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Diskussion um Naturschutz und die Nutzung des Emsstrandes

„Akzeptanz für Naturschutz erhöhen“

Greven

Das Gebiet des renaturierten Emsbeaches zwischen den beiden Brücken und auch deren Nutzung ist ein gutes Mittel, die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Naturschutz zu erhöhen.

Peter Beckmann

Herbert Rehms kämpft für die Durchsetzung der Regeln im Naturschutzgebiet, fühlt sich aber allein gelassen. Foto: Peter Beckmann

Herbert Rehms weiß, wovon er spricht. Der Grevener ist Diplom-Biologe und Anlieger des Emsdeiches. Er hat die Diskussion um die Nutzung des Ems-Beaches und um das Geothermie-Projekt in der Emsaue verfolgt und schüttelt nur den Kopf. „Das sind Leuchtturmprojekte mitten in der Stadt, mit denen NABU und BUND sich in der Öffentlichkeit präsentieren wollen“, sagt er. Aber da, wo regelmäßig die Regeln des Naturschutzes gebrochen würden, sehe man die Naturschützer höchstens mal beim Schilder putzen.

Rehms ist regelmäßig auf dem Emsdeich unterwegs und beobachtet vor allem Hundebesitzer, die sich nicht an die Regeln halten. „Das Gebiet nördliche der Emsbrücke ist inzwischen ein großes Hundeklo, Feldhühner und Kiebitze, für die dieses Gebiet eigentlich ideal wäre, gibt es hier schon lange nicht mehr.“ Täglich beobachte er Hundehalter, die ihre Hunde von der Leine lassen, sogar Frisbee in dem Naturschutzgebiet spielen. „Die Tiere in dem Gebiet finden deshalb keine Ruhe, Bodenbrüter gibt es so gut wie keine mehr.“

Das Problem sei dabei nicht der Einzelne, der die Wege verlässt oder seinen Hund laufen lässt. „Das Problem sind die Massen.“

Rehms spricht die Hundebesitzer regelmäßig darauf an. „Manche werden da richtig aggressiv und drohen mir Schläge an“, so seine Erfahrung. Auch habe er schon Menschen beobachtet, die über dem Gebiet lange eine Drohne oder Modellflugzeuge kreisen ließen. „Einmal sind deswegen sogar Kühe auf einer Weide aufgescheucht worden, die sind ausgebrochen und rannten frei im Gebiet herum.“

Aber: Weder das Ordnungsamt der Stadt, noch der Naturschutz kümmere sich darum. „Aber wenn ich den Naturschutz ernst nehme, muss ich die Regeln auch durchsetzen“, sagt Rehms.

Das müsse nicht nur mitten in der Stadt passieren, um möglichst viel PR für BUND und NABU machen zu können. „Es ist für die Natur völlig unproblematisch, wenn in dem kleinen Abschnitt zwischen den Brücken die Menschen die Natur genießen und auch Veranstaltungen stattfinden“, so seine Einschätzung. Wichtig sei, dass man dafür sorge, dass auf der anderen Seite der Ems Ruhe herrsche.

„Für ein FFH-Gebiet entlang der Ems ist es wichtig, dass Lebensräume verbunden bleiben. Aber das muss nicht unbedingt beidseitig der Fall sein“, so die Einschätzung des Diplom-Biologen.

Für ihn sei das Gebiet des renaturierten Emsbeaches zwischen den beiden Brücken und auch deren Nutzung ein gutes Mittel, die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Naturschutz zu erhöhen.

Und sowieso: Nach seiner Ansicht handeln die Verantwortlichen von NABU und BUND irgendwo im Leuchtturm, weit weg von den Bürgern. „Deren Art der Kommunikation geht gar nicht“, so seine Meinung. Er verstehe auch nicht, warum sich die Naturschützer gegen das Geothermie-Projekt der Stadt ausgesprochen hätten. „Damit hätte man nichts kaputt gemacht.“

Und überhaupt: „Wenn man den Beach und seine Veranstaltungen verbietet, bekommt man die Leute nichts ins Naturschutz-Boot“, sagt Rehms und fordert die Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Naturschützer, Jäger, Angler, Landwirte und Bürger gehören zusammen an einen Tisch, um einen vernünftigen Naturschutz zu betreiben und auch die Akzeptanz zu erhöhen.“

Und Rehms wiederholt seine Forderungen. „Die Menschen müssen wissen, dass sie in einem Naturschutzgebiet sind, müssen wissen wie sich sich verhalten müssen und müssen befürchten, dass es teuer wird, wenn sie sich nicht an eben diese Regeln halten.“

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