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Greven anno dazumal

Als Mann mit Hut zur Kirmes ging

Greven

Kirmes, das ist Karussellfahren? Irrtum. Jahrhundertelang war der Lambertusmarkt die wichtigste Veranstaltung, Kirmes nur die „Deko“ dazu. Darüber informiert Wilhelm Schenkel (1904-1983), lange Jahre Lehrer in Schmedehausen, in seiner Chronik des Ortsteils.

Monika Gerharz

Als das Kettenkarussell noch eine Riesenattraktion war: Die Kirmesbilder von 1956 hat der Schmedehausener Lehrer und Chronist Wilhelm Schenkel vermutlich selbst gemacht. Foto: „Stadtarchiv Greven/Wilhelm Schenkel

Auf mehr als 500 Seiten hat er Fotos und Zeitungsausschnitte und handschriftliche Vermerke gesammelt, die mit Schmedehausen zu tun haben. „Oft aber hat er auch über den Tellerrand geschaut“, weiß Stadtarchivar Dr. Stefan Schröder. Für die Nachkriegsgeschichte Grevens ist die Schenkel-Chronik darum eine ganz wichtige Informationsquelle. „Außer dem Buch von Ulrich Reske gibt es sonst für diese Zeit nicht viel an schnellem Überblick“, sagt Schröder. „Die Nachkriegsgeschichte ist noch so gut wie gar nicht erforscht.“

Zurück zur Kirmes: Schenkel hat in seiner Chronik, die im Stadtarchiv zugänglich ist, einige vermutlich selbst fotografierte Bilder von der Grevener Kirmes. „Die Bilder müssen von 1956 stammen“, vermutet Schröder, denn sie stehen zwischen anderen Ereignissen, die sicher auf dieses Jahr zu datieren sind. Auch die Mode der flanierenden Damen und Herren spricht für diese Zeit: Die Männer tragen Hüte, die Kleider der Frauen reichen bis zur Wade.

Doch zurück zum Text: Schenkel erwähnt, dass es den Lambertusmarkt schon im Mittelalter gab und dass er „dorch gantz Dütschland berompt“ gewesen sei. Die Bedeutung des Marktes sei zurückgegangen, nachdem er 1589 von den Holländern überfallen worden war. „An die Stelle des Pferde- und Rinderhandels war ein spärlicher Schweine- und Ferkelmarkt getreten.“ Zu Schenkels Zeiten wiederum war die Landwirtschaftstechnik Trumpf – von Futtermischmaschinen bis modernen Melkanlagen war dort alles zu bekommen.

Schenkels Fotos beweisen aber auch, dass Mitte der 50er Jahre die den Lambertusmarkt begleitende Kirmes immer mehr in den Mittelpunkt rückte. Karussells in allen Variationen und jede Menge Stände lockten Menschenmassen an. Wer sich dafür interessiert und eventuell sich selbst oder Freunde und Verwandte auf den Bildern suchen möchte, kann das jetzt bei Facebook tun. Unter „stadtgreven“ gibt es dort einen Link zum LWL-Archivamt, dort kann man sich die Kirmes-Seite aus der Chronik anschauen. Außerdem gibt es dort weitere Informationen zur Chronik und Links zum Archiv-Portal NRW, wo es eine Art Stichwortverzeichnis gibt, welche Themen man wo in der Schenkel-Chronik finden kann. „Wir wollen ja, dass mit unseren Archivalien etwas gemacht wird“, erläutert Schröder, warum er und seine Mitarbeiterin sich solche Mühe macht. Historiker, Heimatforscher und Genealogen können so zu Hause am Computer nachforschen, was es im Grevener Stadtarchiv Vielversprechendes für ihr Anliegen geben könnte. Der Vorteil fürs Archiv wiederum ist, dass die kostbaren Originalakten nicht immer von vorne bis hinten durchstöbert werden müssen, wenn jemand etwas sucht. Das schont das empfindliche Papier.

► www.facebook.com/stadtgreven

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