboten werden muss.“ Dafür müsse man versuchen, Zuschüsse zu erstreiten, warb Reiling.

Vennemeyer teilt die Bedenken, dass ausgerechnet jene unter der Situation leiden, denen es ohnehin nicht gut gehe. Einer Hartz-IV-Familie zahle der Staat knapp drei Euro am Tag für Essen und Trinken. „Was kosten denn drei Eiskugeln? Was ist denn das für ein Verhältnis mittlerweile?“, fragte Vennemeyer. „Da hat Herr Reiling völlig Recht, da drängen wir Leute an den Rand der Gesellschaft, die da absolut nicht hingehören.“

Eine Lösung für die Probleme – im kleinen wie im großen – hatte niemand parat. Die Verwaltung sagte aber zu, bei der digitalen Ausstattung der Schulen am Ball zu bleiben und der Politik Bericht zu erstatten.

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