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MCH hat eine „Impfbanane“

Auszeichnung und Mutmacher

Reckenfeld

Ein Graffiti-Kunstwerk ziert seit Dienstag das Matthias-Claudius-Haus: eine Impfbanane, als äußeres Zeichen dafür, dass das Haus inzwischen „durchgeimpft“ ist.

Oliver Hengst

Künstler Thomas Baumgärtel hat eine Impfbanane an die Fassade des MCH gesprüht, als äußeres Zeichen dafür, dass das Haus durchgeimpft ist. Foto: Oliver Hengst

Er ist seit 30 Jahren als Street-Art-Künstler unterwegs und hat die Pop-Art-Banane als sein Markenzeichen etabliert. Thomas Baumgärtel hat sie schon auf der ganzen Welt gesprayt, man findet sie in Ausstellungen, Sammlungen und Galerien. „1986 habe ich die erste Banane gesprüht“, erklärte er am Dienstag seinem Publikum, das dabei zusah, wie er seinen schon 4000 vorhandenen Bananen eine weitere hinzufügte.

Eins von vier Exemplaren an diesem Tag, alle an Senioreneinrichtungen der Diakonie, drei in Münster, am späten Nachmittag dann als Abschluss am Matthias-Claudius-Haus in Reckenfeld.

Dafür war der renommierte Künstler eigens aus Köln angereist. Aus gutem Grund: Diese Banane ist etwas besonderes – sie ist eine „Impfbanane“, an der Fassade gut sichtbar in Eingangsnähe angebracht, als äußeres Zeichen dafür, dass das Haus durchgeimpft ist.

Der Künstler nutzte den Besuch, „um Mitarbeitern und Pflegern zu danken, dass Sie das alles so gut gemeistert haben“. Man habe ein schwieriges Jahr hinter sich, bestätigte Anna Otten, neue Quartiersmanagerin am MCH. Doch die Impfungen hätten die Zuversicht zurückgebracht. „Sie sehen uns heute bei bester Laune“, sagte sie zu Baumgärtel. Auch weil die Impfungen wieder etwas mehr Normalität in der Senioreneinrichtung möglich machten, Veranstaltungen, Gottesdienste, etwas gelockerte Besuchsregelungen.

„Ich bin der Meinung, dass Kunst eine heilende Wirkung hat“, sagt Baumgärtel. Und fügt hinzu: „Ich habe mich 30 Jahre lang in der Kunst für Freiheit eingesetzt.“ Die Freiheit, um die es ihm aktuell geht, wird ohne Impfen nicht zu haben sein. Insofern sei das Kunstwerk auch als Werbung fürs Impfen zu verstehen, als Aufforderung, es den Bewohnern und Mitarbeitern des MCH gleichzutun. Und letztlich sei die Impfbanane am Eingang auch eine Auszeichnung für das Haus und alle, die sich ihm verbunden fühlen, eine Auszeichnung fürs Durchhalten. Die Botschaft: Wir haben es hier geschafft, jetzt sollten auch alle anderen mitziehen.

Dass der Graffiti-Künstler am Dienstag von einem runden Dutzend Bewohner und Mitarbeiter bei der Arbeit beobachtet wurde, machte ihm nichts aus – im Gegenteil. Als Street-Art-Künstler ist er an die Öffentlichkeit gewöhnt. „Das ist wie im Stadion“, sagte er schmunzelnd. Es spornt eher an.

Die Gäste sahen, wie er die Farben in Schichten auftrug und dabei Schablonen zu Hilfe nahm. Diese werden irgendwann auch im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen sein. Die Museumsmacher haben bei Baumgärtel angefragt, ob sie die Schablonen zur Dokumentation der Corona-Zeit und ihrer Besonderheiten haben dürfen. Dürfen sie – irgendwann später. Denn noch braucht er sie, weitere Impfbananen sollen folgen, nächste Woche zum Beispiel in Schweinfurt.

  • Im Museum Goch ist aktuell die Ausstellung „German Urban Pop Art“ mit Werken von Thomas Baumgärtel zu sehen.
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