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Morgen ist Weltparkinsontag

Als der rechte Arm herunterhing

Greven

Die „Schulspeisung“ nach dem Kriege ist nicht vergleichbar mit der Mittagsverpflegung in heutigen Ganztagsschulen. Aber auch damals waren die Familien glücklich über die Ernährungshilfe.

Luca Pals

Rudolf Hege Foto: Luca Pals

Es gab drei Schlüsselmomente, die für Rudolf Hege im Rückblick einschneidend waren: „Als mein rechter Arm beim Unterschreiben der Zeugnisse vom Blatt abrutschte.“ „Als beim Gehen mein Arm dreimal nacheinander einfach nach unten hing.“ Und: „Als der gleiche Arm beim schwimmen im Hallenbad versagte.“

Alle drei Momente kamen überraschend – und dennoch wurden sie zunächst ignoriert. Was der heute 72-Jährige damals noch auf sein fortschreitende Alter schob, stellte sich als Parkinson-Erkrankung heraus. Eine Krankheit, die bis heute nicht heilbar ist, der sich der gebürtige Ulmer aber von Anfang an tapfer entgegenstellte.

„Viele Menschen wissen nicht wirklich, was Parkinson ist“, sagt der ehemalige Leiter des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs in Lüdinghausen, „ich damals auch nicht.“

Hausmeister und Freunde haben ihn erst auf eine mögliche Erkrankung hingewiesen – Hege hat dies aber immer abgetan: „Ich und Parkinson? Das war Quatsch.“ Aufklärung ist für ihn daher besonders wichtig: „Viele verbinden die Krankheit nur mit dem Zittern von Händen, Füßen oder Beinen. Aber es ist viel mehr.“

So zeige sich Parkinson in der geistigen Leistungsfähigkeit, aber auch beispielsweise bei Verdauung und Atmung. Zum Glück habe er seinen Geschmackssinn noch nicht verloren. Die Kurve körperlicher und geistiger Leistungen sei dennoch permanent nach unten gegangen. Durch medizinische Behandlung, aber vor allem sportliche Einheiten habe er die sinkende Leistungskurve nicht nur abgeflacht, sondern stark stabilisiert – was sich jederzeit ändern kann.

Besonders Professor Dr. Tobias Warnecke von der Parkinson-Beratung des Universitätsklinikums Münster habe ihm sehr geholfen: „Er macht wirklich einen super Job. Aber auch alle anderen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Menschen, die uns sportlich wieder auf die Höhe bringen. Dieses Lob muss einfach einmal ausgesprochen werden.“

Der Sport, das wird während des Interviews deutlich, ist für Hege immens wichtig: „Ich nehme an bis zu 15 Stunden Physiotherapie in der Woche teil. Dafür geht es immer nach Münster.“

Gedanklich und körperlich werde er somit gefordert – und damit gefördert. Dazu kommt: „Das macht auch noch Spaß.“

Freude bereitet ihm aber auch die Selbsthilfegruppe aus Greven, die er seit drei Jahren als Mitorganisator leitet. Die Gruppe ist Teil der Parkinsonvereinigung Münsterland Plus. In regelmäßigen Abständen trifft sie sich in verschiedenen Räumlichkeiten in Greven.

In Pandemie-Zeiten ist für Parkinson-Erkrankte daran aber nicht zu denken: Vorsicht ist das Gebot der Stunde.

Dass die gemeinsamen Gruppenstunden aktuell ausfallen, sei vor allem schade, weil alle Mitglieder durch die Gespräche miteinander und den gegenseitigen Austausch über die Erfahrungen mit der Krankheit profitieren würden. Besonders Neumitglieder würden stets dazu lernen.

Irmel Wenzel leitet die Parkinsongruppe „Ibbenbüren und Tecklenburger Land“. Sie steht im stetigen Kontakt mit Hege: „Wenn man über vieles redet, merken die Menschen, dass eine Parkinson-Erkrankung nicht das Ende bedeuten muss. Man kann auch damit ein glückliches Leben führen.“

Eine letzte aber besonders wichtige Stütze im Leben von Rudolf Hege ist seine Ehefrau: „Bei Parkinson-Erkrankten ist immer auch der Partner erkrankt, weil er viel Geduld aufbringen muss. So ist es auch bei uns. Da gehen wir aber gemeinsam sehr gut durch.“

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