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Meteorologe Björn Bader zum Sturmwochenende

An Schlaf war kaum zu denken

Greven

Björn Bader aus Reckenfeld hat ein arbeitsreiches Wochenende hinter sich. Der Meteorologe mit eigener Wetterstation hat die Nutzer des „Wetterportals Kreis Steinfurt“ (zu finden bei Facebook) vor und während des Sturmwochenendes mit Berichten und Vorhersagen versorgt. „An viel Schlaf war nicht zu denken“, sagt er.

Von Oliver Hengst

Björn Bader Foto: Oliver Hengst

Wie stark war der Sturm im Vergleich zu Friederike und Kyrill?

Björn Bader: Gemessen an den Spitzenböen hatte „Kyrill“ am 18.01.2007 111 km/h, genau elf Jahre später wurde die stärkste Böe von „Frederike“ mit 126 km/h gemessen. Orkan „Zeynep“ hatte am Freitagabend 122 km/h. Das sind aber schlecht vergleichbare Messungen, weil diese nur punktuell gemessen werden. Alle drei Stürme waren Orkantiefs, die teils große Schäden anrichteten. „Kyrill“ war wohl der größte Sturm, weil fast ganz Deutschland betroffen war von Böen bis Windstärke 11. Frederike brachte 2018 nur in einem Streifen von NRW bis Sachsen Orkanböen, die oftmals heftiger waren wie einst „Kyrill“. Orkan „Zeynep“ beeinflusste dieses Mal vor allem Norddeutschland und die Küsten besonders heftig.

Auch lokal fiel „Zeynep“ offenbar sehr unterschiedlich aus.

Bader: Richtig, die heftigsten Böen werden nicht überall vom starken Höhenwind bis zum Boden runter gemischt. Das passiert am ehesten in Schauern und Gewittern. Darum kann es bei jeder Orkanlage gut sein, dass es Bereiche gibt, die von Orkanböen verschont bleiben, an anderen, besonders exponierten Stellen, schlagen diese Böen dann voll durch und sorgen für erhebliche Schäden. An meiner Wetterstation hab ich eine Böe von 88,6 km/h auf 3,30 Meter Höhe gemessen. Die Station am Flughafen misst in der offiziellen Höhe von zehn Metern und liegt am Rollfeld an einer sehr exponierten Lage.

Was ist eigentlich von Daten zu halten, die private Wetterstationen auf der Terrasse liefern?

Bader: Die meisten Wetterstationen, die im Preisbereich von bis 20 Euro liegen, messen aus meteorologischer Sicht sehr ungenau, für den „Otto-Normalverbraucher“ reichen die Daten aber. Oftmals haben die Thermometer eine Messungenauigkeit von +-1,5 bis 2 Grad. Wer möglichst genau messen möchte, sollte den Temperaturfühler an einem schattigen, aber gut belüfteten Ort aufhängen, zum Beispiel an der Nordseite von Wänden oder in Bäumen.

Ein solcher Orkan zu dieser Jahreszeit – ist das „normal”?

Bader: Gerade die Wintermonate sind prädestiniert für Sturm (mindestens 75 km/h) und Orkanlagen (mindestens 117 km/h). Die meisten Sturmtiefs beeinflussen Deutschland in den Herbst- und Wintermonaten. Prinzipiell sind solche Ereignisse aber das ganze Jahr über möglich. Die letzten schweren Orkane „Lothar“ (1999), „Kyrill“ (2007) und „Friederike“ (2018) erwischten uns alle in den Wintermonaten.

Müssen wir uns darauf einstellen, dass so etwas nun häufiger passiert?

Bader: Bisher ist keine signifikante Häufung von Stürmen und Orkanen, die Deutschland beeinflussen, nachweisbar. Auch ihre Stärke nimmt bisher nicht messbar zu. Das Oberflächenwasser im Nordatlantik wurde in den letzten Jahren auch nicht wärmer, eher etwas kühler, was gegen häufigere Stürme sprechen würde. Meteorologen und Wissenschaftler untersuchen, inwieweit sich das Potenzial von Stürmen mit dem Klimawandel verändert.

Bleibt es stürmisch?

Bader: Kommende Woche wird es ruhiger und auch die Sonne werden wir wieder sehen.

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